EBEL-Final-Vorschau: Die sieben Brennpunkte

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Finale, oho! Finale, oho!

Am Freitag starten die EBEL-Finals zwischen den Vienna Capitals und dem KAC. Die zwei Klubs haben einen ungleichen Weg in die Edspielserie hinter sich - nun kämpfen sie um den Titel. Was haben die beiden Teams gemeinsam? Was unterscheidet sie?

Angesichts der möglicherweise sieben Spiele andauernden "best of seven"-Finalserie widmet sich LAOLA1-Scout Bernd Freimüller den sieben Brennpunkten des Final-Duells:

Kurzarbeiter Capitals

Während alle Eishockeyfans gebannt auf die Duelle zwischen dem KAC und Salzburg starrten, gerieten die Capitals fast in Vergangenheit. Sie rasten im Eilzugstempo durch die Playoffs und mussten auf ihren Gegner warten. Das erste Finale – vor allem das erste Drittel – könnte für die Wiener nach der langen Pause etwas harzig werden. Der KAC stieg ohne größere Verluste aus den sechs Salzburg-Spielen aus, die körperliche Verfassung sollte bei beiden Teams keine große Rolle spielen. Bei den Caps fehlten zuletzt nur Mario Fischer und Ali Wukovits. Bei den Klagenfurtern nicht zur Verfügung: Johannes Bischofberger sowie der gesperrte Steven Strong, dessen hässlicher Kniecheck gegen Alexander Cijan wenigstens nachträglich geahndet wurde. Drei Spiele Sperre für ein Vergehen, das auf dem Eis mit lächerlichen zwei Minuten geahndet wurde...

Feuer mit Feuer bekämpfen

Beide Teams setzen auf ein überaus laufintensives Spiel, ein oder zwei Forechecker versuchen schon früh Turnovers zu provozieren. An guten Tagen – und beide Teams hatten diese zur Genüge – führt das zu einem wellenförmigen Spiel ohne große Löcher zwischen den einzelnen Spielern. Schlüsselspieler in so einem System sind immer die Center – sie müssen die Mitte des Eises wegnehmen, im Zweifelsfall immer hinter dem Puck agieren, trotzdem aber stets offensive Optionen im Umschaltspiel darstellen. Das erfordert gute und nie nachlassende Beinarbeit. Schlüsselkräfte dabei sind Thomas Koch bzw. Liga-MVP Riley Holzapfel.

Koch spielt heuer so gut wie seit Salzburg-Zeiten nicht mehr. Damit mehr als nur eine These: Der sehr ruhige Klagenfurter braucht einen Hardass-Coach wie es Pierre Page oder jetzt Mike Pellegrims sind – gegenseitige Sympathie hin oder her. Holzapfel (in den Playoffs noch dominierender als zuvor) hingegen möchte sich eventuellen Interessenten präsentieren, verfügt er doch über eine Ausstiegsklausel in seinem Zwei-Jahres-Vertrag.

VIDEO - Irrer Save in der KHL:
(Artikel wird unterhalb fortgesetzt)

Schusswinkel ändern

In den ersten beiden Halbfinali zeigten die damals noch gesunden Salzburger mit steter Puckzirkulation, wie dem KAC beizukommen ist. Die Klagenfurter setzen im eigenen Drittel auf einen „Low Zone Collapse“, sämtliche fünf Spieler versuchen eine 5-3-Überlegenheit unter den Hashmarks herzustellen und Schüsse so entweder zu verhindern oder zu blocken. Vor allem Wiens Defender sind hier gefordert, die Schusswinkel mit Beinarbeit und schnellen Pässen zu ändern. Jamie Fraser ist ein Meister darin, Aaron Brocklehurst und Ryan McKiernan sind läuferisch auch stark genug. Die Caps-Stürmer hingegen müssen im Rücken der Klagenfurter Defensive Löcher finden.

Powerplay

Beide Teams haben im Laufe der Saison ihr Überzahlspiel verbessert. Riley Holzapfel fand sich ab der Pick Round verstärkt vor dem gegnerischen Tor wieder. Der großgewachsene Kanadier kann nicht nur dem gegnerischen Goalie die Sicht nehmen, sondern hat auch die Hände für Abfälscher (etwa im Drive-By-Modus) oder kurze Pässe.

Der KAC wiederum setzt gerne auf das Duo Koch-Lundmark. Thomas Koch von der rechten Halfwall operieren zu lassen, ist unvermeidlich. Ihn jedoch ohne Bedrängnis bis zu den Hashmarks und oft darüber hinaus agieren zu lassen wie die zu passive Salzburger Box, kann letale Folgen haben. Jamie Lundmarks One-Timer von seinem Off Wing sind ligabekannt, trotzdem aber oft nur schwer zu verhindern.

Zwei Goalie-Stile

Die Parallelen in Klagenfurt waren schnell gefunden: Wie beim Meistertitel vor vier Jahren übernimmt der österreichische Backup während der Playoffs und stabilisiert so diese Schlüsselposition. Damals profitierte Rene Swette von der Trap unter Coach Christer Olsson, gegen die die Caps kein Mittel fanden. David Madlener kann vor allem auf willige Schüsseblocker vor sich bauen. Der Vorarlberger war immer schon ein Mann für den ersten Save, hat sich aber athletisch in letzter Zeit verbessert. In seiner lateralen Bewegung kommt er an sein Gegenüber J-P Lamoureux allerdings nicht heran.

Lamoreux, der seit dem Februar-Break elf von 12 Spielen bestritt, wurde in den Playoffs bis jetzt nicht übermäßig gefordert, zu überlegen agierten die Capitals. Allerdings ist er ein Goalie, der auch in längeren Phasen der Inaktivität seine Konzentration aufrechterhalten kann. Eher nicht zu glauben, dass er für Caps-Siege auf dem Kopf stehen muss - eher schon, dass er mit Key Saves in entscheidenden Momenten da ist. Kein anderer EBEL-Goalie geht so gut mit dem Schützen mit wie er, dazu kommt noch eine vorzügliche Reboundkontrolle.

Das Personalkostüm

Ich erwarte beim KAC (während der Sperre von Strong) sechs, bei den Capitals sieben Defender. Die Klagenfurter haben während der Playoffs in all ihren Reihen Produktion gefunden - etwas, das für die Wiener vor allem für ihre acht Topstürmer gilt. Caps-Chef Serge Aubin verzichtet bei Defensive-Zone-Starts meist auf seine vierte Linie oder setzt dann auf einen routinierten Center. Mit dem gelernten Defender Patrick Peter hat Aubin einen Stürmer entdeckt, der in den Bandenzweikämpfen sehr robust agiert.

Pellegrims setzt auf vier vollwertige Sturmlinien, vor allem auf der Centerposition im vierten Block (welcher das auch immer sein mag) ist er besser besetzt als die Caps. Erwarte beim KAC eher keine Konzentration der Kräfte.

Erfolge trotz wenig Headcoacherfarhung

Mit Serge Aubin und Mike Pellegrims stehen zwei Liganeulinge im Finale. Beide könnten menschlich nicht unterschiedlicher sein – der stets höfliche und verbindliche Aubin gegenüber dem schroffen Pellegrims. Dass der Belgier nächste Saison in Düsseldorf hinter der Bande steht, ist in der Branche schon seit langem bekannt. Menschlich wird ihm in Klagenfurt niemand eine Träne nachweinen, doch seine Handschrift war vom ersten Tag an zu sehen. Die Spieler – wahrlich auch in keiner Liebesbeziehung zu ihm stehend – gaben zuletzt keinerlei Anzeichen, Pellegrims als „Lame Duck“ anzusehen. Im Gegenteil, sie legten noch einen Zahn zu. Kurios, dass beide Trainer gemeinsam auf nicht einmal drei ganze Saisonen Headcoacherfahrung kommen. Auch für Aubin sollte die EBEL nicht das Maß aller Dinge sein – seine Stationen als Spieler und Assistant Coach in Deutschland und in der Schweiz sollten ihn in diesen Ländern einige Türen öffnen. Mit einem Meistertitel, der eine hervorragende Saison veredeln würde, käme sein Lebenslauf noch um einiges imposanter daher...

Textquelle: © LAOLA1.at

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