ÖSV-Duo im ersten Abfahrtstraining vorne dabei

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Zwei Österreicher haben gleich im ersten Training für die Olympia-Abfahrt am Sonntag (3 Uhr im LIVE-Ticker) bewiesen, dass sie sich auf der Strecke in Jeongseon wohl fühlen.

Olympiasieger Matthias Mayer belegt als bester ÖSV-Läufer Platz vier (+0,75 Sek.), Max Franz fährt auf Rang sechs (+0,94).

Die übrigen Österreicher sind nicht unter den Top 20: Vincent Kriechmayr (+1,88) belegt Platz 22 und Hannes Reichelt 28 (+2,08). Marcel Hirscher hat als 46. 3,93 Sekunden Rückstand, Marco Schwarz 4,35 Sekunden.

Die Bestzeit geht an den Kanadier Manuel Osborne-Paradis, der allerdings einen Torfehler begeht, vor dem Norweger Kjetil Jansrud (+0,31) und dem Schweizer Mauro Caviezel (+0,45). Beat Feuz belegt Rang 15 (+1,41), Aksel Lund Svindal 20 (+1,81).

Mayers "Besichtigungsfahrt" ist gelungen

Nach nur 1:40,45 Minuten schwang Osborne-Paradis im Ziel ab, richtig ins Schwitzen kommen die Speed-Asse bei dieser Streckenlänge auf dem stumpfen und aggressiven Schnee nicht. Schwierigkeitsgrad und Geschwindigkeit halten sich in Grenzen, dafür werden fehlerfreies Durchkommen und die perfekte Materialstimmung eine große Rolle spielen.

Olympiasieger Mayer kam schon ganz gut zurecht. "Ich bin ja nur Vierter, das wäre genau die Lederne", sagte er lachend. "Für das erste Mal war das auf jeden Fall ganz okay, ich wollte eine Besichtigungsfahrt machen, die ist mir gut gelungen. Aber da ist auf jeden Fall noch Luft nach oben." Die Kurven seien von Start bis Ziel relativ gleich, man müsse sehr konzentriert fahren. "Die Sprünge sind schön, aber die Abfahrt ist ein bisserl kurz. Man ist nicht richtig müde, wenn man im Ziel ist." Er glaubt, dass es einen großen Favoritenkreis geben werde.

Wie Mayer fehlte auch Max Franz beim Olympiatest 2016 verletzungsbedingt, ist also erstmals in Jeongseon. Mit 0,94 Sekunden Rückstand kam er auf Rang sechs, gleich beim ersten Sprung war er in die Schläge reingekommen und verlor Zeit. "Unten runter habe ich mich dann gut gehalten. Es ist cool zum Fahren, mir taugt es. Du musst dich ein bisserl spielen, die engere Linie wählen, wenig Meter fahren, aber nicht zu hart hindrücken."

Beim Videostudium werde er am Feinschliff für die Linie arbeiten. Es sei nicht unbedingt das Anspruchsvollste, das man in der Saison habe, aber es seien durchaus Passagen drinnen, die schwer zu fahren seien. "Und es ist eine Abfahrt, auf der sehr viele schnell sein können. Es ist nichts drinnen, wo man groß was verhauen kann. Das ist das, was gefährlich ist, da muss jede Kurve sitzen. Es wird ein Fight, ein Tüfteln an der Linie, um das richtige Material zu finden, weil es so aggressiv ist", weiß Franz, was in den nächsten Tagen noch zu tun ist.

Reichelt taugt die Abfahrt noch nicht

"Es braucht eine saubere und exakte Fahrt von oben bis unten, wie in einem Guss. Und du musst schauen, dass du Tempo machst. Ein Fehler wird dir hier herunter nicht erlaubt", sagte Vincent Kriechmayr.

Es sei eine schöne Abfahrt, mit wenig Speed und nicht richtig spektakulär. Mit den Klassikern habe dies nichts zu tun, meinte Kriechmayr. "Wenn man als Tourist unterwegs ist, ist es unglaublich, die Piste ist super präpariert. Aber auch für uns ist es unglaublich, auf diesem Schnee Ski zu fahren, du bekommst ein richtig gutes Gefühl. Es ist keine Mausefalle oder ein Brüggli-S drinnen, umso schwieriger macht es, dass man da schnell ist. Ich bin ein Athlet, der anspruchsvoller lieber hat. Aber ich werde sicher einen Weg finden, hier auch schnell zu sein." Im Weltcup wäre dies eine der leichteren Abfahrten, meinte der Oberösterreicher.

"Interessant ist die Abfahrt. Dass sie mir taugt, kann ich noch nicht behaupten, wenn ich zwei Sekunden hinten bin", sagte Reichelt. "Ich glaube, dass es ein bisschen eine Material- oder Setup-Schlacht wird, man darf sich keine Fehler erlauben. Und heute habe ich mir zu viele erlaubt, weil du nie mehr richtig Tempo aufnehmen kannst. Weil es keine Passagen gibt, wo es richtig steil ist, dass du wieder Schwung bekommst. Das macht es sehr schwer, schnell zu sein. Es wird gefinkelt."

Der Schnee, von vielen mit jenem in Beaver Creek verglichen, spreche dafür, dass es ihm liegen könnte, aber es warte einiges an Arbeit auf ihn und den Servicemann. "Beim Zuschauen schaut es relativ simpel aus. Aber zum Schnellsein ist es sicher eine Herausforderung. Es ist nicht vergleichbar mit einer anderen Strecke." Der Favoritenkreis werde groß sein. "Es gibt keine Passage wie Kitzbühel Steilhang-Ausfahrt, wo du mit Brutalität und Mut viel gutmachen kannst."

Der Schweizer Weltmeister Beat Feuz, der Gewinner der Abfahrten in Lake Louise, Wengen und Garmisch-Partenkirchen in diesem Winter, meinte lachend auf die Frage, ob die Strecke weltcupwürdig sei: "Olympiawürdig. Ich habe nicht das Gefühl, dass wir hier noch oft Weltcuprennen fahren werden, sagen wir es mal so."

LAOLA1 mit einer Zeitreise durch die Historie der Abfahrts-Olympiasieger:

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MATTHIAS MAYER - 2014 in Sotschi Bild 2 von 51
Es gibt kaum besseres Timing, als sich mit dem ersten Karriere-Sieg zum Olympiasieger zu krönen. Mayer gelang dieses Kunststück in Sotschi. Bild 3 von 51

Damit war er jedoch nicht der Erste in der jüngeren Vergangenheit der Olympischen Abfahrten. Ein Rückblick auf Favoriten- und Außenseitersiege:

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FRANZ KLAMMER (AUT) - 1976 in Innsbruck Bild 5 von 51
Als Lokalmatador hielt der Kärntner dem immensen Siegdruck eines Favoriten bei Heim-Olympia stand. Bild 6 von 51
Klammer siegte vor seinem langjährigen Rivalen Bernhard Russi (SUI) und Herbert Plank (ITA). Bild 7 von 51
LEONHARD STOCK (AUT) - 1980 in Lake Placid (Bild aus dem Jahr 1988) Bild 8 von 51
Sein erster Abfahrts-Sieg! Als Ersatzmann in die USA gereist, qualifizierte sich der Tiroler und siegte vor Peter Wirnsberger (AUT) und Steve Podborski (CAN). Bild 9 von 51
BILL JOHNSON (USA) - 1984 in Sarajevo Bild 10 von 51
Der US-Boy krönte eine starke Saison. Silber ging an Peter Müller (SUI). Jimmy Steiner holte mit Bronze Österreichs einzige Medaille in Sarajevo. Bild 11 von 51
PIRMIN ZURBRIGGEN (SUI) - 1988 in Calgary Bild 12 von 51
Zurbriggen krönte die Schweizer Dominanz in den Speed-Bewerben Ende der 80er-Jahre. Bild 13 von 51
Silber ging erneut an seinen Landsmann Peter Müller, Bronze sicherte sich Franck Piccard (FRA). Bild 14 von 51
PATRICK ORTLIEB (AUT) - 1992 in Albertville Bild 15 von 51
Eine ähnliche Story wie jene von Mayer oder zuvor Stock: Ortlieb gewann bei Olympia seine allererste Abfahrt. Bild 16 von 51
Mit Startnummer eins legte er am Face de Bellevarde eine Bestzeit hin, die nicht mehr geschlagen werden sollte. Bild 17 von 51
Silber ging an den französischen Lokalmatador Franck Piccard, Günther Mader komplettierte mit Bronze den ÖSV-Jubeltag. Bild 18 von 51
TOMMY MOE (USA) - 1994 in Lillehammer Bild 19 von 51
Olympia-Sieg in der Abfahrt, ohne zuvor im Weltcup gewonnen zu haben? Das können auch US-Boys. Bild 20 von 51
Moe schnappte in Kvitfjell den etablierten Speed-Stars die Gold-Medaille weg. Bild 21 von 51
Für Local Hero Kjetil-Andre Aamodt (NOR) reichte es mit 0,04 Sekunden Rückstand nur zu Silber, Ed Podivinsky (CAN) wurde Dritter. Bild 22 von 51
Moe gewann in derselben Saison nach Olympia noch einen Super-G - der einzige Weltcup-Sieg seiner Karriere. Bild 23 von 51
JEAN-LUC CRETIER (FRA) - 1988 in Nagano Bild 24 von 51
Es muss wohl nicht extra erwähnt werden, dass Cretier in seiner Karriere kein Weltcup-Rennen gewinnen konnte. Bild 25 von 51
Damit war er der dritte Abfahrts-Olympiasieger in Folge, der ohne Weltcup-Sieg zu Gold raste. Perfektes Timing. Bild 26 von 51
Der Franzose verwies Lasse Kjus (NOR) und den Österreicher Hannes Trinkl auf die Plätze. Bild 27 von 51
Die Schlagzeilen nach dem Rennen gehörten jedoch wegen seines "Jahrhundert-Sturzes" weitestgehend Hermann Maier. Bild 28 von 51
FRITZ STROBL (AUT) - 2002 in Salt Lake City Bild 29 von 51
Es lag am Kärntner, die Serie der Überraschungs-Olympiasieger zu beenden. Bild 30 von 51
"The Cat" zählte längst zu den etablierten Speed-Stars, als er in Snowbasin in den Abfahrts-Olymp aufstieg. Bild 31 von 51
Lasse Kjus (NOR) musste sich wie vier Jahre zuvor mit Silber begnügen, Stephan Eberharter eroberte Bronze. Bild 32 von 51
Bis zum Triumph von Mayer in Sotschi sollte Strobl der letzte österreichische Abfahrts-Olympiasieger bleiben. Bild 33 von 51
Ob Hermann Maier, der wegen seines Motorrad-Unfalls verzichten musste, etwas am Siegerfoto geändert hätte? Bild 34 von 51
Strobl konnte es egal sein. Zur Party im Österreicher-Haus reiste auch Vorgänger und Kärntner Landsmann Franz Klammer an. Bild 35 von 51
Eberharter wiederum ließ es sich nicht nehmen, für die musikalische Untermalung zu sorgen. Bild 36 von 51
ANTOINE DENERIAZ (FRA) - 2006 in Turin. Bild 37 von 51
Auch eher unter die Kategorie Überraschung fiel der Olympiasieg von Deneriaz. Bild 38 von 51
Wobei der Sieg des Gleit-Spezialisten auf der Strecke in Sestriere nicht aus dem Nichts kam. Bild 39 von 51
Man wusste vorher, dass man bis zu seiner Fahrt mit Startnummer 30 warten müsste, um den Sieger zu kennen. Bild 40 von 51
Und tatsächlich fing der damals 29-Jährige den in Führung liegenden Favoriten Michael Walchhofer (AUT) noch ab. Bild 41 von 51
Die Bronze-Medaille sicherte sich der Schweizer Bruno Kernen, der neun Jahre zuvor in Sestriere schon Abfahrts-Weltmeister geworden war. Bild 42 von 51
Für Deneriaz, 2002 und 2003 Sieger von drei Weltcup-Rennen, blieb es sein letzter Karriere-Sieg. Bild 43 von 51
DIDIER DEFAGO (SUI) - 2010 in Vancouver Bild 44 von 51
Im routinierten Alter von 32 Jahren krönte sich Defago zum Olympiasieger. Bild 45 von 51
Als erster Schweizer in der Königsdisziplin seit Zurbriggen 22 Jahre zuvor. Bild 46 von 51
Sieben Hundertstel gaben auf der Strecke in Whistler letztlich den Ausschlag zu Gunsten des Schweizers. Bild 47 von 51
Aksel Lund Svindal musste sich mit Silber zufrieden geben, Bronze-Medaillen-Gewinner Bode Miller (USA) hatte auch nur neun Hundertstel Rückstand. Bild 48 von 51
Rang vier ging übrigens an den Österreicher Mario Scheiber. Bild 49 von 51
Defago gewann vor seinem Olympischen Triumph drei Weltcup-Rennen. Bild 50 von 51
Danach sollten noch deren zwei folgen - 2011 in Bormio und 2014 im Super-G von Kitzbühel. Bild 51 von 51
Textquelle: © LAOLA1.at

Olympia: "Mega-Programm" für Marcel Hirscher

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