So gehen Grabner und Vanek in die Free Agency

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Wie immer ist der 1. Juli im Kalender der Eishockey-Fans rot angestrichen: Start zur Free Agency in der NHL, (Aber-)Millionen von Dollar werden bewegt.

Neben dem (möglichen) großen Fisch John Tavares könnte auch ein Schlüsseltag für die beiden Österreicher Michael Grabner und Thomas Vanek anstehen, die sich nach dem Ende ihrer Verträge (erneut) auf die Suche nach neuen Klubs machen müssen. Während bei Grabner interessant wird, ob die guten letzten zwei Jahre seiner Karriere wieder einen Push geben und für einen besseren Vertrag sorgen konnten, ist bei Vanek die Frage, was in seinem fortgeschrittenen Alter nach Jahren des Nomadentums "noch geht".

LAOLA1-Experte Bernd Freimüller klärt die wichtigsten Schauplätze der anstehenden Free Agency und insbesondere die Ausgangslage der beiden ÖEHV-Legionäre im Vorfeld ab.

Hört sich Tavares nur um?

Mit John Carlson verschwand schon kurz nach dem Draft der Top-Verteidiger vom Free-Agency-Markt, bevor dieser überhaupt eröffnet wurde - die Washington Capitals hatten gerade Coach Barry Trotz verloren, noch ein Abgang hätte die Stimmung nach dem Stanley-Cup-Sieg wohl erheblich getrübt. Carlson unterschrieb für die maximal möglichen acht Jahre zu einem Gesamtpreis von 64 Millionen Dollar, dazu kommt noch eine "Modified No-Trade Clause". Das heißt, sollten ihn die Caps einmal traden wollen, kann Carlson hier 15 (oder später zehn) mögliche Destinationen angeben.

Aber zurück zu den Free Agents: John Tavares hörte sich angeblich an, was ihm der freie Markt so bieten kann. Er bzw. sein Agent Pat Brisson tauschten sich mit fünf NHL-Teams aus. Auch wenn Tavares erstmals zum "UFA" ("Unrestricted Free Agent") wird, ist ein Wechsel nicht unbedingt beschlossene Sache. Die New York Islanders tauschten erst vor kurzem ihre Führungsriege aus, Oldie Lou Lamoriello ist nun der neue General Manager und er ist sicher kein Mann, der sich mit Mittelmaß zufriedengibt und daher dem Center bessere Perspektiven aufzeigen kann.

Tavares gilt den Islanders durchaus als verbunden und diese haben natürlich auch einen Startvorteil: Im Gegensatz zu den Mitkonkurrenten können sie dem Center bis zum 30. Juni einen Achtjahres-Vertrag vorlegen. Danach gilt für sie das gleiche wie für den Rest der Liga, mehr als sieben Jahre Vertragsdauer geht nicht. Cap-Probleme haben die Islanders seit Jahren keine, sie könnten daher auch hoch bieten. Das neue Maximumgehalt pro Jahr wäre 15,9 Mio. Dollar, die per CBA (Collective Bargaining Agreement) geregelten 20 Prozent des ab der nächsten Saison gültigen Upper-Cap-Limits von 79,5 Mio.

Verteidiger- und Goalie-Märkte dünn

Weitere prominente Namen der Free Agency: Joe Thornton, allerdings auch schon reife 38 Jahre alt. Rick Nash (34), zuletzt aber mit absteigenden Leistungen. James Neal (30), der auch in Vegas bewies, ein konstanter Scorer zu sein. James van Riemsdyk (29), zuletzt mit 36 Toren für Toronto, fast alle davon aus Nahdistanz. Der smarte Center Paul Stastny (32), den die Winnipeg Jets nur zu gerne wieder in ihr Gehaltsgefüge pressen würden. Derek Ryan (31) gehört natürlich nicht zu diesen Elitenamen, trotzdem wird es interessant, was der freie Markt für den Ex-Villacher und Noch-Hurricane hergibt.

Seit 2009 in der NHL: Michael Grabner ist bereits eine bekannte Stütze in der besten Eishockey-Liga der Welt.

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Über 500 Regular-Season-Spiele durfte der Villacher bislang bestreiten.

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LAOLA1 erzählt die Karriere des Michael Grabner in Bildern:

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Die Karriere von Michael Grabner begann - wie könnte es für einen Villacher anders sein - beim VSV (im Bild gegen den jetzigen Linz-Manager Christian Perthaler).

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Schon vor seiner Übersee-Zeit kam er 2003/04 auf insgesamt 18 Einsätze für die Kampfmannschaft, dabei schoss er zwei Tore und lieferte einen Assist.

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Von 2004 bis 2007 ging es erst in die WHL zu den Spokane Chiefs.

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Mit zwei überzeugenden Saisonen (75 Tore und 31 Assists in 128 Spielen) empfahl er sich für einen frühen Pick im NHL-Draft.

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2006 wurde er von den Vancouver Canucks in der ersten Runde an 14. Stelle gezogen.

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Trotz dieser schockierend positiven Vorschuss-Lorbeeren ging es allerdings erst einmal eine Weile zu den Manitoba Moose, dem AHL-Farmteam der Kanadier.

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2007/08 und 2008/09 wurden seine ersten vollen Profi-Jahre, das gleich in der zweithöchsten Liga Nordamerikas. Auch dort wusste er, mittlerweile nicht mehr ganz so blond, zu überzeugen.

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2009 sollte es endlich soweit sein! Durch eine Verletzung von Daniel Sedin wurde Grabner am 14. Oktober in den NHL-Kader hinaufgezogen.

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Nur eine Woche später, am 21. Oktober, erzielte Grabner im Powerplay gegen die Chicago Blackhawks sein erstes NHL-Tor.

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Am 1. November 2009 verletzte sich Grabner nach neun Spielen beim Aufwärmen, als er beim Fußballspielen umknickte.

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Es folgte eine AHL-Rückkehr zu den Manitoba Moose. Erst am 17. März 2010 wurde er wieder von den Canucks gebraucht, in den verbleibenden elf Regular-Season-Partien zeigte er auch mit einem Hattrick auf.

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In der zweiten Runde der Playoffs war gegen die Chicago Blackhawks Endstation.

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2010 wurde er zu den Florida Panthers getradet, bestritt dort aber nur die Preseason. Kurz vor Anfang der Saison 2010/11 war Grabner am Markt.

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Zwei Tage später schlugen die New York Islanders zu.

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New York sollte schließlich eine langfristige Heimat werden: Insgesamt fünf Saisonen trug Grabner Blau-Orange. Für die Playoffs reichte es jedoch erst im dritten Jahr.

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Gleich 2010/11 wurde seine bis dato produktivste Spielzeit überhaupt: 34 Tore und 18 Assists in 76 Spielen. Damit führte er nicht nur die Torschützen-Liste der Islanders, sondern aller Rookies ligaweit an und wurde für die Calder-Trophy als "Rookie of the Year" nominiert.

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Besonders durch seine Schnelligkeit fiel Grabner auf. Im Jänner 2011 wurde er für die "SuperSkills" nominiert.

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Mit Zeiten von 14,061 und 14,238 Sekunden gewann er den Wettbewerb um den schnellsten Skater der NHL.

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Mit seiner überzeugenden ersten Saison verdiente er sich einen Fünfjahresvertrag bei den Islanders ab 2011, der ihm insgesamt 15 Millionen US-Dollar einbringen sollte.

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2011/12 konnte er an seine Statistiken des Vorjahres nicht ganz anschließen (20 Tore, 12 Assists in 78 Spielen).

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Die Saison 2012/13 begann mit dem NHL-Lockout. Grabner zog es standesgemäß in die Heimat zum VSV zurück.

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Das hierzulande vielbeachtete Gastspiel des Stars endete nach 17 EBEL-Einsätzen (10 Tore, 9 Assists).

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Nach der USA-Rückkehr sollten 2012/13 noch 16 Tore und 5 Assists in 45 NHL-Spielen folgen.

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Als Belohnung gab es die erste Playoff-Teilnahme mit den Isles, die aber in der ersten Runde endete (2:4 gegen die Pittsburgh Penguins).

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Danach ging es allerdings deutlich bergab: 2013/14 waren es nur mehr 12 Tore und 14 Assists in 64 Spielen.

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2014/15 blieb Grabner sowohl bei Toren (8), als auch Assists (5) im einstelligen Bereich, durfte allerdings auch nur mehr 34 Spiele absolvieren.

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Dennoch zogen die Isles in die Playoffs ein, wo wieder in der ersten Runde Sense war (3:4 gegen die Washington Capitals).

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Es sollte Grabners letzte Saison bei den Islanders werden, für das letzte Jahr seines laufenden Vertrags wurde er an die Toronto Maple Leafs abgegeben.

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Im Gegenzug für den Österreicher wanderten Taylor Beck, Carter Verhaeghe, Matt Finn, Tom Nilsson und Torhüter Christopher Gibson an die Ostküste.

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Grabner wurde gleich zum Assistant Captain ernannt. Ein bevorzugter Einsatz im Penaltykilling sorgte für wenig berauschende Statistiken (je 9 Tore und Assists in 80 Partien).

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Obwohl die Leafs Interesse an einer Vertragsverlängerung zeigten, wurde Grabner im Juli 2016 zum Free Agent.

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Eine letztlich glückliche Fügung für Eishockey-Fans in Österreich (und New York), wie sich später herausstellen sollte.

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Grabner übersiedelte wieder nach New York, diesmal allerdings zu den Rangers.

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Bei den "Blueshirts" sollte wider Erwarten der Knoten platzen: Grabner konnte seine Stärken wieder ausspielen und führte zu Beginn seines Engagements zeitweise die NHL-Torschützenliste an.

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Mit letztlich 27 Toren und 13 Assists in 76 Regular-Season-Spielen wurde Grabner zur offensiven Stütze des Teams.

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Dementsprechend stieg die Gunst bei den Fans.

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Erstmals konnte Grabner mit den New York Rangers in die zweite Playoff-Runde vorstoßen.

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Nach einem 4:2 über die Montreal Canadiens war aber gegen die Ottawa Senators (2:4) Schluss.

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Der Österreicher kam in allen 12 Partien zum Einsatz und legte noch einmal vier Tore und zwei Assists auf seine Bilanz drauf.

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Obwohl damit spekuliert wurde, dass Grabner im Zuge des Expansion Drafts nach Las Vegas übersiedeln müsse, blieb ihm ein Gang in die Wüste erspart.

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Stattdessen verdiente er sich erneut einen Einjahres-Vertrag bei den Rangers.

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Die Saison 2017/18 begann mit 13 Toren in 26 Spielen wieder gut.

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Gegen die Pittsburgh Penguins feiert Grabner am 5. Dezember sein 500. Regular-Season-Spiel in der NHL.

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Weniger aufregend die Auswahl am Verteidiger-Markt: Mike Green (32) hatte ebenso mit Verletzungsproblemen zu kämpfen wie Calvin De Haan (27). Jack Johnson (31) muss darauf hoffen, einen Vertrag zu bekommen, der ihn aus dem Bankrott, in dem ihn seine Eltern geführt haben, wieder herausholt. Jets-Defender Toby Enström (33), den ich vor Jahren für Atlanta gedraftet habe, hat über 700 NHL-Spiele und einige Verletzungen auf dem Tacho.

Auch nicht gerade überwältigend stellt sich der Goalie-Markt dar. Ein Team wie die Carolina Hurricanes, die dringend einen Torhüter zur Soforthilfe brauchen, können etwa aus Jaroslav Halak (34), Carter Hutton (32), den beiden nicht gerade leicht zu handelnden Robin Lehner (26) und Petr Mrazek (26), Jonathan Bernier (29) oder Ondrej Pavelec (30), den GM Don Waddell und seine rechte Hand Rick Dudley noch aus Atlanta-Zeiten kennen, auswählen. Nicht gerade das, was man als "Murderer’s Row" bezeichnet...

Ein Vorteil für Grabner und Vanek?

Zu den Österreichern: Michi Grabner geht in seine zweite Free Agency. Vor zwei Jahren befand er sich nicht gerade im Fahrersitz und nahm den Zweijahres-Vertrag der New York Rangers nur zu gerne an. Die 1,65 Mio. Dollar pro Jahr waren angesichts von 52 Toren für die Blueshirts im Nachhinein natürlich eine Mezzie. Er kann mit einer saftigen Gehaltserhöhung rechnen, auch wenn seine Spiele für New Jersey nach der Trading Deadline seinen Marktwert sicher nicht gehoben haben. Eine Frage, die nur er und sein Agent Jerry Buckley beantworten können: Gehen sie bei ähnlichen Angeboten nach Term, sprich Vertragslänge, oder entscheidet das Gehalt pro Jahr. Anhand von vielleicht nicht unrealistischen Zahlen: Zwei Jahre zu jeweils vier Millionen Dollar oder drei Jahre zu drei Millionen? Ein Angebot über vier oder mehr Jahre würde mich nicht umwerfen, aber doch überraschen.

Im Gegensatz zu Grabner ist Thomas Vanek bereits ein Routinier bezüglich der Free Agency. Minnesota, Detroit und Vancouver hießen seine Destination nach eigener Wahl, bei keiner davon erlebte er aber das Vertragsende. Minnesota zahlte ihn nach zwei von drei geplanten Jahren aus, die Red Wings und die Canucks tradeten ihn jeweils zur Trading Deadline nach Florida bzw. Columbus.

Vaneks Buyout mit Minnesota läuft in diesem Sommer aus, er kann also von dieser Seite nicht mehr mit einer Auffettung seines Gehalts (letzte Saison: zwei Mio. Dollar) rechnen. Nach den letzten turbulenten Jahren verständlich, aber sicher nicht leicht erfüllbar sind seine Wünsche nach mehr Sicherheit, sprich entweder ein Mehrjahres-Vertrag oder zumindest eine No-Trade-Clause. Sein Agent Steve Bartlett wird sein Möglichstes tun, aber die Stärken und Schwächen des Österreichers sind in der Liga mittlerweile hinlänglich bekannt.

Ein mehrjähriger Vertrag würde auch ein Problem lösen: Vanek wird im nächsten Jänner 35 Jahre alt. Das könnte ihn im nächsten Sommer in die Kategorie der "35+-Verträge" katapultieren. Worum geht es dabei? Spieler in diesem Alter können meist nur mit kurzfristigen Verträgen rechnen, nicht nur aufgrund ihres fortgeschrittenen Alters. Das Gehalt eines Spielers, der mit 35 oder älter einen Vertrag unterschreibt, bleibt nämlich als Cap Hit hängen, selbst wenn er in die AHL abgeschoben wird oder gar seine Karriere beendet. Das würde etwa für Ilya Kovalchuk gelten, wenn dieser sein NHL-Comeback, das ihm einen Dreijahres-Vertrag bei den Los Angeles Kings einbrachte, vorzeitig abbrechen würde.

Nicht nur aufgrund dieses CBA-Details könnte der heurige Sommer für Vanek, der in einer immer jüngeren und schnelleren Liga natürlich zu kämpfen hat, aber immer noch ein solider Scorer ist, zum letzten wichtigen seiner Karriere werden. Das nicht gerade aufregende Angebot an Spielern könnte jedoch für ihn und Grabner zu einem Segen werden...

Textquelle: © LAOLA1.at

NHL: Rückkehrer Ilya Kovalchuk zu den Los Angeles Kings

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