Die Geheimsprache der Scouts

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Wie jede Berufs-Gruppe haben auch Hockey-Scouts ihre eigenen Fachbegriffe und -phrasen, deren sie sich in Gesprächen und ihren Reports bedienen.

LAOLA1-Scout Bernd Freimüller gibt einen kleinen Einblick in die Vielzahl von Redensarten, die man in den amerikanischen Rinks hören kann.

Grundsätzlich gilt: Eishockey-Scouts sind keine großen Schriftsteller. Als ehemalige Spieler mit oft nur kurzer Schulausbildung sind die Reports für sie so etwas wie lästige Hausaufgaben und sicher nicht die liebsten Facetten ihres Jobs.

Dazu kommt noch: Mit jährlich etwa 200 Spielen und mehr als 1000 Reports bleibt zwischen den Reisen auch nicht viel Zeit für feinziselierte Berichte. Da müssen halt dann einige Fachbegriffe und -phrasen herhalten, die sowohl beim Schreibenden als auch beim Leser (=Headscout, Director of Scouting) bekannt sind und bekannte Assoziationen hervorrufen.

Hier einige Beispiele dafür:

"He's a dog" "He's a stiff" – Danke, das genügt, diese Sätze begraben einen Eishockeyspieler bereits. Im Gegensatz dazu: "He's a horse". – Ein solcher Spieler gilt als körperlich starker Akteur mit Leader-Qualitäten, der viel Eiszeit nehmen kann und in den Zweikämpfen brilliert. Tiernamen haben also sehr unterschiedliche Bedeutungen. Dass der ehemalige Flyers-Draftpick Pär Styf oft als "Stiff" (=Leiche) bezeichnet wurde, hatte mehr mit dem ähnlichen Klang und Kalauerfähigkeiten denn mit seinen – allerdings nicht überragenden – Talenten zu tun.

"He's very good at buying time" - Solche Spieler gehen nicht zum nächsten Supermarkt, um sich ein Kilo Zeit zu kaufen. Hier spricht man von Spielern, die das Match im richtigen Moment für sich verlangsamen können, mit und ohne Scheibe. Etwa ein Center, der auf den richtigen Augenblick wartet, bis sich eine Pass-Chance ergibt. Oder ein Defender, der sich einem 2-1-Break gegenübersieht, sich aber so gut positioniert, dass die Pass-Optionen für den Gegner kleiner werden oder er Unterstützung durch einen Mitspieler erhält.

"He slows down the game a lot" – das kann in Ausnahmefällen positiv gemeint sein, hat aber meist eine negative Konnotation. Im heutigen Eishockey, das auf Speed baut, sind die Robbie-Schremp-Spieler, die die Scheibe meist sehr lange halten, nicht unbedingt populär.

"He's a cherry-picker" – Bezeichnet einen Spielertyp, der im heutigen Eishockey eigentlich fast schon ausgestorben ist: Stürmer, die an der blauen Linie oder gar darüber hinaus warten, dass die Scheibe aus dem eigenen Drittel rausspediert wird und er zu einem Odd-Man-Break oder gar einem Breakaway kommt. An Defensivarbeit uninteressiert.

"Steady Eddy"/"No Frills-D" – Bezeichnet Verteidiger, die ihren Part staubtrocken und meist ohne Fehler runterspielen, aber kaum offensive Beiträge leisten. Spieler, die die Scouts akzeptieren und respektieren, aber nicht über alle Maße lieben.

"Riverboat gambler" – genau das Gegenteil davon. Nimmt eine Unmenge an defensiven Risiken, Coaches brauchen oft Beruhigungspillen bei dieser Art von Spielstil. Punktet aber und ist im Powerplay eine Bank. Siehe Sebastien Piche…

"Wildcard-"/"Boom-or-bust player" – Spieler, bei denen sich die Amateur Scouts schwer tun, ihr Potential festzulegen. Könnten Top oder Flop werden. Meist Spieler mit sehr guten Händen, aber entweder schwachem Hockey Sense, unwilligem Defensiv-Verhalten oder Off-Ice-Problemen.

"Silky mitts"/"Hands of cement" – bezeichnen genau das Gegenteil. Samtene Handschuhe bezeichnen Spieler für das Besondere und Playmaker. Zementhände (im Deutschen eher als „hölzern“ oder „steif“ bezeichnet) gelten für Akteure, die im Spiel mit der Scheibe Probleme haben und oft an einfachen Pässen scheitern.

"A crest shooter" – Bezeichnet Stürmer, die einfach nicht treffen, dagegen meist das Wappen auf dem Dress des gegnerischen Goalies anpeilen und diesen nicht einmal zu großartigen Paraden zwingen.

"A heavy player" – bedeutet nicht, dass der Spieler übergewichtig wäre, sondern dass er seine Muskelkraft in Zweikämpfen sehr gut einsetzt und stark auf den Eisen steht. Einfach eine Macht in Zweikämpfen, muss aber nicht unbedingt ein "Heavy hitter" sein. "A heavy stick" bedeutet auch, dass er seinen Stock in Zweikämpfen sehr gut einsetzt und ihm die Scheibe nicht so einfach weggenommen wird. Gewinnt auch viele "50-50-Pucks".

"Heavy boots" – hier wird "heavy" für einmal negativ verwendet. Ist einfach die Kurzfassung für einen Spieler, der zu langsam ist. Oft der Bestandteil eines "Elimination Reports", die für Spieler mit wenig Potential aufgewendet werden und diese ein für alle Mal eliminieren sollen. Der Scout hält sich gar nicht damit auf, das Skating in die Teilbereiche "Agility", "Mobility", "Quickness" und "Speed" aufzudröseln.

Wenn es um das Eislaufen geht, gibt es natürlich eine Unzahl von Fachbegriffen – sowohl positiv als auch negativ.

Ein Spieler kann "Deceptive speed" haben, sprich nicht schnell aussehen, aber stets rechtzeitig dort ankommen, wo er sollte.

"Shirt-flapping speed" - also Speed, bei dem das Trikot im Wind flattert, gibt es heute aufgrund der enganliegenden Dressen kaum mehr. Ein "Four-way skater" bezeichnet einen Spieler, der sich in alle vier Richtungen ("North-South" und "Laterally") sehr gut bewegt.

"Does not pivot well"/"Does not twist and turn well" - bezeichnet dagegen Spieler, die sich seitwärts nicht gut bewegen und für Richtungsänderungen zu viel Zeit brauchen.

"Can't get off the mark" – ein Spieler kommt einfach nicht vom Stand, sein Antritt ("Acceleration") ist sehr schlecht.

Textquelle: © LAOLA1.at

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