Hauser: "Hatte den perfekten Lauf noch nicht"

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"Österreich macht zwei Medaillen."

Wer genau bei der Biathlon-Heim-WM in Hochfilzen Edelmetall für Rot-weiß-rot holt, wollte Lisa Hauser allerdings nicht verraten.

Sich selbst sieht die 23-Jährige nicht als Medaillen-Kandidatin. „Mein Ziel ist, unter die besten Zehn zu kommen“, sagt Hauser, die in dieser Weltcup-Saison bereits acht Top-Ten-Plätze zu Buche stehen hat. Beim Auftakt in Östersund durfte die Tirolerin schon Podest-Luft schnuppern – allerdings „nur“ an der Seite von Simon Eder im Single-Mixed.

Was in den Einzelbewerben noch zum Sprung aufs Stockerl fehlt? „Vielleicht habe ich den perfekten Lauf noch nicht gehabt. Man sieht ja, dass andere auch aufs Stockerl laufen, die oft hinter mir waren“, gibt Hauser zu bedenken.

„Dann steht einem Erfolg nichts im Weg“

Einen „perfekten“ Lauf machen für Österreichs beste Biathletin „null Fehler am Schießstand, ein Wahnsinns-Tag auf der Loipe und Top-Material“ aus. „Dann steht einem Erfolg sicher nichts im Weg.“

Einen Podestplatz oder gar einen Sieg könne man allerdings nicht planen. „Die Dichte ist groß, diese Kombination am Tag X zusammenzubekommen, ist schwierig. Man darf nichts erzwingen und zu schnell wollen. Man kann es sich nicht aussuchen, es passiert dann einfach. Ich glaube nicht, dass ich einen Stress habe“, sagt die 23-Jährige.

Dennoch ist sie sich bewusst, dass es aufgrund ihrer bisherigen Ergebnisse im Weltcup eine gewisse Erwartungshaltung in der Öffentlichkeit gibt. „Sicher wird von mir etwas erwartet, aber das muss kein Nachteil sein. Ich habe es genossen, so gute Ergebnisse gebracht zu haben. Ich freue mich jetzt auf die WM und wenn ich meine Leistungen abrufen kann, mache ich mir sowieso keine Sorgen“, weiß Hauser um ihre Fähigkeiten.

Die sechsfache Junioren-WM-Medaillengewinnerin hat einen steilen Aufstieg hingelegt. Nach ihrem Weltcup-Debüt 2012 arbeitete sie sich in fünf Jahren bis in die absolute Weltspitze nach vorne. In dieser Saison lag sie zwischenzeitlich bereits auf Rang fünf im Gesamtweltcup.

"Meine Nervenstärke ist ein Vorteil. Ich glaube, ich habe einfach eine gewisse Lockerheit in mir."

Ein Ergebnis unermüdlicher Arbeit gepaart mit Talent. „Läuferisch ist es viel harte und konsequente Arbeit. Da muss ich es mir wirklich erarbeiten. Am Schießstand ist natürlich Talent dabei, ich habe von Anfang an gut geschossen. Das muss man schon ein bisschen in sich haben“, meint Hauser, die bestreitet, sich in dieser Hinsicht etwas von ihrem Vater – einem passionierten Jäger – abgeschaut zu haben.

Vielmehr sei ihre Stärke am Schießstand Kopfsache. „Meine Nervenstärke ist ein Vorteil. Ich glaube, ich habe einfach eine gewisse Lockerheit in mir. Ich konnte in dieser Saison einige Sekunden beim Schießen herausholen, die andere Läuferinnen in der Loipe erst wieder zulaufen mussten. Das ist natürlich gut, weil ich läuferisch nicht zu den Top-Favoriten gehöre.“

Nichtsdestotrotz habe sie in der Loipe „einen großen Schritt“ nach vorne gemacht. „Ich bin in diesem Winter wirklich zufrieden mit meinen Laufzeiten. Wenn mir das vor der Saison jemand gesagt hätte, hätte ich sofort unterschrieben“, gibt Hauser zu Protokoll.

Die Schmiede des Erfolgs

„Sie wird bei der WM schon um Topplätze mitkämpfen. Sie ist eine der besten Schützinnen und das Laufniveau ist besser geworden“, weist auch Alfred Eder auf die Entwicklung der 23-Jährigen hin.

Der Vater von Simon Eder betreut Hauser in der sogenannten „Biathlonschmiede“, einer privaten Trainingsgruppe, der neben Hauser und Eder unter anderem Dunja Zdouc und Julia Schwaiger angehören. Neben Alfred Eder fungiert auch Sandra Flunger, eine Cousine von Simon, als Trainerin.

Die 34-jährige Vertrauenstrainerin von Hauser wurde beim ÖSV im Frühling 2016 durch den Norweger Vegard Bitnes ersetzt. Für Hauser ein Grund, sich vom ÖSV loszueisen. "Dadurch, dass der Vertrag mit Sandra nicht verlängert worden ist, haben wir uns entschieden, diesen Weg zu gehen“, erklärt die Tirolerin, die nun seit Sommer außerhalb des Skiverbandes trainiert.

„Ich hätte mein ganzes Training umstellen sollen, hätte im Lauftraining alles anders machen sollen“, erläutert sie die Beweggründe. „Das war vor der Heim-WM ein zu großes Risiko. Noch dazu, wo die Zusammenarbeit mit Sandra in den letzten Jahren super funktioniert hat.“

Auch von Simon und Alfred Eder könne sie sich im Training einiges abschauen. „Sie haben sehr viel Erfahrung, davon kann man nur profitieren. Simon ist seit Jahren an der Spitze mit dabei, von ihm kann ich einiges lernen - vor allem am Schießstand.“

Unbezahlbare Unterstützung

Nicht zuletzt die guten Leistungen in dieser Saison bestätigen Hauser in ihrem Weg. „Meine Erfolge sprechen für sich. Solange es die Karriereleiter nach oben geht, ist keine Veränderung notwendig“, will Hauser auch in Zukunft Teil der „Biathlonschmiede“ bleiben. Auch, wenn sich die Athleten das Training teilweise selbst finanzieren müssen.

Unbezahlbar ist für Hauser die Unterstützung ihrer Trainer bei der WM. Eder und Flunger sind in Hochfilzen offiziell akkreditiert und an der Loipe mit dabei. „Es hilft mir, wenn die engsten Vertrauenspersonen, mit denen man das ganze Jahr arbeitet, bei so einem Großereignis dabei sind. Es ist sehr wichtig, weil man viele Kleinigkeiten absprechen und Probleme diskutieren kann.“

Probleme bereitete Hauser zuletzt eine Grippe, die sie rund um den Jahreswechsel aus der Bahn geworfen hatte. Die Tirolerin sieht es rückblickend locker: „Natürlich wird niemand gerne krank. Aber wenn man sich einen Zeitpunkt in der Saison zum Krankwerden aussuchen müsste, war das vielleicht eh der beste.“

Beim letzten Weltcup vor der WM in Antholz Mitte Jänner fuhr Hauser mit den Rängen 10 (Einzel) und 12 (Massenstart) „coole“ Ergebnisse ein. Die Formkurve zeigt wieder nach oben. Hält der Trend an, geht es bei der WM in den Ergebnislisten vielleicht noch ein Stück weiter nach vorne.

Textquelle: © LAOLA1.at

Die ÖSV-Biathleten im WM-Check

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