EBEL: Was hinter den Transferverzögerungen steckt

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Keine Spiele, aber trotzdem genug Diskussionsstoff für die Eishockeyfreunde – der Sommer ist die Zeit der Spielerwechsel.

Vor allem in den Wochen seit der A-WM vergeht kaum ein Tag, an dem nicht ein EBEL-Verein einen Zugang präsentiert. Bei vielen Vertragsabschlüssen liegen allerdings Wochen, wenn nicht Monate, zwischen der Unterschrift und der Bekanntgabe. Was sind die Gründe für diese Verzögerungen?

LAOLA1-Scout Bernd Freimüller klärt auf.

Wieso er und nicht ich?

Bei Spitzenspielern beginnen die ersten Gespräche schon während der Saison – je nachdem, ob der Spieler (oder, wenn fremdgesteuert, sein Agent) ein Gambler oder nicht ist, kann es auch schon früh zu Verlängerungen kommen, die aber in der EBEL eher selten bekanntgegeben werden. Der Hauptgrund dafür: Schon kurz nach der Verlautbarung kann der jeweilige Sportmanager damit rechnen, dass andere Spieler fragen: "Wieso er und nicht ich?" Das kann zu Unruhe im Kader führen, wenn sich einige Spieler noch in den Playoffs beweisen müssen, während andere schon längst ihr Bett für die nächste Saison gemacht haben.

Daher werden solche Vertragsverlängerungen gerne erst in der Off-Season verlautbart, das erspart doch unnötigen Stress. Das gleiche gilt für das Ziehen von Optionen – einige davon sind erst nach der Saison fällig, einige schon viel früher. So gab der KAC etwa eine Vertragsverlängerung von Defender David Fischer Anfang April bekannt – in Wahrheit wurde schon im Jänner die Option für eine Verlängerung gezogen.

Klauseln, wohin man schaut

Apropos Optionen: In den letzten Jahren tauchen immer mehr Klauseln in den Verträgen auf, die Vertragsverlängerungen oder –ausstiege möglich machen. Manchmal reicht schon da ein gewisser Save Percentage bei einem Goalie oder das Erreichen einer gewissen Punktezahl für einen Anschlussvertrag – bei den bekannt märchenhaften EBEL-Statistiken klingen solche Klauseln noch abenteuerlicher als ohnehin schon.



Einige Klauseln sorgen für Kuriosa: So nahm heuer ein EBEL-Crack die Möglichkeit zum Ausstieg aus seinem Vertrag wahr, um in eine bessere Liga zu wechseln. Doch sein neuer Verein wartete auch mit der Bekanntgabe dieses Signings einige Wochen ab. Denn auch er hatte im Vertrag eine Klausel eingebaut, mit der er den Vertrag seinerseits zu einem gewissen Datum hätte kündigen können. Der Spieler also nahm eine Ausstiegsklausel wahr, um seinerseits zu hoffen, dass sein neues Team eine solche nicht in Anspruch nehmen würde...

Solche Klauseln machen den Markt natürlich nicht übersichtlicher: Ein EBEL-Team nahm vor kurzem Kontakt zu einem Agenten auf, um sich über einen seiner Klienten zu erkundigen, der scheinbar noch keinen Vertrag für die nächste Saison hatte. Pustekuchen: Dieser Spieler hat schon lange einen DEL-Vertrag in der Tasche, der aber erst bekanntgegeben werden kann, wenn dessen Ausstiegsklausel für die KHL abläuft...

Ein bekannt gewordenes Beispiel für solche Klauseln: Der VSV verpflichte Ryan Glenn, der letzte Saison in Bozen spielte. Allerdings könnte Glenn aus diesem Vertrag aussteigen, wenn er bis Ende Juni in Finnland unterkommen würde. Bei einem 37-Jährigen allerdings nicht sehr wahrscheinlich.

Ausstehende Gehälter

Natürlich sind einige Bekanntgaben auch an Vertragsdaten gebunden: So warten einige Teams erst das Ablaufdatum der alten Verträge ab, ehe sie ihre Verstärkungen bekanntgeben. Das erfolgt auch oft auf Bitten der Spieler, bei denen manchmal noch Zahlungen ausständig sind. Natürlich sollte die Bekanntgabe eines neuen Arbeitgebers mit noch offenen Forderungen nichts zu tun haben, aber es gibt gewisse Organisationen wie etwa das alte und neue EBEL-Team in Zagreb, die am Ende der Saison gerne Machtspiele mit ihren Spielern veranstalten. Selbst ohne Bekanntgabe des neuen Arbeitgebers haben die Agenten ihre Hände voll, die noch ausstehenden Gehälter herauszuschlagen...

Im Falle von Ex-KAC-Coach Mike Pellegrims etwa wurden Daten streng eingehalten: Die Spatzen pfiffen es schon seit Wochen von den Dächern, dass er in Düsseldorf angeheuert hatte. Die offizielle Bekanntgabe erfolgte aber erst Stunden, nachdem der Belgier seinen Vertrag in Klagenfurt bei einem persönlichen Besuch aufgelöst hatte.

Von Festen und Abobriefen

Natürlich spielen auch PR-Gründe oft eine Rolle: Vertragsverlängerungen oder –abschlüsse werden gestaffelt, um so öfters in den lokalen Medien aufzuscheinen.

Einige Teams hängen die Bekanntgaben auch an gewisse Daten, etwa die neuen Abobriefe bzw. PR-Feste. Spitzenreiter in dieser Beziehung ist der Dornbirner EC – wie in jedem Sommer wurden bis jetzt noch kaum Verpflichtungen bekanntgegeben, offiziell haben die Vorarlberger erst sechs Spieler unter Vertrag.

Das wird sich aber Mitte Juni schlagartig ändern – im Rahmen eines Sommerfestes wird der fast komplette Kader en bloc vorgestellt.

Böses Blut bei ligainternen Wechseln?

Eine Eigenheit der EBEL: Irgendwie scheinen liga-interne Wechsel bei den Vereinen oft ein schlechtes Gewissen auszulösen. Allerdings: Die österreichischen Teams nehmen hier auf die ausländischen Teilnehmer kaum Rücksicht - Teams wie die Caps oder Villach verwenden etwa Bozen gerne als Einkaufsladen für ihre neuen Legionäre, ohne die Südtiroler davon in Kenntnis zu setzen.

Auch nichts dagegen einzuwenden, national führt Ähnliches öfters zu Verstimmungen. Davon werden auch die Spieler angesteckt – Liga-Punktekönig Corey Locke etwas sah sich dazu verpflichtet, als Grund für seinen Abschied aus Villach einen fehlenden Kindergartenplatz anzuführen. Sein Vertrag bei den Adlern war ausgelaufen, in Linz wartete mit Troy Ward ein Ex-Coach auf ihn – nicht unverständlich, dass er wechselte, die genauen Gründe dafür sollten ihm überlassen bleiben. Ein Lizitieren gibt es eigentlich in EBEL-Kreisen schon seit Jahren nicht mehr – selbst die besten österreichischen Cracks haben oft nicht mehr als ein Offert in Händen, auch bei den Legionären gibt es nach dem ersten Angebot eher wenig Spielraum nach oben. Der wochenlange Aufschub zwischen Lockes Unterschrift in Linz und dessen Bekanntgabe sollte offenbar die Wogen etwas glätten.

In anderen Ländern sind liga-interne Transfers weit mehr an der Tagesordnung und die Rahmenbedingungen sind klar abgesteckt: Die alten Teams kommen ihren Verbindlichkeiten ohne große Aufforderungen nach, der Spieler verabschiedet sich, indem er die Wohnung und sein Auto nicht devastiert hinterlässt – das alles unabhängig davon, wann der Wechsel bekanntgegeben wird. Von verletzten Gefühlen bei den Ex-Teams ist hier nichts bekannt...

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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