Marco Kaspers Entwicklung zum Top-Prospect der NHL

Marco Kaspers Entwicklung zum Top-Prospect der NHL Foto: © GEPA
 

Die Zeit bis zum NHL-Draft am 7. und 8. Juli verrinnt.

Für Österreichs Ausnahmetalent Marco Kasper wird hier ohnehin nur der erste Tag in Montreal Relevanz haben.

LAOLA1-Scout Bernd Freimüller wirft einen Blick auf seine Reports über ihn im Laufe der Jahre:

Im Gegensatz zu Vinzenz Rohrer, den ich nur einmal in einem Klubspiel in Österreich gesehen habe, war Kasper über Jahre ein Bestandteil der KAC-Nachwuchsteams.

Allerdings war sein Auftreten nie ein Hinweis auf die Altersstufe des jeweiligen Matches: Er spielte nicht nur als Underager, sondern das besonders krass – seine Gegenspieler waren fast durchgehend einige Jahre älter.

So stehen auf "Eliteprospects" für ihn drei Jahre in der U18 zu Buche, wobei er in der ersten Saison gerade 13 Jahre alt war. Mit 15 Jahren kam er dann schon auf Playstation-Zahlen in derselben Liga (63 Punkte in 22 Spielen), gab da auch sein Debüt in der AlpsHL.

Natürlich stinken die österreichischen Nachwuchsligen im internationalen Vergleich ab, aber solche Scorerzahlen gegen alters- und größenmäßig überlegene Spieler sind auch hierzulande ein Unikat und ein Hinweis auf große Klasse.

Auch Serge Aubin war sofort beeindruckt

Mein erster Report stammt vom 1. Oktober 2016, einem U16-Spiel des KAC in Innsbruck. Kasper war damals gerade 12 Jahre alt: "Scort regelmäßig gegen weit ältere Gegenspieler. Denkt das Spiel auf einem fortgeschrittenen Niveau, ausgezeichnete Übersicht und Ruhe mit der Scheibe. Schnelle Hände um das Tor herum. Hat Potential zu einem 'Big-Time Offensive Player'."

Kaum ein Monat später ein Follow-up-Report bei einem Spiel der österreichischen U14-Südauswahl gegen ein U15-Team der Slowakei: "Der einzige 2004er am Eis, aber der beste Spieler. Immenses Talent, kann Offensive ohne Unterlass kreieren. Führt Puck wie an einer Schnur, kann Gegner leicht austanzen, zögert auch nicht zu schießen, scorte mit einem Laser. Sowohl Abschlussspieler als auch Vorbereiter. Top in 2004er-Jahrgang, auch besser als alle 2003er."

Ich habe nicht bei jedem Klubspiel einen Report gemacht, aber es muss zu diesem Zeitpunkt gewesen sein, als ich ihn bei einem Spiel in Wien gesehen habe. Der damalige Caps-Coach Serge Aubin saß auf der Tribüne, um seinem Sohn zuzusehen und meinte zu mir scherzhaft über den ihm bis dahin natürlich völlig unbekannten Kasper: "Kannst du uns so einen Spieler irgendwo finden?"

Das größte Talent neben Marco Rossi

Im Februar 2017 ein Report aus einem Spiel von U14-Auswahlen: "Dominierte ohne Probleme, es fehlt ihm noch an Kraft und damit an Schnelligkeit, trotzdem kann er die Scheibe nach Belieben übers Eis tragen. Sowohl Passgeber als Schütze, kann auch schon Scheibe in engen Lagen hochheben ('can elevate the puck'). Mit Marco Rossi das größte Nachwuchstalent hier."

Kasper drückte der WM seinen Stempel auf
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November 2017 dann in einem weiteren Auswahlteam: "Neigt Eis in seinen Shifts ins gegnerische Drittel. Geduld, Übersicht, Playmaker-Fähigkeiten. Immer noch ein Kind, aber ein Differencemaker."

Knapp ein Monat später ein Turnier im slowakischen Poprad, das die österreichischen Teams immer überforderte: "Einziger 2004er im Team, es fehlt noch an Kraft, aber er verarbeitet das Spiel in ganz anderen Sphären. Denkt Spielzüge vorweg. Mehr Passgeber als Schütze, mit zunehmender Kraft kann sich das aber umdrehen. Wenn er die Scheibe verliert, erobert er sie mit Positionsspiel und einem schnellen Stock sofort zurück. Ein Ausnahmetalent, das in eine bessere Liga als die österreichische gehört."

Dann kam der körperliche Fortschritt

Ein Turnier in St. Pölten 2020, als eine körperliche Entwicklung schon sichtbar war: "Ist gewachsen und größer geworden, schaut jetzt zumindest nach einem Spieler aus, der auf Dauer medium-sized oder darüber sein wird. Braucht immer noch mehr Kraft, vor allem in den Beinen. Einige gute Plays, guter Backcheck, wirkte etwas nervös. Unglaublicher Werkzeugkasten."

Mein letzter Juniorenreport dann von der U20: "Hat körperlich aufgeholt, nun auf annähernd gleicher Ausgangsbasis wie seine Gegenspieler. Exzellenter Hockey Sense, kann Plays in vollem Speed machen, braucht keine Vorbereitungszeit. Kann mit Vorhand und Backhand passen, Offensivgarant. Macht Spieler um ihn herum besser."

Mein Portrait von Kasper nach diesen Auftritten hätte einen Playmaker mit überragendem Hockey Sense und Händen ergeben, der aber auch selbst abschließen kann. "Stark vor allem im Powerplay von der Halfwall, dazu auch mit guter defensiver Arbeit. Körperlich natürlich noch mit Aufholbedarf."

Nachdem ich ihn aber immer nur gegen weit ältere Spieler gesehen habe, wo er natürlich kleiner wirkte als er wirklich war, waren meine Bedenken wegen seiner Physis sicher übertrieben und verzerrt, verwischten sich aber auch im Laufe der Jahre.

Auf dem Flügel: Der neue Marco Kasper

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Natürlich habe ich Kasper auch in Schweden verfolgt, die Corona-Absagen von Turnieren bzw. die U20-Spiele nur am TV haben aber keine neuen Reports hergegeben.

Ich war jedenfalls darüber informiert, aber auch überrascht, dass sich Kasper vom Playmaker zum Powerforward entwickelt hat. Fast alle Tore bei Rögle, die ich von ihm gesehen habe, entstanden aus dem Nahkampf mit Abfälschern, Rebounds und schnellen Schüssen.

Ein unerschrockener Spieler, der vor nichts und niemandem Angst hatte, eher ein Gatecrasher als ein Spielmacher war. Ich kannte ihn aus den Nachwuchsteams auch fast nur als Center, während er in Rögle Flügel spielte.

Beide - überraschend verschiedene - Versionen von Marco Kasper waren ausgezeichnete Spielertypen, ich musste sie in meinem Kopf aber erst zusammenführen. Gelegenheit dazu bot die letzte WM in Helsinki, wo ich die letzten drei Spiele vor Ort war: "Großer Wandel in seinem Spiel, jetzt fast ein Power Forward. Als Flügel nicht viel weniger am Puck als früher als Center, sucht die Scheibe und sie findet ihn. Körperlich hat er immens zugelegt, daher so effektiver im Nahkampf. Kann die Scheibe übers Eis tragen, aber auch auf engem Raum verteidigen. Vereinigt neugewonnene Power mit sanften Händen, kann im Verkehr Plays machen oder sich zum Tor drängen. Großartige Arbeit hinter dem Tor gegen die USA in der Schlussphase. Harter und schneller Schuss. Stellt Motor nie ab, auch nach Puckverlusten und Broken Plays immer involviert. Spielt ohne Furcht und mit großem Gusto, nur Gesichtsgitter hat ihn als Nachwuchsspieler ausgewiesen. Kraftvolles und unerschrockenes Spiel, gepaart mit Abschluss- und Vorbereitungsfähigkeiten, dazu solide Defensive. Sehr gutes, auf das NHL-Niveau übertragbares Paket, sollte von Flügel auch problemlos wieder in die Mitte zurückkehren können."

Zweifel an Kaspers Fähigkeiten hatte ich in meinen Reports nie, lediglich sein Wandel im Spielstil hat mich einigermaßen überrascht. Das eine oder andere NHL-Team wird ihn sicher sehr hoch auf seiner Liste führen, die Frage ist nur, an welcher Stelle es dann zum Zug kommt...

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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