Las Vegas: Müssen auch Raffl und Vanek zittern?

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Nicht nur Michael Grabner, um den die New York Rangers bangen (Hier geht's zur Story), könnte vom NHL Expansion Draft betroffen sein. Auch Michael Raffl und Thomas Vanek dürften die Pläne der Vegas Golden Knights nicht kalt lassen. Ein Blick auf die möglichen Schicksale der zwei NHL-Österreicher und weitere Regeln für die Zeit vom 17. – 20. Juni.

"The Hockey News" listete in ihrer letzten Ausgabe Raffl sogar als den Spieler, den die Golden Knights von den Flyers ziehen könnten/sollten. Andere Insider wiederum gehen davon aus, dass der Villacher auf die Liste der beschützten Spieler wandert. Was ist realistischer?

Nochmals zu den Voraussetzungen:

Die Flyers müssen – wie alle anderen NHL-Teams – Las Vegas mindestens anbieten:

- Zwei Stürmer, die a) für 2017/18 unter Vertrag stehen und b) heuer 40 ODER heuer und in der letzten Saison gesamt 70 NHL-Spiele (inklusive Playoffs) absolviert haben

- Einen Verteidiger unter den gleichen Voraussetzungen

- Einen Torhüter, der für die nächste Saison unter Vertrag steht oder zumindest ein von seinem Team qualifizierter Restricted Free Agent ist. Die Regeln bezüglich der absolvierten Spiele gelten für die Goalies nicht.

Das dürfen aber keine Spieler sein, die dauerverletzt (60 Spiele am Stück versäumt) sind – also keine "Leichenfledderei" bitte! Das soll Schindluder auf beiden Seiten verhindern – das abgebende Team darf keinen unbrauchbaren Spieler anbieten und dafür gesunde beschützen, Las Vegas auch keinen solchen Spieler holen, um dessen Salary-Cap-Hit gleich auf "LTIR" ("Long Term Injured Reserve") zu stellen und so im Niemandsland verschwinden zu lassen.

Denn der Expansion Draft hat auch einen finanziellen Nebenaspekt: Die 30 von Vegas ausgewählten Cracks (mindestens 20 davon für 17/18 unter Vertrag, der Rest können Free Agents sein) müssen eine Gesamtgehaltsumme von 60 – 100 Prozent des heurigen Salary Caps von 73 Millionen Dollar ausmachen, also mindestens knapp 44 Millionen. Die Gehälter der Free Agents werden hier allerdings nicht einberechnet.

Buyouts der gewählten Spieler sind erst im Sommer 2018 wieder möglich. Was hindert Vegas aber daran, einen gezogenen Spieler gleich wieder an sein altes Team zurückzutraden, etwa im Tausch für einen Draftpick und die ewige Freundschaft des gegnerischen GMs? Die Regeln haben auch hier vorgesorgt, ein solcher Trade wäre erst ab 1. Jänner 2018 wieder möglich.

Michael Raffl

Aber wieder zu den Flyers und ihrer Protected List – werden sie 8 Feldspieler und einen Goalie beschützen oder die Variante 7 Stürmer/3 Verteidiger/1 Goalie bevorzugen?

Die zweite Variante kommt nur für Teams in Frage, die vier Spitzenverteidiger – womöglich in den besten Jahren und mit einem niedrigen Cap Hit – haben und diese nicht verlieren wollen. Das wären etwa die Anaheim Ducks, die neben Kevin Bieksa (No Movement Clause, damit automatisch beschützt) die Youngsters Hampus Lindholm, Cam Fowler und Sami Vatanen sicher nicht ziehen lassen wollen.

Die Flyers wollen dagegen dringend nur Offensivverteidiger Shayne Gostisbehere beschützen, dazu wohl auch noch Michael Del Zotto, dieser ist allerdings ab Sommer ein UFA. Ohne Vertrag würde eine Beschützung wenig Sinn ergeben. Raubein Radko Gudas könnte der Dritte im Bunde sein. Brandon Manning wäre dagegen entbehrlich und falls GM Ron Hextall einen Abnehmer für den überbezahlten Andrew McDonald fände, wäre ihm das sicher eine Nebenabfindung und ein paar Runden an der Bar wert. Die Goalies Steve Mason oder Michal Neuvirth dürften bei Vegas wenig Interesse hervorrufen.

Im Überblick: Alle Österreicher, die jemals in der NHL gespielt haben

Reinhard Divis - Torhüter

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Der Goalie absolvierte von 2001 bis 2006 28 Spiele in der NHL und kassierte 3,32 Gegentore pro Spiel.

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Christoph Brandner - Flügelstürmer

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2003/04 durfte er bei den Minnesota Wild 35 Mal ran, dabei erzielte er vier Tore und fünf Assists.

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Thomas Pöck - Verteidiger

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Von 2003 bis 2009 absolvierte er für die New York Rangers und die New York Islanders 118 NHL-Spiele - acht Tore und neun Assists sind die Ausbeute.

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Thomas Vanek - Flügelstürmer

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Seit 2005 ist er in der NHL aktiv. Für die Buffalo Sabres, NY Islanders, Montreal Canadiens, Minnesota Wild, Vancouver Canucks und Columbus Blue Jackets verbuchte er in 1.034 Spielen 789 Scorerpunkte (378 Tore, 411 Assists).

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Andreas Nödl - Flügelstürmer

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Für die Philadelphia Flyers und die Carolina Hurricanes brachte er es zwischen 2008 und 2013 auf 183 Spiele, 15 Tore und 21 Assists.

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Michael Grabner - Flügelstürmer

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Seit 2009 ist der Kärntner in der NHL. 584 Spiele hat er für die Vancouver Canucks, NY Islanders, Toronto Maple Leafs, NY Rangers und NJ Devis absolviert und dabei 164 Tore sowie 97 Assists verbucht.

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Michael Raffl - Flügelstürmer/Center

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Seit 2013 sammelte er 364 Einsätze für die Philadelphia Flyers. Seine Bilanz: 65 Treffer, 52 Vorlagen.

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Also, Hextall wird sicher nur drei Defender beschützen, dazu kommen dann sieben Angreifer. Dazu gehört automatisch Claude Giroux aufgrund seiner "No Movement Clause". Derzeit erfüllen noch sieben weitere Stürmer die Anforderungen für die Golden Knights: Jakub Voracek, Brayden Schenn, Sean Couturier, Wayne Simmons, Matt Read, Dale Wise und eben Raffl. Scott Laughton ist ein bevorstehender RFA, ihn würden die Flyers wohl auch eher ungern verlieren, daher ist ein Vertragsangebot zu erwarten, was ingesamt schon neun Stürmer ergäbe, die die sieben "protected spots" einnehmen könnten oder alternativ Futter für Las Vegas wären.

Cracks wie die UFAs Pierre-Edouard Bellemare oder Chris VandeVelde sind hier noch nicht eingerechnet - sie könnten, mit neuen Verträgen ausgestattet, ebenfalls angeboten werden. Die Flyers könnten also im Gegensatz zu den Rangers eine ganze Latte an Forwards an Vegas anbieten. Ob dazu auch Raffl gehört, wird sich weisen, sein Restvertrag (noch zwei Saisonen, Cap Hit 2,35 Millionen Dollar) sollte angesichts seiner Leistungen für die Flyers doch weiter attraktiv sein.

Thomas Vanek

Er ist mit den beiden Villachern nicht zu vergleichen, läuft sein Vertrag doch mit Ende der Saison aus. Er fällt daher nicht unter die mindestens zwei Stürmer, die Detroit den Golden Knights anbieten kann. Spielen wir also alle Szenarien für den wiedererstarkten Flügel durch:

Die Red Wings sind so von Vanek angetan, dass sie ihn nicht traden und ihm noch vor dem Expansion Draft einen neuen Vertrag anbieten – er erfüllt dadurch die Kriterien für einen Vegas-Pick, müsste daher beschützt oder angeboten werden. Sehr unwahrscheinlich, stößt Detroit doch stets an der Cap-Obergrenze an und GM Ken Holland hat für die Saison 17/18 bereits knapp 68 Millionen an Gehältern in seinen Büchern stehen.

Das alternative Szenario: Detroit muss einsehen, dass sie nach einer gefühlten Ewigkeit die Playoffs verpassen und traden Vanek vor der Deadline zu einem Contender. Sein Cap Hit von 2,6 Mio. Dollar, der dann auf den Rest der Regular Season heruntergerechnet wird, macht ihn sehr attraktiv und zum typischen Beispiel eines "Rental Players". Er bleibt beim neuen Team mit größter Wahrscheinlichkeit ein Unrestricted Free Agent für die kommende Saison und kann daher auch von diesem nicht an Vegas angeboten werden.

Spielen UFAs also gar keine Rolle beim Expansion Draft? Doch und zwar eine haarige, drohen doch Schlupflöcher für beide Seiten.

Denn Vegas-GM George McPhee hat zwischen dem 17. Juni (Liste der Protected Players von allen Teams) und 20. Juni (Las Vegas gibt seine Selektionen bekannt) Zeit, um sich mit Free Agents (entweder UFAs oder nicht qualifizierte RFAs) zu unterhalten und mit ihnen einen Vertrag auszuhandeln. Sollte ein Deal zustande kommen, kann das Team, das einen solchen Spieler verliert, keinen weiteren Spieler verlieren.

Das liegt schon einigen NHL-GMs im Magen – was ist, wenn McPhee sich mit einem Spieler einigt, den Vertrag in seiner Schublade parkt und sich dann beim Expansion Draft trotzdem bei diesem Team bedient?

Doch McPhee hat umgekehrt auch Bedenken: Was ist, wenn ein Team einen UFA im Geheimen schon unter Vertrag genommen hat? Am fiktiven Beispiel Vanek: Detroit einigt sich mit ihm schon im Juni über einen weiteren Vertrag, als offizieller UFA muss er aber nicht beschützt werden, sodass auf dieser Liste Platz für einen wichtigen jungen Spieler bleiben würde.

Also, mögliche "Loopholes" wohin man schaut, die NHL droht mit drastischen Sanktionen wie dem Verlust eines Erstrunden-Picks, was auch für Teams gilt, die nicht die benötigten vier ungeschützten Spieler anbieten können. Theoretisch könnte das ja möglich sein, wie wir ja am Beispiel der Rangers gesehen haben, die zur Stunde nur einen ungeschützten Angreifer anbieten könnten.

Das wird in der Realität nicht vorkommen, einige Teams werden Cracks nur deswegen unter Vertrag nehmen, damit sie dieser Regel Genüge tun können. Entscheidet sich Vegas dann für einen anderen Spieler, bleibt das Team halt zumindest für ein Jahr auf dem Vertrag mit einem ungeliebten Spieler sitzen. Skurril, aber ein Expansion Draft findet ja auch nicht jede Saison statt.

Grabner und Raffl müssen dem 17. Juni also sicher entgegenfiebern, erst wenn sie ihren Namen auf der "Protected List" finden, bleibt ihnen ein Umzug nach Las Vegas sicher erspart. Für Thomas Vanek dürfte die NHL Trading Deadline am 1. März größere Wichtigkeit haben...

Textquelle: © LAOLA1.at

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