Südtirol gegen Olympia-Bewerbung 2026

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Nach Tirol hat sich auch Südtirol gegen eine Bewerbung für Olympische Winterspiele 2026 ausgesprochen. Die Entscheidung der Landesregierung fiel am Dienstag einstimmig, erklärt Landeshauptmann Arno Kompatscher (SVP) im Anschluss an die Sitzung.

"Die aktuellen Regelungen des Internationalen Olympischen Komitees lassen es nicht zu, die Olympischen Spiele nachhaltig zu organisieren", sagt Kompatscher. Olympia als Zero-Impact-Veranstaltung sei eine "schöne Idee", aber bleibe hinsichtlich der derzeit geltenden Bedingungen "nur ein Traum".

Südtirol war für eine gemeinsame Kandidatur der "Dolomiten-Provinzen", zusammen mit den Nachbarprovinzen Trentino und Belluno, im Gespräch gewesen.

Für Olympia in Europa wird es "immer schwieriger" 

Die Notwendigkeit, die Wettkämpfe an möglichst wenigen Orten zu konzentrieren, ein großdimensioniertes Olympisches Dorf zu errichten und die Medienaktivität in einem einzigen Zentrum zu organisieren, passe nicht mit der "Vision der Landesregierung" zusammen, wie sich Südtirol entwickeln soll.

Für Spiele in Europa werde es wohl "immer schwieriger" werden, sollten die aktuellen Regelungen weiter bestehen bleiben. "Allerdings schließen wir nicht aus, anderen benachbarten Regionen, die sich bewerben, bereits bestehende Wettkampfinfrastrukturen in Südtirol zur Verfügung zu stellen", betonte Südtirols Landeschef. Voraussetzung dafür wäre aber, dass dafür keine neuen außerordentlichen und großen Investitionen nötig seien.

Tirol hatte sich bei einer Volksbefragung Mitte Oktober mehrheitlich gegen eine Bewerbung für die Austragung der Olympischen Winterspiele 2026 ausgesprochen. Die Innsbrucker Bevölkerung hatte bereits 1993 und 1997 Winterspielen eine Absage erteilt. Daraufhin hatten Graz und Schladming eine Bewerbung für 2026 in Aussicht gestellt. 

Grazer Gemeinderat stimmt über Bewerbung ab

Am Donnerstag sollen die 48 Grazer Gemeinderäte ab der Mittagsstunde darüber abstimmen, ob Graz sich - zusammen mit Schladming - für die Abhaltung der Olympischen Winterspiele 2026 bewirbt. Die Mehrheit dafür ist wohl sicher, über die Kosten gibt es eine anhaltende politische Debatte. Die zweitstärkste Fraktion in Graz, die KPÖ, will eine Volksbefragung über die Abhaltung von Spielen.

Die Parteien der Befürworter, der ÖVP unter Bürgermeister Siegfried Nagl (19 Mandatare) und FPÖ unter Vizebürgermeister Mario Eustacchio (8 Sitze), haben gegenüber den 21 Abgeordneten von KPÖ (10), Grünen (5), SPÖ (5) und NEOS (1) die Mehrheit. In Schladming hat sich der Gemeinderat Anfang Februar einstimmig für eine Bewerbung gemeinsam mit Graz ausgesprochen.

In Graz gibt es allerdings Skepsis und Widerstand von den anderen Rathausparteien, vor allem hinsichtlich der Kosten. Die zweitstärkste Fraktion, die KPÖ unter Stadträtin Elke Kahr sammelt bereits Unterschriften, bisher rund 3.700, damit das Vorhaben Olympia einer Volksbefragung unterzogen werden soll. Zu dieser Befragung gab es anfangs ein striktes Nein von Bürgermeister Nagl, mittlerweile könnte dies nicht so streng gesehen werden.

Kosten als große Unbekannte

Bei der Abstimmung geht es darum, dass Graz einen "Letter of Intent", eine Absichtserklärung verfassen kann, der dann gemeinsam mit Schladming bis 31. März beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) eingereicht werden kann. Zugleich soll der Beschluss die Gründung einer entsprechenden Olympia-Gesellschaft "Grazer Winterspiele 2026 GmbH" im Frühjahr ermöglichen. Bis Juni soll dann eine Machbarkeitsstudie vorliegen.

Graz/Schladming bekämen dann in weiterer Folge den Status einer "Dialogue stage interested city" bis Oktober. Das IOC würde dann die Kandidaten nominieren, dieser "Candidate city process" würde vom Oktober 2018 bis September 2019 laufen. Die Vergabe der Olympischen Winterspiele und der Paralympics würde dann im Herbst 2019 in Mailand erfolgen.

Über die Kosten konnte man bisher wenig konkretes erfahren. Bei der mäßig besuchten Bürgerinformation am Montagabend in einem Saal des Messecenter Graz hatte Schladmings Bürgermeister Jürgen Winter von gesamt 416 Millionen Euro gesprochen. Diese sollten mit 195 Millionen von Bund, Ländern und Gemeinden kommen, 221 Millionen Euro von privaten Investoren. Rund eine Milliarde Euro soll das IOC beisteuern. Allerdings seien in diesen Kosten noch nicht die Aufwendungen für Sicherheitsmaßnahmen enthalten.

Das Problem: Beim Bund ist man sehr zurückhaltend. Graz und das Land Steiermark haben kaum finanziellen Spielraum. Die Stadt hat über eine Milliarde Euro Schulden, das Land an die fünf Milliarden. Letzteres hat sich einen Sparkurs auferlegt, und SPÖ-Finanzlandesrat Anton Lang hatte in einer Landtagssitzung Anfang Februar zum Thema Olympia wissen lassen, dass es "aus derzeitiger Sicht nicht den geringsten Spielraum im Landesbudget" gebe.

Textquelle: © LAOLA1.at/APA

Olympia-Zeugnis: Österreichs Athleten im LAOLA1-Check

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