Ein Jahrgang Ernüchterung

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Viel Ernüchterung, wenig Optimismus

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Ein Schritt vor, ein Schritt zurück: Nach dem sensationellen zweiten Platz bei der U20-WM konnte das U18-Team nicht in diese Fußstapfen treten. Der Wiederabstieg in die C-Gruppe beim Turnier in Minsk kam aber nicht unerwartet. LAOLA1-Scout Bernd Freimüller erklärt warum:

Scout Bernd Freimüller berichtet bei LAOLA1 über das Eishockey-Geschehen

Eine Nation wie Österreich mit mangelnder Spielerquantität ist bezüglich Qualität natürlich sehr jahrgangsabhängig, was man gerade im Vergleich zwischen den Geburtsjahren 1997 und 1998 sehen kann.

Die 97er mit so hoffnungsvollen Spielern wie Lukas Haudum, Christof Kromp, Bernd Wolf und Florian Baltram gewannen im Vorjahr die C-Gruppe mit fünf souveränen Siegen und bildeten auch (bis auf den verletzten Kromp) mit dem ebenfalls überdurchschnittlichen 96-Jahrgang (Mario Huber, Erik Kirchschläger, Stefan Gaffal, Dominic Zwerger) den Grundstock für die Erfolgstruppe vom Turnier in Wien.

Bestes Beispiel für den Unterschied der Jahrgänge 97 und 98: Coach Didi Werfring konnte vor der letzten U18-WM als letzten Cut den Klagenfurter Daniel Obersteiner zu Hause lassen. Heuer musste Obersteiner die erste Linie centern und machte in dieser Rolle keinen Stich. Nicht von mir zu beweisen, aber naheliegend: Die 97er wären in Minsk auch ein Anwärter auf einen vorderen Platz gewesen, nur Veranstalter und Sieger Belarus stand über dem Rest des Feldes. Umgekehrt wäre die Truppe von heuer im Vorjahr der C-Gruppe nur schwer entkommen.

Zum Turnier in Minsk

Die Deutschen präsentierten sich wie mit der U20 in Wien als durchschnittliche Arbeitertruppe, die Kasachen (nach einigen mageren Jahren wieder im Kommen) profitierten von einigen Einzelkönnern. Frankreich gewann gleich das Eröffnungsspiel gegen Österreich, war aber auch eine Durchschnittstruppe, Norwegen, das im Nachwuchsbereich zuletzt keine gute Entwicklung durchmacht, ließ nur unser Team hinter sich.

2:5 gegen Frankreich, 0:2 gegen Deutschland (in einem Spiel fast ohne Torchancen), 2:4 gegen Norwegen und 2:5 gegen Kasachstan im letzten und entscheidenden Spiel. Den vier Niederlagen stand nur ein sensationeller 5:4-Sieg gegen Belarus gegenüber – ein Tag, an dem die Österreicher endlich etwas mehr Präsenz vor dem Tor zeigten, fast alle Chancen gegen die beiden schwachen weißrussischen Goalies verwandelten und Goalie Jakob Holzer (KAC) einen starken Tag erwischte.

U18-Teamchef Dieter Werfring
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Doch die durch diesen Sieg geweckten Hoffnungen erloschen im Spiel gegen Kasachstan, das bezeichnend für das Turnier war: Das Team war nicht nur sehr klein, sondern auch ohne Dynamik und Feuer am Werk. Vor allem um das gegnerische Tor herum zeigte die Truppe kaum Präsenz, die meist ohnehin langsam vorgetragenen Angriffe verliefen entlang der Bande, Verkehr vor dem Tor wurde kaum erzeugt.

Alles andere als überraschend

Langzeitcoach Werfring bemerkte schon während der Vorbereitung (1:5 gegen Deutschland, 0:7 gegen die Schweiz), dass diese Leistungen nicht reichen würden, tauschte im letzten Moment sogar noch zwei Spieler aus.

Diese Maßnahme und stete Umstellungen während des Turniers machten die Sache aber nicht besser. „Klein und schnell“ ist eine Kombination, die am Nachwuchs-B-Gruppen-Niveau noch angeht, „klein und langsam“ aber nicht. Beim Mangel an Speed ist nicht nur das Eislaufen gemeint, sondern vor allem die Handlungsschnelligkeit.

Thomas Winkler (VSV) und Kele Steffler (Okanagan) sind hier die Paradebeispiele: Beide durchaus talentiert, auch mit brauchbarer Größe ausgestattet und sicher die beiden besten Defender im Team.

Aber selbst sie brauchten unter Druck zu lange, um die richtigen Entscheidungen zu treffen, stellten sich damit Pass- und Schusswege oft zu. Winkler setzte aber im Powerplay von den linken Halfboards mit genauen Schüssen einige Akzente. Steffler muss vor allem in puncto Beinarbeit und Muskelkraft wesentlich zulegen, verfügt aber über durchaus gute Hände und Moves.

Leidvolle Vorgeschichte

Die überschaubaren Hoffnungen auf den Klassenerhalt verringerten sich schon in der Vorbereitung drastisch: Center Yannic Pilloni (Davos) sagte krankheitsbedingt ab, Verteidiger Paul Sztatecsny (Salzburg) leidet immer noch unter den Spätfolgen eines Skiunfalls (Oberschenkelbruch) vor mehr als einem Jahr. Beide wären in ihren Formationen topgesetzt gewesen. Mit Defender Simon Wolf (Troja) fiel dann noch auch noch der dritte Anwärter auf ein Kapitänsamt kurzfristig aus. Für eine ohnehin schon limitierte Truppe zu schwerwiegende Ausfälle…

Was übrigblieb, war ein Team, von dem vom besten Spieler zum schwächsten nicht viel Unterschied war – leider auf niedrigem Niveau. Daniel Obersteiner, beim KAC immerhin schon mit etwas Kampfmannschaftserfahrung, fand keinen zweiten Gang, sein Nebenmann Samuel Witting (Salzburg) ist ebenfalls körperlich limitiert, konnte wenigstens ab und zu etwas Spielwitz zeigen.

Jakob Holzer musste viele Male hinter sich greifen
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Bei beiden hätte ich mir für heuer weit mehr Entwicklung erwartet, als kleine Spieler müssen sie schneller und dynamischer werden. Julian Pusnik (VSV) brachte in den letzten beiden Spielen etwas Größe in diese Linie ein, der Sohn des Ex-Internationalen Andi muss aber Tag und Nacht an seiner Beinarbeit feilen, um sich so auf EBEL-Niveau zu bringen. Allerdings dürfte es bei ihm nicht an mangelnder Kraft, sondern an der Mechanik hapern, was schon schwerer zu korrigieren ist. Doch Pusnik bringt Kraft, Intelligenz und eine gute Einstellung mit.

Von den Defendern drängte sich außer Winkler und Steffler keiner auf, einzig der noch sehr junge und kleine Lukas Schreier (Salzburg) verspricht Spielwitz von der blauen Linie. Bei den Angreifern zeigten punktuell auf: Fabian Artner (Caps, gute Hände), David König (Lustenau/Feldkirch II, brachte Speed ein), Dennis Sticha (Feldkirch, etwas physische Präsenz) und Marcel Zitz (Salzburg, nachnominiert und dann einer der auffälligeren Angreifer).  König und Sticha müssen selbst für sich entscheiden, ob ihre Entscheidung für die INL (oder darunter) eine gute ist. In einer Liga ohne Aufsteiger sollten doch gerade diese Spieler genügend Eiszeit erhalten.

Vorsichtiger Optimismus bleibt

Bei den Torhütern ging Jakob Holzer als Einsergoalie ins Turnier und nach einer kurzen Ablöse durch Daniel Pölzl (Salzburg) als solcher aus diesem wieder heraus. Er erinnert mich an seinen Klagenfurter Teamkollegen Thomas Stroj: Mutig, gute Reflexe, stilistisch mit Aufholbedarf, aber auch kein Desaster. Das Hauptproblem bei beiden: Mit Durchschnittsgröße ausgestattet, machen sie sich vor allem bei Weitschüssen und Verkehr sehr klein, die obere Hälfte des Kastens erscheint dann oft so groß wie ein Fußballtor.

Der Abstieg und die gezeigten Leistungen waren ein wenig ein Rückfall in vergangen geglaubte Zeiten, trotzdem besteht im Nachwuchs Grund zu vorsichtigem Optimismus.

Der 99er-Jahrgang, der schon die Hälfte des WM-Teams ausmachte, sollte bei entsprechender körperlicher Entwicklung besser sein als die 98er. Dazu kommt für die nächste U18-WM schon der Jahrgang 2000 dazu, der mit einigen bemerkenswerten Talenten ausgestattet  ist. Die Kombination dieser beiden Jahrgänge – angereichert durch das 01er-Ausnahmetalent Marco Rossi – könnte schon im nächsten Jahr für den Wiederaufstieg sorgen…

 

Bernd Freimüller


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