Bozen-Sportdirektor übt Kritik an der EBEL

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Sportlich läuft es für den HC Bozen aktuell nach Wunsch.

In der "best of seven"-Viertelfinalserie der EBEL-Playoffs liegen die Südtiroler gegen die Black Wings Linz mit 3:1 voran und benötigen nur noch einen Sieg für das Halbfinale.

Finanziell ist die Lage bei den Italienern trotz steigender Fan-Zahlen dennoch nicht rosig. "Jetzt wäre uns auch noch geholfen, wenn die TV-Gelder der Liga auf alle zwölf Teams aufgeteilt werden würden und nicht nur auf die acht österreichischen", übt Sportdirektor Dieter Knoll im Gespräch mit LAOLA1-Scour Bernd Freimüller leise Kritik an der Liga.

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Im LAOLA1-Interview spricht der Bozen-Sportdirektor außerdem über die kuriose Kaderplanung bei den "Foxes", die steigenden Zuseherzahlen und vieles mehr:

LAOLA1: Ein Sieg fehlt noch auf den Halbfinaleinzug – hätten Sie das vor dem Viertelfinale gedacht?

Dieter Knoll: Nein, sicher nicht. Wir wollten eigentlich nach den Erfahrungen der letzten beiden Jahre gar nicht auf Linz treffen. Dass wir das Auswärtsspiel am Freitag gewonnen haben, war natürlich ein Coup für uns. Aber alle Spiele in dieser Serie sind nur von Kleinigkeiten entschieden worden und das wird auch so weiter gehen, daher ist leider noch gar nichts gewonnen. Natürlich wäre mir am liebsten, wir machen am Dienstag den Sack schon zu – die sicheren Einnahmen des Halbfinales wären mir lieber als die möglichen eines sechsten Spiels.

VIDEO - Die CHL ist entschieden:
(Artikel wird unterhalb fortgesetzt)

LAOLA1: Apropos Heimspiele: Da sieht es ja in puncto Zuschauerzahlen immer besser aus?

Knoll: Wir hatten im Viertelfinale 4.000 und 6.000 Zuseher, überhaupt haben sich die Zuschauerzahlen in den letzten vier Jahren um jeweils etwa zehn Prozent erhöht. Einzig in der Pickround heuer sind einige Fans weggeblieben, da haben wir aber auch schlecht gespielt.

LAOLA1: Wie sind die zunehmenden Zuseherzahlen zu erklären, obwohl man doch in der ersten Saison mit dem Meistertitel den größten Erfolg gefeiert hat?

Knoll: Immer mehr Fans kommen von außerhalb Bozens, die EBEL wird immer mehr als gutes Produkt auf hohem Niveau angenommen. Dazu haben wir in letzter Zeit immer mehr Spieler aus Italien verpflichtet, das reicht von Bruneck über Meran bis nach Fassa. Das trägt auch zur Bindung der Fans von außerhalb bei, die sich neben den Spielen ihrer Heim-Mannschaft auch das eine oder andere HCB-Spiel ansehen.

LAOLA1: Wie sehr hat man die Organisation zuletzt auf eine stärkere finanzielle Basis gestellt? Es war ja kein Geheimnis, dass der Meistertitel sehr teuer erkauft war.

Knoll: Wir haben jetzt zumindest die ausstehenden Spielergehälter der letzten Jahre bezahlt und sollten heuer ausgeglichen bilanzieren. Mit Südtirol und Alperia haben wir im Laufe der Zeit zwei Hauptsponsoren dazugewonnen. Jetzt wäre uns auch noch geholfen, wenn die TV-Gelder der Liga auf alle zwölf Teams aufgeteilt werden würden und nicht nur auf die acht österreichischen. Schließlich haben wir ja die gleichen Ausgaben in der Infrastruktur und die regionalen TV-Gelder sind mit denen der EBEL nicht zu vergleichen.

LAOLA1: Zurück zum Sportlichen: Heuer kam es während der Saison zu einem ziemlichen Kommen und Gehen, Center Andrew Yogan kehrte nach Hause zurück und kam dann wieder. Etwas ungewöhnlich?

Knoll: Ja, er hatte etwas Heimweh, dann auch gewisse familiäre Probleme, dazu kam auch noch ein Agentenwechsel. Er hatte auch ein Angebot aus der Schweiz, ich habe aber seine Transferkarte in Händen gehabt. Er hat dann eingesehen, dass er für eine weitere Europa-Karriere sicher gut beraten wäre, es hier in Bozen nochmals zu versuchen. Glen Metropolit war nach gutem Beginn mit den Gedanken etwas bei seiner Familie in Florida, Denny Kearney wiederum war mit seiner Rolle im Team und seiner Eiszeit nicht zufrieden. Die Trennung war bei beiden Spielern für alle Seiten besser.

LAOLA1: Die Kaderzusammenstellung ist in Bozen ja immer ein eigenes Kapitel und erfolgt mit einer anderen Timeline als bei den anderen Teams. Wird das so bleiben?

Knoll: Grundsätzlich wissen die Agenten, was bei uns bezahlt wird, bieten ihre Spieler daher immer stets zuerst bei der Konkurrenz an. Wir müssen dann halt etwas später schauen, was auf dem Markt ist. Heuer wollten wir etwas früher dran sein, aber aus April und Mai wurde dann auch wieder Juni und Juli. Wir sind halt immer eine Zwischenstation für Spieler, die erstmals nach Europa kommen und dann nach einem Jahr zu einem finanzkräftigeren Team abwandern. Sowohl Linz als auch Wien haben jeweils drei ehemalige Spieler von uns unter Vertrag, haben eigentlich von unserem Scouting profitiert. Doch das ist der Lauf der Dinge und auch völlig natürlich. Aber wir haben zumindest bei den italienischen Teams eine Zusammenarbeit aufgebaut, sie sehen uns inzwischen nicht mehr als Konkurrenz und es fällt uns da leichter, einheimische Spieler zu bekommen.

LAOLA1: Sie schließen immer nur Einjahres-Verträge ab, so auch mit Coach Tom Pokel. Wird sich diese Vorgangsweise irgendwann einmal ändern? Können Sie Spieler oder auch Coaches vielleicht etwas früher festzurren?

Knoll: Bei uns ist immer alles offen, nichts ist fix. Beide Seiten können mit diesen Vertragslaufzeiten immer sehr gut leben, Tom ist ja auch schon einige Zeit bei uns und wir haben ein gutes Verhältnis. Er füllt seine Rolle als „One-Man-Show“ ohne Assistenztrainer sehr gut aus. Schauen wir nach der Saison, wie seine Pläne sind und wie es weitergeht.

Schaffen die Black Wings gegen Bozen noch den Aufstieg?

Textquelle: © LAOLA1.at

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