Rafael Rotter: "Im Herzen immer Wiener"

Rafael Rotter: Foto: © GEPA
 

Es war einer der größeren Schocks der Eishockey-Transferzeit: Rafael Rotter musste die Vienna Capitals nach 13 Jahren verlassen.

Zwischen den Wienern und dem MVP von 2017/18, der ab 2008 fast seine gesamte Profi-Karriere in gelb und schwarz absolvierte, fand sich keine Übereinkunft über einen neuen Vertrag. Die Caps wollten dem 34-Jährigen nach verletzungsgeplagten Saisonen nur mehr einen leistungsbezogenen Kontrakt geben, Rotter entschied sich für den Abschied und eine neue Herausforderung.

Die er bei den Black Wings Linz gefunden hat. Eine Umstellung, die interessant wird: So sehr Rotter ein Wiener Publikumsliebling war, so sehr war er stets eine Reizfigur in anderen Hallen.

Die Stahlstädter sind schlecht in die neue Saison gestartet, haben nach zwei Partien zwei Niederlagen und noch keinen Treffer zu Buche stehen. Am Freitag im Heimspiel gegen den HC Innsbruck (ab 19:30 Uhr im LIVE-Ticker und mit LIVE-Clips bei LAOLA1) steht die nächste Gelegenheit speziell für Rotter an, sich in die Herzen der Linzer Fans zu schießen.

Im Interview mit LAOLA1 lässt Rotter seinen Wien-Abgang noch einmal Revue passieren und spricht über seine weiteren Erwartungen, auch an sich selbst:

LAOLA1: Wie hast du dich in Linz eingelebt?

Rafael Rotter: Sehr, sehr gut. Die Organisation bemüht sich sehr. Es fühlt sich alles familiär an. Linz ist eine sehr übersichtliche Stadt, nicht vergleichbar mit Wien. Aber das ist sehr angenehm. Und wir haben eine super Truppe mit viel Potenzial, in der auch die jungen Spieler am Eis wie auch in der Kraftkammer sehr fleißig sind. Wenn du eine Mannschaft hast, die harmonisch ist und von Anfang an gut zusammenarbeitet, macht das vieles einfacher. Die Harmonie stimmt, wir müssen das nur am Eis umsetzen. Die Vorbereitung ist sowieso bei allen Teams ähnlich: Es wird hart und im Anschluss einfach noch härter trainiert.

LAOLA1: An dir waren mehrere Klubs interessiert. Welche?

Rotter: Vor allem ICE-Hockey-League-Vereine - dazu ein paar ausländische. Jeder, mit dem ich Kontakt hatte, hat sich sehr um mich bemüht. Es war schön zu sehen, dass es auch in meinem Alter und mit den Verletzungen der Vergangenheit Mannschaften gibt, die einen wirklich wollen. Ich habe von anderen GMs und Coaches, mit denen ich in Kontakt war, nur Gutes zu sagen.

LAOLA1: Die Wogen sind bei deinem Capitals-Abgang etwas hochgegangen - so klang zumindest der Unterton. Mit welchem Gefühl blickst du jetzt auf den Abschied zurück?

(Text wird unterhalb fortgesetzt)

Rotter: Ich bin mit Hans Schmid (Caps-Präsident, Anm.) immer gut gewesen, in den vergangenen Jahren und auch jetzt. Da hat es nie Probleme gegeben. Herr Schmid ist ein Geschäftsmann, Eishockey ist ein Hobby, das liegt ihm am Herzen. Ich glaube aber, dass er nicht so viel mit der Kaderzusammenstellung zu tun hat. Dafür hat er andere Leute. Und mit denen hat es keinen gemeinsamen Weg gegeben.

LAOLA1: Die Verhandlungen und Uneinigkeiten gab es also in erster Linie mit Manager Franz Kalla?

Rotter: Natürlich, Franz Kalla ist da "in charge". Das weiß jeder und ist kein Geheimnis, dass er die Entscheidungen trifft, wer bleibt und wer nicht. Da haben wir keinen gemeinsamen Weg gefunden. Was ich sehr schade und auch überhaupt nicht nachvollziehbar finde. Ich war 13 Jahre im Verein. Ich verstehe, dass ich mit meinen Verletzungen oft ausgefallen bin. Aber die waren eher Pech statt Fitnessprobleme. Daher sah ich keinen Grund, mich nicht halten zu wollen. Besonders, weil es zu diesem Zeitpunkt schon einige Abgänge gab. Weil ich doch eine riesen Stütze in der Mannschaft war und sicher weiter gewesen wäre. Aber ich bin schon lange dabei und weiß, dass es ein Profi-Betrieb ist, bei dem viel geredet werden kann. Es ist wie bei einem Schiedsrichter – der wird auch nie eine Entscheidung zurücknehmen. Sie ist gefallen, und ich habe mich in weiterer Folge für Linz entschieden. Ich freue mich, da zu sein! Im Herzen werde ich immer ein Wiener sein, das ist ganz klar – aber ich spiele jetzt für einen neuen Verein, werde mich für Stadt und Black Wings voll reinhauen.

"Die Cracks, die am Eis die ärgsten 'Krätzn' sind, gegen die du nie spielen willst – wenn die in deiner Mannschaft sind, liebst du sie. So ist es auf den Rängen auch. Die Spieler, die das Publikum auf der anderen Seite hasst, mögen sie einfach, wenn sie zu ihnen kommen."

Über die Akzeptanz der Linzer Fans

LAOLA1: Es hat während der Verhandlungen und jetzt kein böses Blut gegeben?

Rotter: Der Manager ist der Manager und der Spieler der Spieler! Man muss seine Argumentation verstehen – und meine. Wenn es keinen gemeinsamen Weg gibt, wird immer einer – oder beide – ein schlechtes Nachwort haben. Aber ich musste die Entscheidung akzeptieren, ob ich happy damit war oder nicht. Sie sind nicht so auf mich zugekommen, wie ich mir das vorgestellt habe. Natürlich war ich dementsprechend enttäuscht. Es gab so viele Argumente: Die Abgänge des Vereins, meine Spielzeit, wenn ich nicht verletzt bin. Jeder, der sich im Eishockey auskennt, weiß, dass die Argumente für mich überwiegen. Sonst würde mich jetzt nicht jeder fragen, warum ich weg bin. Jeder wundert sich. Das ist schon Genugtuung für mich. Aber ich bin happy in Linz und happy, da ein neues Kapitel zu beginnen.

LAOLA1: Du denkst also nicht, dass die Verletzungen, die dich zuletzt so viel Zeit gekostet haben, in weiterer Zukunft noch beeinträchtigen?

Rotter: Ich bin Rafael Rotter, jeder kennt meine Spielweise. Für die werde ich auch dementsprechend bezahlt. Die Gefahr bei meinem Spiel ist natürlich, dass es hin und wieder eine Verletzung gibt. Ich bin niemand, der in den Zweikämpfen rausnimmt und sich nicht einmischt – ganz im Gegenteil. Wenn man will, dass ich anders spiele, wäre ich nicht der Spieler, der ich bin. Das wird immer der Fall sein.

LAOLA1: Publikumsliebling und Reizfigur – aber jetzt sind die Seiten getauscht. Wie nehmen dich die Linzer Fans auf – und wie werden es die Wiener tun, sobald ein Auswärtsspiel ansteht?

Rotter: Ich habe von den Wiener Fans nur gute Nachrichten über Social Media bekommen. Da gibt es kein schlechtes Reden. Sie haben auch gesagt, dass ich immer Willkommen in Wien sein werde. Sie wissen: Wenn ich spiele, haue ich mich immer voll rein. Das ist meine Art und Weise. Die Linzer haben mich die letzten Jahre wohl nicht so gemocht. Aber es ist als Spieler auch so: Die Cracks, die am Eis die ärgsten "Krätzn" sind, gegen die du nie spielen willst – wenn die in deiner Mannschaft sind, liebst du sie. So ist es auf den Rängen auch. Die Spieler, die das Publikum auf der anderen Seite hasst, mögen sie einfach, wenn sie zu ihnen kommen. Ich hoffe, dass ich in Linz gut angekommen bin und die Fans hinter mir stehen. Wenn das nicht der Fall sein sollte, werde ich mich dementsprechend reinhauen und das ändern.

LAOLA1: Wie viel steckt noch in dir? Deine MVP-Saison ist erst vier Jahre her.

Rotter: Torschützenkönig zu werden, ist überhaupt keine Priorität. Ich bin auch schon ein bisschen älter. Das heißt nicht, dass ich keine Tore schießen will. Aber das Ziel ist, der Mannschaft zu helfen, ein gutes Sprungbrett für die Jungen zu sein, ein Vorbild zu sein, mit ihnen viel zu reden und das Gleichgewicht in der Mannschaft zu regeln. Einfach zu versuchen, eine Führungspersönlichkeit, wie ich es in Wien war, auch in Linz zu sein. Und dabei den Black Wings die Gelegenheit zu geben, den Anschluss zu schaffen und sich wieder in den Top vier zu etablieren.

LAOLA1: Wie lange wird es dauern, wieder in diese Top vier vorzudringen?

Rotter: Jeder will dorthin. Die Liga ist wieder größer geworden, die Qualität steigt von Jahr zu Jahr – so ist es wirklich schwierig, das vorherzusagen. Es wird Aufs und Abs in einer Saison geben, Verletzungspech und mentale Stärke werden eine Rolle spielen.

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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