Vierter EM-Anlauf der ÖVV-Frauen gegen starke Konkurrenz
Serbien, Tschechien, Ukraine, Bulgarien sind gegen die Schwab-Truppe zu favorisieren. Ein Sieg wäre auch für die EM 2028 hilfreich.
Am Freitag geht es für Österreichs Volleyballerinnen in ihre vierte EM-Teilnahme, erstmals haben sie sich sportlich dafür qualifiziert.
In Brünn spielt die ÖVV-Truppe in Gruppe B des in vier Ländern mit vier Sechsergruppen ausgetragenen Titelkampfs als Außenseiter am Freitag (14:00 Uhr, live ORF 1) gegen Serbien, am Samstag (19:00 Uhr) gegen Tschechien sowie am Montag, Dienstag und Mittwoch gegen die Ukraine, Griechenland bzw. Bulgarien (jeweils 16:00 Uhr, live ORF Sport +).
1958 in der Tschechoslowakei, 1963 in Rumänien und 1971 in Italien war Rot-weiß-rot im Frauen-EM-Feld durch Nennung dabei gewesen, dabei gab es jeweils in Dreiergruppen keinen einzigen Satzgewinn. Bei der Premiere blieb man auch in den Platzierungsspielen sieglos, wurde Zwölfter und Letzter.
"Große Ziel, einmal ein Team zu schlagen"
Je ein Erfolg in dieser Phase bei den beiden folgenden EM-Auflagen brachte als 12. bzw. 17. jeweils den vorletzten Platz. Platzierungsspiele gibt es diesmal beim bis zum 6. September dauernden Turnier nicht, damit wird für die ÖVV-Equipe das Abenteuer am Mittwoch wohl vorüber sein.
Roland Schwab nimmt den Cheftrainerposten das fünfte Jahr ein, seit 2023 fungiert der 42-Jährige auch als ÖVV-Sportdirektor. Die EM-Endrunde wurde hauchdünn erreicht, ebenso knapp hatte es Anfang 2019 gegen die diesmal nicht qualifizierten Schweizerinnen nicht geklappt.
Gegen die gab es Mitte Juni in der European League ein 2:3, gewonnen wurde bloß gegen in der Europarangliste schlechter platzierte Teams. Schwab: "Es ist das große Ziel, einmal ein Team zu schlagen, das (im Ranking, Anm.) vor uns liegt. Wir haben jetzt bei der EM fünf Chancen dazu."
Jeder Sieg hilft für EM-Quali 2028
Ein Sieg für den "Underdog" des Pools würde in Hinblick auf Erreichen der EM-Endrunde 2028 helfen. Denn nur so schreibt man für die Rangliste an, am Ende des Qualifikationsweges werden elf Tickets über die kontinentale Reihung vergeben. Die andere Chance gibt es nächstes Jahr über die European League, im Streben um eines von auch heuer vier Tickets wurde man Zehnter.
"Es ist wichtig, uns weiterzuentwickeln", sagte Schwab. "Der Quali-Modus wird nicht leichter. Wir müssen uns weiter steigern, um in der Lage zu sein, um diesen Qualifikationsplatz zu spielen."
Aktuell gilt der Fokus aber primär dem anstehenden Turnier. Ein dichter Zeitplan von fünf Spielen innerhalb von sechs Tagen ist Herausforderung. "Wir nehmen es Spiel für Spiel", erläuterte der Trainer." Über eine europaweite Plattform tauschen Scouts ihr Videomaterial aus, so gibt es immer neue Inputs über den jeweils nächsten Gegner.
"Kann mir schon vorstellen, dass ..."
Da am Freitag alle Gruppengegner im Einsatz sind, werden auch diese Spiele analysiert. Am Sonntag ist der einzige wettkampffreie Tag. Schwab: "Das kann man zum Training nutzen, um für den nächsten Block an technischen Details zu arbeiten."
Zuspielerin Dana Schmit geht jedenfalls ohne Resultatsziel in das Turnier: "Ich will, dass wir uns gut präsentieren, die anderen ärgern und wenn wir Chancen haben, dann diese auch nützen", sagte die 28-Jährige im APA-Gespräch. "Ich kann mir schon vorstellen, dass wir vielleicht eine kleine Überraschung sind, weil uns jeder unterschätzt. Serbien und Tschechien werden nicht unbedingt die Spiele sein, in denen uns der Überraschungssieg gelingen wird. Aber dafür in den anderen drei Spielen", betonte die mit ÖVV-Teamspieler Paul Buchegger liierte Athletin.
EM-Bühne als Chance auf Auslandstransfer
Schmit spielt schon seit neun Jahren im Ausland, steht in der Grundsechs des österreichischen Teams. Neben fünf anderen Legionärinnen wird der Kader von acht in der Austrian Volley League engagierten Spielerinnen ergänzt. Für dieses Oktett stellt die EM eine wichtige Bühne dar.
"Dass du gesehen wirst und dich empfehlen kannst, das passiert nur im Nationalteam", merkte Schwab an. Libera Eva Stabentheiner etwa sieht er bereit für einen Transfer, bis zu einem erhofften Wechsel würde er sie auch beim von ihm betreuten deutschen Zweitligisten Straubing mittrainieren lassen.
Die 27-Jährige ist eine von drei Spielerinnen von Meister Sokol/Post im 14-köpfigen Kader, je zwei kommen von Vizemeister Graz und Linz sowie eine Akteurin von Hartberg. Gerade für die Jüngeren sieht Schwab die EM als besonders wichtige große Bühne: "Wenn sie solche Spiele spielen, bekommen sie die Stabilität."
Schmit hob das Miteinander der Grundsechs mit den Ersatzspielerinnen und deren Bedeutung hervor: "Es ist ein guter Mix. Wenn Spielerinnen reinkommen, wollen sie alles geben. Das ist der Job von Ersatzspielerinnen, sie bringen neue Energie."