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EC Red Bull Salzburg: Fragezeichen bei der Legionärswahl

Die Eisbullen sind aktuell meilenweit von ihren Glanzzeiten entfernt. Eine Analyse von LAOLA1-Scout Bernd Freimüller.

EC Red Bull Salzburg: Fragezeichen bei der Legionärswahl Foto: © GEPA

Auch wenn in der Liga zuletzt zwei Siege gelangen und in der CHL noch ein Debakel gegen die Eisbären abgewendet werden konnte – Red Bull Salzburg ist derzeit von den einstigen Glanzzeiten weit entfernt.

Die Gründe sind sicher vielseitig, aber unbestritten ist auch: Die Legionärsauswahl stand zuletzt unter keinem guten Stern.

Man muss gar nicht in die Zeiten von Pierre Page zurückgehen, wo das Geld keine Rolle spielte und hochkarätige Legionäre anheuerten. Auch in den Zeiten danach waren an der Salzach doch Imports zu sehen, die über eine hochwertige Vita verfügten.

So kamen die Offensivschwungräder Ryan Murphy oder Chay Genoway direkt aus der KHL bzw. SHL, Troy Bourke hatte eine gute Europa-Karriere aufzuweisen und Defender wie Tyler Lewington oder Andrew MacWilliam füllten eine ausgewiesene Goon-Rolle aus.

Auch wenn alles auf ein reduziertes Budget hindeutet: Zuletzt heuerten aber immer mehr Legionäre an, wo vor allem Hoffnung die Maxime war – ein Blick auf die Gastarbeiter der "Roten Bullen" in den letzten beiden (bisher) erfolglosen Jahren.

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Spielzeit 2025/26

(ohne den nur in der Liga als Ausländer geltenden Nash Nienhuis und aufgerückte Farmteam-Cracks):

Aus der Vorsaison übernommen: Dennis Robertson, Tyler Lewington und Troy Bourke

Neu: Connor Corcoran (D, 26): ECHL/AHL-Borderliner.

Zunächst ein solider Punkteproduzent von der blauen Linie, ehe sich das im Laufe der Saison einpendelte. Danach unscheinbar, defensiv kein Bollwerk. Jetzt bei Espoo in der Liiga aber auch wieder ein Defender mit einer gewissen Firepower. In Salzburg in der Kabine dem Vernehmen nach nicht gerade beliebt.

Devante Stephens (D, 29): AHL-Veteran, der zwischen dem Eis und der Tribüne pendelte.

In Salzburg mehr oder weniger ein Mitläufer, kein großer physischer Faktor und offensiv limitiert. Heute ohne Verein.

Cole Krygier (D, 26): In der AHL über die Jahre mit wenig Spielpraxis, dann zur Deadline aus der ECHL geholt.

Stieß (zu) spät zur Truppe, konnte sich nicht in den Vordergrund spielen, kickte aber (wieder einmal) als Akademiespieler in der AlpsHL. Größe spielte keine Rolle mehr, keine Hände. Heute ohne Verein.

Brandon Coe (W, 24): In der AHL in drei Saisons zuvor jeweils zwischen 30 und 57 Spielen mit überschaubaren Scorerwerten.

In Salzburg ein Schönwetterspieler vor dem Herren – glänzender Eisläufer, der die Scheibe oft viel zu lange hielt. Kein Teamplayer, defensiv uninteressiert. Heute in Liptovsky Mikulas, der Teufelsinsel der SVK Extraliga. Stehen heuer aber sportlich gut da, Coe auch mit mehr als einem Punkt pro Spiel.

Travis St. Denis (C/W, 34):  Fünf Jahre in der AHL, dann vier in der DEL.

Eigentlich noch der logischste und auch beste Zuzug. Scorte wie bei all seinen Stationen zuvor regelmäßig, auch keine dummen Strafen und Sperren, die ihn aus der DEL drängten. Sein Abgang war eher eine Überraschung, vielleicht auch dem Alter geschuldet. Heute beim KAC mehr geschätzt.

Saison 2026/27:

Saison 2026/27:
Im Bild: Adam Brooks.
Foto: ©GEPA

Aus der Vorsaison übernommen: Dennis Robertson

Neu: Olivier Galipeau (D, 29): ECHL/AHL-Borderliner, dann jeweils eine Saison in Berlin und in Banska Bystrica.

In der Slowakei ein solider D, in Berlin auch öfters auf der Tribüne. In Salzburg nicht im PP eingesetzt, aber defensiv auch mit Hackern. Robuste Körperarbeit bleibt weiter vor allem an Robertson hängen, obwohl von den Neuzugängen noch der physisch stärkste.

Wyatt Kalynuk (D, 29): AHL-Stammspieler, danach in Liiga und letzte Saison bei drei KHL-Teams.

Immer schon ein leichtfüßiger Eisläufer mit und ohne Scheibe, kann diese tragen und verteilen. Aber in Zweikämpfen zu oft zweiter Sieger.

Jayden Lee (D, 25): ECHLer mit durchschnittlichen Scorerzahlen.

Ein Experiment wie Hannus in Graz oder Larochelle in Villach. Kleingewachsener D, der aktivieren und die Offensive antreiben kann. Wirkt in Zweikämpfen eingeschüchtert (wenn er diese überhaupt bestreitet) und sieht fast komplett von Schüssen im PP ab. Im Bestreben, gegenüber der letzten Saison leichtfüßiger zu werden, hat man spätestens mit seiner Verpflichtung übersteuert. Ihn kann nur gesteigerte Produktion retten.

Adam Brooks (C, 30): Solider AHL-Scorer mit einigen NHL-Einsätzen. Zuletzt zwei Saisons in München.

Vielleicht noch der logischste Zuzug, wurde vom Konzernkollegen aus München umdirigiert. Dort und zuvor mit Verletzungen. Vielleicht auch deshalb sehr zaghafte Auftritte, sicher kein Mann, der mit dem Kopf voran in Zweikämpfe geht. Ab und zu blitzen seine guten Passqualitäten auf. Aber weit von den Erwartungen entfernt, bis jetzt kein Unterschiedsmacher.

Nick Poisson (W, 25): Nach fünf College-Jahren eine Saison zwischen AHL und ECHL gesplittet.

Die (bisher) letzte Legionärsverpflichtung, auch bestenfalls mit Ansätzen ab und zu dynamisch und puckhungrig, dann wieder lange nicht zu sehen. Auch er wieder ein Spieler ohne physische Präsenz, das Team ist über den Sommer stark geschrumpft.

Heuer nur sechs Legionäre

Allgemein gilt also für die letzten zwei Jahre: Die "Roten Bullen" griffen vor allem auf durchschnittliche AHLer oder gar ECHLer zurück – das kann in unserer Liga natürlich funktionieren, aber nicht in dieser Quantität.

Mit der Ausnahme von Kalynuk oder vielleicht den Ex-DELern Brooks und St. Denis hätten Spieler mit diesen Referenzen genausogut in Szekesfehervar oder Laibach unterschreiben können, ohne dass das für Aufsehen gesorgt hätte.

Insgesamt stehen heuer nur sechs Legionäre im Kader (der junge Schwede Isak Norlin wurde wieder ins Farmteam geschickt) und die präsentierten sich bis jetzt in überschaubarer Qualität.

Das Hauptproblem bisher: Robertson muss mit 35 alleine für Zucht und Ordnung beim Gegner sorgen, wo früher Lewington und MacWilliam mithalfen. Umgekehrt resultierte die Konzentration auf bessere Beine keineswegs in gesteigerter Offensive. 

Die "Roten Bullen" sind derzeit ein Team, vor dem sich niemand mehr fürchten muss. Nachverpflichtungen von Spielern ähnlicher Güte, die dann wieder Akademiecracks in die AlpsHL schicken, würden da aber auch nicht weiterhelfen.

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