Maier vs. Hirscher: Das denkt Schröcksnadel

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Peter Schröcksnadel stehen besondere Olympische Spiele bevor. Für den ÖSV-Präsidenten werden es die letzten in diesem Amt sein.

"Es ist meine letzte Periode und ich habe nicht im Plan, eine weitere zu machen. Also 2026 Olympia sicher nicht mehr", stellt Schröcksnadel in PyeongChang klar.

Im großen Interview spricht Schröcksnadel über seine Nachfolge, die Spannungen zwischen Hermann Maier und Marcel Hirscher sowie die Olympia-Bewerbung von Schladming und er gibt eine Medaillenprognose für PyeongChang ab:

Frage: Herr Präsident, Ihr Verband wird zur Olympia-Bilanz wieder die meisten Medaillen beitragen. Warum?

Schröcksnadel: Wir haben einerseits von Ski über Springen, Freestyle, Snowboard und so weiter bis Biathlon alles im ÖSV. Aber es stimmt, wir machen ungefähr 90 oder sogar fallweise mehr Prozent der Medaillen. Das liegt daran, dass wir anders gemanagt werden. Wir subventionieren durch die Einnahmen im Alpin und im Skispringen alle anderen Sportarten. Das ist alles von uns finanziert, ohne dass wir besonders viel öffentliche Mittel kriegen würden. Mit den öffentlichen Subventionen könnten wir nicht eine einzige Sportart voll finanzieren. Egal ob Langlauf, Biathlon oder die Kombi. Jede kostet mehr. Wir verbrauchen mehr Geld in einer Sportart, als wir insgesamt Subventionen kriegen. Wir sind wirtschaftlich gemanagt, vielleicht ist das der entscheidende Vorteil.

Frage: Sie halten 15 ÖSV-Medaillen in Pyeongchang für möglich. Bleiben Sie dabei?

Schröcksnadel: Ja, 15 im ÖSV-Bereich. Wenn Rodler oder Eisschnellläufer noch was schaffen, könnten wir insgesamt auf 17 bis 18 kommen. Das ist aber wie gesagt das Ziel und wenn wir es nicht erreichen, wäre das schade. Wir waren ja in Turin 2006 schon einmal bei 22 ÖSV-Medaillen von insgesamt 23.

Frage: Eine Sparte haben Sie nicht erwähnt. Was ist los mit den Skispringern?

Schröcksnadel: In jeder Sportart kannst du einen Hänger haben. Das heißt noch lange nicht, dass es schlecht gemanagt ist oder sonstwas nicht funktioniert. Die gleiche Partie war voriges Jahr sehr gut. Ich sehe keinen Grund, etwas auszutauschen oder zu verändern. Wenn sie sich in Ruhe konsolidieren, können sie eine Medaille machen.

Frage: Zuletzt gab es Spannungen zwischen den zwei großen ÖSV-Stars Hermann Maier und Marcel Hirscher, nachdem Zweiterer Maiers Siegrekord im Weltcup eingestellt hatte. Ihre Meinung?

"Hermann ist der Hermann Maier, weil er in Nagano diesen Salto gemacht hat. Ich will seine Erfolge nicht schmälern, aber der Held ist er durch dieses Ereignis geworden."

Schröcksnadel: Das halte ich für unnötig. Es sind beide großartige Sportler und von Marcels Seite gibt es sicher keine Rivalität. Hermann ist der Hermann Maier, weil er in Nagano diesen Salto gemacht hat. Ich will seine Erfolge nicht schmälern, aber der Held ist er durch dieses Ereignis geworden. Und natürlich den nachfolgenden Sieg. Aber da haben ihm auch Menschen sehr geholfen, das war er nicht alleine.

Frage: Sind solche Sport-Helden wie Maier oder Hirscher ein Glücksfall für einen Sportverband?

Schröcksnadel: Ich glaube nicht, dass es Glücksfälle sind. Helden haben andere Nationen auch, etwa Italien mit Alberto Tomba. Wir haben aber natürlich sehr viele. Was wir versuchen ist, auf unsere guten Athleten sehr gut zu schauen und ihnen Umfelder zu schaffen, die das, was sie können, fördert.

Frage: Da fällt einem sofort Anna Veith ein. Mit ihr hatten Sie vor einigen Jahren ziemlichen Krach. Ihr erster Dank nach dem Comebacksieg galt dann Ihnen. Was glauben sie, warum?

Schröcksnadel: Weil sie gesehen hat, dass wir fair sind. Oft kommen ja Manager und reden den Athleten ein, dass sie der Verband nur ausnutzt. Anna hat erkannt, dass wir faire Leute und nur für unsere Athleten da sind.

Frage: Wie taugt Ihnen der aktuelle Trend mit Winterspielen in Asien prinzipiell?

Schröcksnadel: Ich bin überhaupt nicht glücklich darüber. Aber im Moment sind halt dort die Spiele. Korea ist jetzt kein so besonderer Markt, China hingegen schon. Da kannst du sehr viel Tourismus kriegen, es gibt 300 Millionen Skifahrer. Aber den Asien-Trend halte ich grundsätzlich nicht für gut. Skisport hat halt gewisse Regeln, und wenn ich eine Abfahrtsstrecke stutzen muss, ist das kein gutes Signal. Aber die Spiele werden gut funktionieren, auch die Koreaner werden es gut machen. Es ist einerseits gut, wenn der Skisport die ganze Welt einbindet. Es ist aber nicht unsere Kultur, in der wir da fahren.

Frage: Die aktuelle Entwicklung sieht man auch im Weltcup. Abfahrten in zwei Durchgängen, immer mehr Parallelrennen. Was denken Sie?

Schröcksnadel: Abfahrten in zwei Läufen taugen mir, das erhöht den Spannungsbogen. Zu viele Parallelrennen gefallen mir hingegen weniger. Das ist sehr weit weg vom echten Alpinsport und hat sich deshalb auch in Amerika auf Dauer nicht durchgesetzt. Das K.o.-System ist irgendwie high noon - wer schießt schneller? Der sportliche Wert hält sich aber in Grenzen.

Frage: Schladming bewirbt sich um Olympia 2026. Was halten Sie davon?

Schröcksnadel: Ich bin prinzipiell dafür, das war ich in Tirol ja auch. Es wäre gut, wenn man Olympische Spiele wieder in die Alpen bekommt, weil die olympische Bewegung zum Ausgangspunkt zurückkehrt. Zweitens hat das Land Steiermark eh schon fast alles gehabt, nur Olympia noch nicht. Das ist also was Neues. In Tirol ist man schon satt. Wenn die Steirer das gerne möchten, begrüße ich das sehr. Sie bringen alle Voraussetzungen für alpin und nordisch mit. Einige Sportstätten müsste man klären. Aber auch ein Neubau wäre nicht schlimm. Infrastruktur für Sport ist etwas sehr Gutes, das bringt ja auch dem Nachwuchs viel.

Frage: Die Zeit ist aber sehr knapp. Ist das ein Problem?

Schröcksnadel: Ich sehe Volksbefragungen eher kritisch. Die betroffenen Regionen sind dafür, die anderen dagegen. Es sollte eher eine politische Entscheidung sein, zu der man dann steht. Alles andere macht nicht viel Sinn. Politiker sind gewählt, um zu entscheiden. Und nicht, um das Volk zu fragen, wenn sie nicht weiterwissen. Wenn die steirische Politik das also will, finde ich das für sehr gut und mutig.

Frage: Es gibt News zur Vermarktung der TV-Rechte von Österreich-Skirennen. Könne Sie bitte aufklären?

Schröcksnadel: Wir vermarkten unsere Rennen weiter selbst. Die internationale Vermarktung der Fernsehrechte wurde aber ausgeschrieben, eines der Angebote kam von IMG. Das ist nun der Rechtehändler. IMG kann in unserem Auftrag verhandeln, abschließen tun wir. Wir haben eine sehr gute Vereinbarung mit einer Garantiesumme die höher ist, als wir sonst fix von jemand für den Verkauf der Rechte bekommen hätten. Und: IMG hat bei fast allen Fluglinien der Welt die Inflight -Rechte, das ist mit 250 Millionen Passagieren ein Riesenmarkt und hilft der zusätzlichen Verbreitung des Sports.

Frage: Sie werden im Sommer 77 Jahre alt. Wie lange machen Sie noch den ÖSV-Präsidenten?

Schröcksnadel: Ich habe gewisse Vorstellungen. Ich will es so übergeben, dass es einen Fortbestand hat. Es wäre schade, sowas aufzubauen und es dann nicht weitergeführt wird. Es ist meine letzte Periode und ich habe nicht im Plan, eine weitere zu machen. Also 2026 Olympia sicher nicht mehr. Was sein kann ist, dass ich in einem Übergangsjahr noch mithelfe.

Frage: Österreich hat durch die Wahl politisch eine neue Sportführung. Ihre Meinung?

Schröcksnadel: Wir sind Demokraten und ein unpolitischer Verband. Der Sportminister, der gewählt wird, ist unser Minister. Ich habe nach einigen Gesprächen einen sehr guten Eindruck und glaube, dass er es sehr gut machen wird. Er mag keine Freunderlwirtschaft. Ich glaube, dass er gewisse Dinge durchschaut und einen Blick von außen hat, weil er nicht in den bestehenden Strukturen groß geworden ist.

Frage: Gibt es von ihrer Seite Wünsche an die Politik?

Schröcksnadel: Wir haben keine deponiert, aber natürlich wollen wir permanente Abfahrtsstrecken. Aber das geht nicht so schnell. Was ich mir wünsche, wäre ein echtes Leistungsprinzip, damit Leistung im Sport wirklich belohnt wird. Der bisherige Versuch in diese Richtung war eher mäßig. Ich wünsche mir, dass die Politik die Leistung auch mit Förderung verbindet.

Frage: Wie sieht es mit Ihrer Tätigkeit als Sommersport-Koordinator aus?

Schröcksnadel: Das muss neu aufgestellt werden, ich habe diese Funktion nicht mehr. Es ist aber gut, so ein System oder ein Olympiaprojekt zu haben. Wir sind überall besser geworden. Ich stehe gerne weiter für Tipps und Ratschläge zur Verfügung, Koordinator bin ich nicht mehr.

Frage: Was ist der Stand in der Causa Werdenigg?

Schröcksnadel: Wir haben jetzt Gutachter beauftragt, die von außen den Vorwürfen nachgehen und die Rahmenbedingungen analysieren. Jetzt warten wir auf die Vorschläge der Experten. Mein Anliegen ist es, dass es Strukturen gibt, die Übergriffe möglichst verhindern und nicht fördern. Wir haben im ÖSV selbst ja schon vieles verändert. Spitzenleistungen kann es nur geben, wenn die Athleten selbstständig und eigenverantwortlich entscheiden können und zufrieden sind.

Textquelle: © LAOLA1.at/APA

Olympia: Team-Bewerb ohne Marcel Hirscher

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