Neo-ÖEHV-Präsident Hartmann sucht den "Boom"

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Nicht ganz so still und heimlich wie erhofft hat sich beim Österreichischen Eishockey-Verband in den letzten Monaten viel getan.

Ein neues Präsidium rund um den Kärntner Klaus Hartmann hat die Leitung des ÖEHV übernommen, der Wahl im Sommer folgten aufgrund eines Formalfehlers bei der Einreichung der Kandidatur Schiedsgerichts-Entscheidungen. Auch die Trennung von Ex-Geschäftsführer Christian Hartl ging vor Gericht und wurde erst vor kurzem abgeschlossen.

Nun kann sich das neue ÖEHV-Präsidium ganz auf die Sacharbeit konzentrieren und die eigenen Schwerpunkte für die kommenden Jahre umsetzen.

Neo-Präsident Hartmann sprach über die ersten Vorhaben - LAOLA1 hat die wichtigsten Punkte zusammengefasst:

ÖEHV-Präsident Klaus Hartmann über ...

... die holprige Amtsübergabe:

Für mich war verwunderlich, dass dem so ein breiter Raum gewidmet wurde. Es war eine formale Geschichte, aber Medien beherrschend. Es ist ein beträchtlicher Zeitaufwand gewesen, hat uns in der Arbeit schon blockiert. Der Wahlsieg war überraschend, denn wir hatten eine relativ kurze Vorbereitungsphase. Es wird uns vorgeworfen, dass wir von den kleineren Vereinen, der Damen- und der Para-Sektion gewählt wurden. Dazu stehen wir aber! Denn in diesem Segment haben wir viel vorangebracht. Das gesamtgesellschaftliche Spektrum des Eishockeys abzubilden, ist, wofür wir stehen.

... die neue Ausrichtung des ÖEHV unter seiner Präsidentschaft:

Wenn die Jugend stärker eingebaut wird, ist das auch interessanter für die Fans. Es ist bei vielen Klubs die Identifikation verlorengegangen, das wollen wir gemeinsam in die richtige Richtung bringen.

Wir wollen ein Dienstleistungsunternehmen für die Landesverbände, für jeden einzelnen Verein entwickeln. Der neue Geschäftsführer Friedrich Nikolaus hat in der Zeit schon sehr viel umgesetzt: Budget-Planungen, Arbeitsplatz-Beschreibungen und mehr. Es gab großen Aufholbedarf. Ich weiß, wie man Strukturen aufbaut, und was notwendig ist, um Mitarbeiter zu führen und die Kommunikation aufzubauen. Wir sehen uns als Kompetenz-Zentrum des Eishockeys in Österreich, wir wollen die Wertigkeit der Nationalteams wieder heben, und dass die Drop-Out-Quote bei den Spielern zwischen 22 und 24 Jahren sinkt. Ich weiß, wie viele mangels Perspektiven aussteigen.

... über den Schwerpunkt Jugendarbeit:

Die Klubs müssen wieder mehr mit eigenen Spielern spielen und schauen, dass die Jungen eine Perspektive bekommen, die "Basis-Ausstattung" in Österreich erhalten. Wer sich weiterentwickeln will, geht danach ins Ausland, wo Arbeit in Richtung Spitzen-Eishockey gemacht wird. Um junge Leute für das Eishockey begeistern zu können, müssen wir auch die infrastrukturellen Bedingungen schaffen.

Hartmann mit Geschäftsführer Friedrich Nikolaus

Die Tatsache, dass so viele junge Spieler frustriert aufhören, hat da und dort auch etwas mit finanziellen Dingen zu tun. Es gibt Spieler, die 600 bis 800 Euro bekommen. Das ist nicht unser Thema, da wollen wir uns nicht einmischen. Dafür gibt es die neue Spielergewerkschaft, die sich dieser Dinge annimmt. Aber in Sachen Ausbildungskostenersatz gibt es Dinge, die in der Schublade liegen und bis jetzt nie umgesetzt wurden - Konzepte wie das Fünf-Sterne-Programm in Deutschland. Vereine, die Ausbildungsarbeit machen, werden finanziell belohnt. Wir haben Klubs in Österreich, die wenig in die Jugend-Ausbildung investieren, das müssen wir über solche Systeme verbessern. Das sind für uns auch Dinge, die wir bei den Verhandlungen mit der Liga einbringen wollen.

Was auch wichtig ist: Mittel- und langfristige Planung. Viele Klub-Manager schieben vor, dass sie über die Medien und Fans unter Druck kommen und deswegen kurzfristig den Erfolg suchen. Aber ich bin überzeugt: Wenn die Jugend stärker eingebaut wird, ist das auch interessanter für die Fans. Es ist bei vielen Klubs die Identifikation verlorengegangen, das wollen wir gemeinsam in die richtige Richtung bringen.

... anstehende Verhandlungen mit der ICE Hockey League:

Ich habe zahlreiche Gespräche, etwa mit den Klub-Managern, im Hinblick auf den Liga-Vertrag geführt, der Ende Juli neu aufgesetzt wird. Es gibt keinen Zweikampf, nur ein Interesse in Richtung der Weiterentwicklung des Eishockeys. Wir haben nicht die Absicht, uns in die unternehmerische Sphäre der einzelnen Klubs einzumischen. Rein theoretisch kann es auch keine Einigung geben, wir könnten den Spielbetrieb wieder selbst durchführen. Aber es hatte damals einen Sinn, dass das outgesourced wurde. Ich ziehe auch den Hut vor der Organisation der Liga, unter diesen schwierigen Bedingungen den Grunddurchgang durchzubringen. Es gibt Nationen, die haben das nicht geschafft.

... das ewige Thema der Legionärs-Reduktion in der Liga:

Ich kann nicht verstehen, dass Spieler aus Deutschland für 3-4 Spiele kommen, sich bei uns aufwärmen und wieder zurückgehen, sobald dort die Liga anfängt. Da fehlt mir die Logik, was das für einen Sinn haben soll.

Die Geschäftsführer der Klubs sehen die betriebswirtschaftliche Seite. Für viele Vereine ist es billiger, Legionäre zu holen statt eigene Spieler aufzubauen. Da sind wir wieder beim Ausbildungskostenersatz. Diese Systeme liegen seit Jahren bereit, sie sind nur nicht umgesetzt worden. Da wollen wir ansetzen und auf ein Neues starten. Die Vorgabe war einmal, schrittweise unter eine zweistellige Anzahl von Legionären pro Klub zu kommen. Auch die Abschaffung der Punkteregel war in der Vergangenheit ein Thema. Wenn es die Punkteregel ist, die es manchen Spielern unmöglich macht, in der Liga zu spielen, ist das eine Tragödie.

Ich kann nicht verstehen, dass Spieler aus Deutschland für drei, vier Spiele kommen, sich bei uns aufwärmen und wieder zurückgehen, sobald dort die Liga anfängt. Da fehlt mir die Logik, was das für einen Sinn haben soll. Wenn Michael Raffl in Villach spielt, und es gibt Zuschauer, bekomme ich 200 Leute mehr in die Halle. Das macht aus meiner Sicht betriebswirtschaftlich Sinn. Aber Spieler einzusetzen, die in der Vorbereitung einem eigenen Spieler den Platz kosten und sich empfehlen könnten, – das verstehe ich nicht. Wir wollen uns entsprechend einbringen. Dass sich das System von einer Sekunde auf die andere ändern wird, geht nicht. Wir werden ergebnisoffen in die Verhandlungen gehen. Ziel ist, dass wir wieder mit mehr eigenen Spielern in der Liga rechnen können, weil das Auswirkungen auf die Nationalteams hat.

... finanzielle Weichenstellungen:

Die ganze Finanzierungsstruktur gehört umgestellt. Wir werden einen guten Ansatz finden, damit der Verband erweiterte finanzielle Möglichkeiten hat. Etwa über entsprechendes Marketing, denn das Interesse ist da. Man hat es verabsäumt, den Eishockey-Sport mit den Erfolgen von Thomas Vanek, Michael Raffl und Michael Grabner interessant zu entwickeln, damals hätte auch ein Boom erfolgen müssen. Da werden wir einiges ändern.

... sportliche Programm-Punkte und Ziele 2021:

Man hat es verabsäumt, den Eishockey-Sport mit den Erfolgen von Thomas Vanek, Michael Raffl und Michael Grabner interessant zu entwickeln, damals hätte auch ein Boom erfolgen müssen. Da werden wir einiges ändern.

Im April spielt das Nationalteam die Euro Challenge gegen die Slowakei, Tschechien und Deutschland. Wir spielen im Mai ein Turnier in Ljubljana, mit nahezu jener Besetzung wie für die B-WM vorgesehen gewesen wäre: Frankreich, Slowenien, Südkorea, Aufsteiger Rumänien und Polen, das für Ungarn einspringt. Es ist schon verwunderlich, dass gespielt wird, weil es fast die B-WM ist, aber nicht als diese abläuft. Das große Ziel ist die Qualifikation für Olympia Ende August, mit einer entsprechenden Vorbereitung. Wir haben den Österreich Cup im Februar abgesagt und Prioritäten gesetzt, erwarten uns dafür von der ICE, uns entsprechend für diese Qualifikation vorbereiten zu können. Ich habe deswegen mit Liga-Präsident Jochen Pildner-Steinburg gesprochen, es ist ein erster Schritt in der gemeinsamen Zielverfolgung.

... gescheiterte Corona-Öffnungen:

Wir haben mit Teamsport-Fachverbänden Vier-Stufen-Öffnungspläne - angelehnt an die Schulen - vorgelegt. Wir sind frustriert, weil wir uns wirklich Konzepte überlegen und mit entsprechendem Nachdruck bringen. Vielleicht sollte noch mehr Druck über die Medien kommen. Die Kinder müssen sich bewegen und dürfen momentan nicht.

Wir züchten uns auf lange Sicht Couchpotatoes heran. Ich wohne neben dem Faaker See, ich verstehe nicht, dass wir auf einem zugefrorenem See kein Skills-Training machen können. BSO-Präsident Hans Niessl hat sich schon viel eingebracht, auch Peter Schröcksnadel. Allem Anschein nach gibt es aber andere Themen, deshalb ist die Aufmerksamkeit noch nicht da. Es sind uns die Hände gebunden. Diese Saison ist schon passé.

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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