Schröcksnadel: "Kahr-Vorwürfe belasten ÖSV-Damen"

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Peter Schröcksnadel äußert sich erstmals zu den neu aufgekommenen Missbrauchsvorwürfen gegen Ex-ÖSV-Damen-Trainer Karl "Charly" Kahr.

Der ÖSV-Präsident empfindet im Olympia-Studio des ORF den Zeitpunkt der Veröffentlichung der Vorwürfe kurz vor Olympia, die zwei (noch) anonyme Ex-ÖSV-Läuferinnen gegenüber der "Süddeutschen Zeitung" mit einer eidesstaatlichen Erklärung erhoben haben, zwar als "bedenklich", rudert im Laufe des Gesprächs aber zurück: "Ich will mich an keinen Verschwörungstheorien beteiligen".

Sicher ist sich Schröcksnadel hingegen in der Tatsache, dass "die Vorwürfe, die im Raum stehen, die aktuelle Damen-Mannschaft belasten".

"Zeitpunkt der Veröffentlichung bedenklich"

Im Gespräch mit Rainer Pariasek vermutet Schröcksnadel zu Beginn ein Motiv hinter dem Zeitpunkt der Veröffentlichung ("Der Zeitpunkt der Veröffentlichung ist bedenklich"), erklärt dann aber sofort: "Aber wir gehen jedem Vorwurf nach, beziehungsweise die Klasnic-Komission macht dies. Wir persönlich machen das natürlich nicht, sonst heißt es, wir würden etwas vertuschen."

Dem Tiroler ist eine lückenlose Aufdeckung sehr wichtig, das betont er im Laufe des Interviews desöfteren: "Jeder Fall tut mit leid, sollte er bewiesen werden. Ich bin mir sicher, die Kommission wird jedem Vorwurf nachgehen und auf seine Richtigkeit überprüfen."

Damen-Leistungen von Missbrauchsvorwürfen belastet?

Am Montag steht der RTL der Damen an. Den ÖSV-Läuferinnen werden nur Außenseiterchancen zugerechnet. Für Schröcksnadel liegt das auch an den seit Monaten anhaltenden Missbrauchs-Vorwürfen aus der Vergangenheit.

Auf die Frage, ob diese die Leistungen der ÖSV-Athleten und Athletinnen beeinflusst, führt der 76-Jährige aus: "Die Herren werden weniger davon betroffen sein, die Damen schon mehr. Man muss sich fragen, warum die Damen diese Saison nicht den Sprung geschafft haben. Die Vorwürfe, die im Raum stehen, belasten die Damen-Mannschaft sicher."

Im ÖSV wird alle dafür gegeben, dass die Damen möglichst befreit in Pyeongchang auftreten können: "Wir werden mit jeder Einzelnen sprechen und ihnen erklären, dass etwas, das 50 Jahre her ist, für sie keine Rolle spielt."

Zudem will Schröcksnadel nach den Kahr-Vorwürfen auch mehr Initiative in der Aufklärung ergreifen: "Wir wollen jetzt auch alle unsere Archive überprüfen, dort ist alles gespeichert, und nachschauen, ob und wann etwas passiert ist - das ist bisher nicht erfolgt."

Funktionieren soll das folgendermaßen: "Es hat Sperren gegeben, Disziplinarverfahren, das haben wir alles archiviert. Wir werden auch genau anschauen, wer wann Trainer war."

"Merkwürdig, 50 Jahre später so etwas aufzukochen"

Wer die zwei bis jetzt noch unbekannten Athletinnen sind, die die Vorwürfe gegen Ex-Trainer Kahr in der "Süddeutschen Zeitung" erhoben haben, weiß Schröcksnadel nicht. Er findet aber: "50 Jahre später so etwas aufzukochen, finde ich merkwürdig. Aber wie gesagt, ich hoffe, dass die Klasnic-Kommission alles aufarbeitet."

An Verschwörungstheorien, welche etwa Kahr-Anwalt Manfred Ainedter aufbrachte ("es ist kein Zufall, dass so etwas kurz vor Beginn der Olympischen Spiele veröffentlicht wird"), will sich Schöcksnadel nicht beteiligen. "Das überlasse ich Ainedter. Die Staatsanwaltschaft wird alles aufklären, und, wenn sich die Vorwürfe als falsch heraustellen, die belasteten Personen entlasten."

Missbrauch im ÖSV? Heute unmöglich

so etwas kurz vor Beginn der Olympischen Spiele veröffentlicht wird. - derstandard.at/2000073916863/Missbrauchsvorwuerfe-gegen-Charly-Kahr-Warum-sollte-er-so-einfach-davonkommenso etwas kurz vor Beginn der Olympischen Spiele veröffentlicht wird. - derstandard.at/2000073916863/Missbrauchsvorwuerfe-gegen-Charly-Kahr-Warum-sollte-er-so-einfach-davonkommHeutzutage gehe die Gefahr, dass es zu sexuellem Missbrauch im ÖSV kommt, gegen Null.

"Wir haben alles umgestellt, der Verband ist nicht mehr mit vor 30 Jahren vergleichbar. Wir sind nur mehr sehr kleine Gruppen - drei, vier, fünf, höchstens sieben Leute. Bei den Damen gibt es nur mehr Masseurinnen, das sind alles Maßnahmen, die wir vor der #MeToo-Bewegung eingeleitet haben", erklärt der Präsident.

Textquelle: © LAOLA1.at

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