Schlagabtausch der "Adler"

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Die Adler vor dem Schlagabtausch unter der Lupe

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Noch vier Runden sind in der EBEL vor Beginn der Playoffs zu spielen und die erste Qualification Round nach der Länderspielpause hat gleich einen Kracher zu bieten: Der VSV muss im Heimspiel Znojmo schlagen, um die Chance auf die Playoffs zu bewahren.

Es ist kaum vorstellbar, dass die Graz 99ers noch von zwei Teams überholt werden oder dass Dornbirn nach einer völlig verkorksten Saison in vier Runden noch zwei Plätze gutmacht. Der letzte Playoff-Platz wird also zwischen den beiden Adler-Teams aus Villach und Znojmo ausgespielt.

LAOLA1-Scout Bernd Freimüller wirft einen Blick auf die Parallelen und Unterschiede der zwei Mannschaften, für die die Saison (natürlich) nicht nach Wunsch lief.

Leistungskurve

Der VSV startete eigentlich ziemlich solide in die Saison, gravitierte erst in der zweiten Saisonhälfte aus den Top-6. Znojmo begann mit fünf Niederlagen en suite, um sich im Verlaufe der Saison sogar kurzfristig in die direkten Playoff-Ränge zurückzuarbeiten. Die letzten Spiele im Grunddurchgang (drei Siege in den letzten zwölf Spielen) bedeuten dann aber ein Hamburger-Schicksal für Znojmo: Saftiges Fleisch in der Mitte, von zwei grausigen Laibchenhälften aber ungenießbar gemacht.

Personalien

Znojmo nahm als einziges Team sämtliche sechs Tauschvorgänge in Anspruch. Die Neuverpflichtungen Kevin Bruijsten und Petr Kalus wurden schon kurz nach Saisonbeginn wieder verabschiedet, im Saisonverlauf folgten ihnen Dalibor Reznicek und Goalgetter Roman Tomas, der durch eine langwierige Verletzung an Kredit verlor. Dafür kehrten die erst im Sommer abgegangenen Antonin Boruta, Martin Podesva und Goalgetter Colton Yellow Horn im Laufe der Saison zurück, dazu kam noch der französische Center Teddy Da Costa.

Der VSV brachte es auf vier Tauschvorgänge. Das Kurzgastspiel von Philipp Pinter war erwartungsgemäß wirkungslos, zwei weitere Wechsel hatten aber größere Auswirkungen. Mit Mikko Jokela und Brock McBride verabschiedeten sich (aus eigenen Stücken) zwei Cracks, die wenigstens ab und an für etwas physischen Abrieb sorgten. Ein von Haus aus nicht gerade großes und physisches Team wurde noch einmal kleiner, der Bereich um das eigene Tor zu oft zur Freihandelszone. Auch wenn die EBEL immer softer wird: Wenn Stefan Bacher dein aggressivster Defender ist, hast du in diesem Bereich automatisch Probleme. Eric Hunter, vom Center zum Verteidiger umfunktioniert, soll dieses Manko wenigstens etwas ausgleichen.

Verletzungen

Beide Teams stehen sich da heuer um nichts nach, die häufigen Ausfälle waren sicher ein Mitgrund für die missliche Lage. Bei Znojmo fielen Cracks wie Jan Lattner, Sean McMonagle, Jiri Beroun, Tomas Plihal oder Radek Cip längere Zeit aus, beim VSV kam personell auch nie Ruhe in die Bude. Nico Brunner, Florian Mühlstein, Christian Jennes und Benjamin Petrik klinkten sich für kürzere oder längere Zeit aus dem Spielbetrieb aus. Schlimm ist natürlich auch das Schicksal von Goalie Oliver Roy: Sein vierter Ausfall beendete endgültig seine Saison. Das und seine Leistungen kennzeichneten ihn als guten Torhüter, der leider aus schlechtem Baumaterial zusammengebastelt scheint. Bis auf ihn standen Coach Greg Holst aber immer zehn Legionäre und damit genügend (erwartete) Leistungsträger zur Verfügung.



Stärken und Schwächen

Der VSV zeigte sich im letzten Spiel vor der Pause von seiner besten Seite, beim 4:0 gegen die Graz99ers blockten die Adler Schüsse, was das Zeug hielt und egalisierten so die physischen Nachteile ums Tor, die noch beim 2:6-Hinspiel so augenscheinlich waren. An guten Tagen sind die Villacher offensiv gut aufgestellt. Das Duo Locke-Urbas ist meist die offensive Lebensversicherung, dahinter waren Cracks wie Evan McGrath, Miha Verlic oder Dustin Johner (ein „Streaky Player“) am Saisonbeginn noch erfolgreiche Sekundanten, Olivier Latendresses Beiträge nach seiner Verpflichtung blieben hingegen überschaubar. Von der blauen Linie ist Sam Labrecque mit seiner Schusskraft eine Waffe. Aber mit Ausnahme von Locke und Urbas gilt für fast alle Cracks, dass der Abwärtstrend der zweiten Saisonhälfte zumindest in den letzten vier Spielen und da vor allem am Mittwoch gestoppt werden muss. Nach dem Roy-Ausfall und dem wenig ermutigenden Einsatz von Rene Swette muss sich jetzt Lukas Herzog im Kasten beweisen. Nach seinem guten Teamdebut kann er beweisen, dass er in der nächsten Saison zumindest eine 1B-Lösung wäre.

Erstmals in ihrer EBEL-Geschichte hatten die Znaimer Adler mit dem Toreschießen Probleme, wenigstens Colton Yellow Horn konnte nach seiner Rückkehr an alte Zeiten anschließen. Aber zu oft stoppte der Znojmo-Output bei zwei Treffern, etwas, das früher undenkbar gewesen wäre. Die Defensive präsentiert sich vielleicht etwas weniger löchrig als zuvor, weil mehr Angreifer als sonst im Kader stehen, die das eigene Drittel nicht nur aus Erzählungen kennen (Vodny, Plihal, Seda, Beroun, Spacek). Goalie Marek Schwarz präsentierte sich zuletzt weniger flatterhaft als zu Saisonbeginn, beim Spiel in Villach wird für softe Gegentreffer ohnehin kein Spielraum sein. Können Leistungsträger wie Yellow Horn, Martin Podesva oder Libor Sulak das Spiel für Znojmo entscheiden oder sorgen Corey Locke und Jan Urbas auf der Gegenseite für die entscheidenden Tore?

Personal-Situation

Beim VSV kehrt Nico Brunner wieder ins Lineup zurück, wird aber voraussichtlich als Stürmer eingesetzt. Defender Jereme Blain machte nach seiner Gehirnerschütterung erste Gehversuche am Eis. Ob er im Laufe der Woche noch ein überraschendes Comeback feiert? Ansonsten treten die Villacher in Bestbesetzung an. Bei Orli Znojmo kehrt Patrik Novak nach seiner langen Verletzung zurück und löst auf der Kaderliste den knieverletzten Radek Cip ab. Die Tschechen gehen damit mit einem vollem Kader in die heiße Schlussphase.

Was passiert, …

...wenn der VSV kurz vor Ende mit einem Tor führt? Zieht Znojmo-Coach Radek Simicek dann seinen Goalie und riskiert, dass nach dem 4:2 im Hinspiel sein Team den Vorteil bei Punktegleichheit im direkten Duell verliert? Es könnte dann theoretisch bis zum letzten Tie-Breaker gehen und dieser – Platzierung nach 44 Runden – spräche für den VSV. Oder setzt Simicek alles daran, nicht mit einem Punkt Rückstand in die letzten drei Spiele zu gehen, auch wenn die Auslosung (zwei Heimspiele) dann leicht für sein Team sprechen würde?



Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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