Kakko liefert das komplette Paket

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Nach 11 Spielen in Bratislava kehrt irgendwann Fadesse ein – Zeit für einen Ortswechsel und ein Wochenende am zweiten WM-Spielort Kosice mit fünf Spielen.

Für die zweitgrößte Stadt der Slowakei ist Kosice aber gleichzeitig eine Stadt der kleinen Wege. Fünf Minuten vom Bahnhof ins Zentrum, von dort zehn Minuten zur Steel-Arena.

Diese immens steil gestaltete Halle (im zweiten Rang bieten sich Steigeisen an) war für die meisten Spiele ein guter Austragungsort. Einzig für die Heimspiele der Slowakei reichten knapp 7500 Tickets natürlich nicht annähernd aus.

Zum Sportlichen: NHL Amateur Scouts – im Gegensatz zu den Pro Scouts für die Draft zuständig – waren in Kosice natürlich in ihrem Element. Defender Moritz Seider konnte weitere Pluspunkte sammeln, ehe ihn Ladislav Nagy in die Bande nagelte und aus dem Turnier nahm.

Kakko dominiert nach Belieben

Der immense smarte und abgeklärte Mannheim-Verteidiger wird in Vancouver nicht lange warten müssen, bis sein Name aufgerufen wird, Top-15 auf jeden Fall, wäre mein Tipp, womöglich sogar Top-10.

In noch höheren Dimensionen schweben natürlich Jack Hughes and Kaapo Kakko. Was ich noch in Bratislava ausgeschlossen hatte, erscheint mir nun doch zumindest möglich: Nämlich, dass Kakko vor Hughes als Nr. 1 gezogen wird. Dass Kakko hier besser performt hat, steht außer Frage. Niemand hätte ihn für einen 01 geborenen Junioren gehalten, er dominierte zeitweise nach Belieben.

Groß mit langen Armen, toller Technik, einem gleichzeitig sanften und explosiven Eislaufstil und spektakulären Abschlussqualitäten – das komplette Paket! Dagegen wirkte Hughes fast kindhaft, hatte Probleme sich durchzusetzen, gab einige Pucks leichtfertig her und kreierte kaum Offensive.

Zu früh für echten Vergleich

Also alles klar? Kakko besser als Hughes? Nur: So kurzfristig denken NHL-Scouts auch wieder nicht. Schließlich geht es nicht um das derzeitige Leistungsvermögen oder ein WM-Allstarteam, sondern um eine NHL-Karriere von mehreren Jahren. Hughes - ein ungemein leichtfüßiger Eisläufer – wird seine physischen Nachteile bald aufholen.

Dazu können Vergleiche im letzten Moment sehr gefährlich sein. Als ich die beiden zuletzt im November sah, dominierte Hughes ein U18-Turnier nach Belieben, skatete oft um das ganze gegnerische Team. Kakko hingegen – wenn auch in einem schwierigeren U20-Turnier – war gut, aber keineswegs dominierend.

Die WM wird den Scouts und Management von New Jersey aber natürlich neues Futter für Diskussionen gegeben haben, auch wenn ich immer noch an Hughes als Nr. 1 glaube. Der US-Amerikaner hätte mit einer WM-Absage seine Position sogar eher gestärkt, Kakko ließ im Gegensatz die U18-WM sausen.

Im Fahrersitz befinden sich eigentlich die New York Rangers (Nr. 2 im Draft): Sie haben nochmals gesehen, dass es sich keineswegs um einen “Ein-Spieler-Draft” handelt, können also gelassen warten, wen ihnen die Devils überlassen.

Gala-Jahr für deutsches Eishockey

Das deutsche Eishockey hat ein Gala-Jahr hinter sich: Nach dem Olympia-Silber schafften sowohl das U20- als auch das U18-Team den Aufstieg unter die Top-10 der Welt, während in Kosice die Playoff-Qualifikation auch schon weit vor dem letzten Vorrundenspieltag feststand. Ein Beweis dafür, dass internationale Erfolge auch mit einer Liga funktionieren können, die mit Legionären gespickt ist.

Eines produzierte der wieder bessere gewordene deutsche Nachwuchs aber in den letzten Jahren gar nicht: Mobile, gut skatende Defender mit Offensiv- und Powerplay-Qualitäten. Angesichts von wenig beweglichen und talentierten Verteidigern wie Dennis Reul, Benedikt Schopper und Marco Nowak darf es nicht verwundern, dass Teamchef Toni Söderholm sogar eine Überzahlformation mit fünf Stürmern auf das Eis schickte. Im Gegensatz zum Teilzeit-NHLer Korbinian Holzer fand mit Yannic Seidenberg nur ein Verteidiger wenigstens im zweiten PP-Unit Platz - und der ist ein umfunktionierter Stürmer!

Wie bei Norwegen in der anderen Gruppe wurde auch bei Frankreich sichtbar: Die besten Zeiten sind vorbei, vor allem wenn die NHLer (Bellemare, Roussel) ebenso fehlen wie langjährige Stützen (Stephane DaCosta, Yohann Auvitu). Der Rücktritt von Goalie Cristobal Huet machte auch die Goalieposition zu einer Schwäche.

Nun besteht die Mannschaft aus einer Menge harter Arbeiter, einzig Damien Fleury und Charles Bertrand definieren sich über ihre Abschlussqualitäten. Der aus Columbus nachgeflogene Alexandre Texier machte auf mich hier auch einen sehr müden Eindruck. Trotzdem agiert Frankreich – wie auch Norwegen – immer körperlich starker als das ÖEHV-Team, von den Dänen einmal gar nicht zu reden.

Slowakei scheitert an Goalieleistungen

Enttäuschend, wenn auch nicht ganz überraschend, die Nicht-Playoff-Teilnahme des Veranstalters: Die Slowakei vergab ihre Chancen durch sehr späte Gegentore gegen Kanada und Deutschland. Das Team war aber heuer jünger und talentierter als in den letzten Jahren, scheiterte vor allem an unzulänglichen Goalieleistungen. Schade drum, der Nationalstolz bei den Slowaken war durch den Heimvorteil mehr ausgeprägt als sonst.

Stürmer David Bondra (hat auch ein EBEL-Angebot vorliegen) war durch seine späte Nominierung und seinen Treffer gegen Großbritannien sogar so übermannt, dass er bei einem TV-Interview in Tränen ausbrach.

So sympathisch mir die Slowaken und die beiden Ausrichterstädte auch sind: Auch dieses Turnier war (neben dem Abstieg der U18 in die B-Gruppe vor Wochen) ein weiterer Beweis dafür, dass die Slowakei endgültig und dauerhaft hinter Deutschland und vor allem der Schweiz angekommen ist.

Textquelle: © LAOLA1.at

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