Reichel gestaltet WTA-Zukunft

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Reichel: "Müssen für 2017 Perspektive finden"

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Nach bereits 15 Jahren im "Board of Directors", in dem er übrigens weiter bleibt, hat Peter-Michael Reichel in der Womens Tennis Association (WTA) den nächsten Karriere-Sprung gemacht.

Als "Chairman" oder Vorsitzender aller 57 Turniere weltweit zählt der 63-jährige Oberösterreicher nun zu den drei wichtigsten Personen in der WTA.

Reichel löste den nunmehr zum CEO der WTA aufgestiegenen Steve Simon in dieser Funktion ab.

Ob sich der Veranstalter von vier Tennis-Turnieren, darunter Linz und Bad Gastein, auch noch diesen nächsten Schritt vorstellen könnte?

"Nein, das ist jetzt das Limit und es ist auch die Frage, wie lange ich das machen werde", stellte Reichel am Mittwoch im Gespräch mit der APA - Austria Presse Agentur klar.

Reichel bleibt im Board

Denn sein neuer Tätigkeitsbereich, für den er etwa 100 Tage im Jahr aufwenden muss, wird ihm einiges abverlangen. "Es ist natürlich schon sehr komplex. Die Interessen sind ja auch innerhalb der Turniere sehr unterschiedlich", hat Reichel auch in einer kürzlich geführten, großen Telefonkonferenz festgestellt. Im Board wird er dennoch bleiben.

Während dies für ihn wie eine erweiterte Aufsichtsratstätigkeit zu betrachten ist, ist die "Chairman"-Tätigkeit nun für ihn wie "ein Drittel eines Jobs als österreichischer Vorstand" zu betrachten.

Gemeinsam mit CEO Simon sowie einer Vorsitzenden für die Spielerinnen will Reichel an der Zukunft der WTA arbeiten.

"Man kann sagen, dass wir die drei sind, die die wesentlichen Geschicke leiten und die Board-Entscheidungen vorbereiten", präzisierte Reichel, der sich die Funktion einmal in diesem Jahr "anschauen" will und die jährlich neu vergeben wird. Reichel hat sich für jede Turnierkategorie einen Assistenten geholt. "Weil ich auch nicht wollte, dass es heißt, der schaut nur auf seine eigenen Interessen", sagte der frühere LASK-Präsident, der auch seine Unabhängigkeit signalisieren will.

Die "Roadmap 2019" - bis dahin soll ein neues Konzept stehen - ist die primäre Aufgabe: "Das ist der wichtige Prozess, der jetzt 16/17 stattfindet: die Struktur der Tour, die Entwicklung der Preisgelder und die mediale Verwertung." Auch die Kooperation mit der ATP würde er gerne optimieren. "Die ATP spricht mit uns nicht aktiv. Die Verbesserung der Zusammenarbeit mit der ATP ist ein Wunsch von mir." Und auch dass es zu einer gewissen Vereinheitlichung kommt. "Wir zählen teilweise unterschiedlich, wir lassen Coaches auf den Platz, die ATP nicht..."

Komplexte Machtstrukturen

Grundsätzlich sind die Machtstrukturen im Welt-Tennis komplex. "Eigentlich haben wir sieben Kräfte im Tennis: weil jedes Grand Slam hat für sich einen eigenen Status. Jeder macht, was er will. Es ist ja auch nicht so, dass die vier Grand Slams sich untereinander absprechen würden. Und dann haben wir noch ITF, WTA und ATP. Diese sieben sind noch nie an einem Tisch gesessen."

In Sachen Fernsehvermarktung habe man in den vergangenen zwei Jahren großartige Abschlüsse gemacht. Aber er wünscht sich noch eine bessere Präsenz auch im deutschsprachigen Raum. "Da sind wir mit dem Tennis ganz schwach." Ein Umstand, der sich durch den Major-Sieg von Angelique Kerber wohl ändern könnte.

Reichel ist schon stolz auf diese, übrigens nicht ehrenamtliche, Position. "Natürlich ist das großartig, dass man als kleiner Österreicher - noch dazu aus den kleineren Turnierkategorien kommend - so eine Position bekommt. Ich kann mir vorstellen, dass das in anderen Sportarten nicht geht."

Zukunft der österreichischen Turniere ist noch offen

Dem österreichischen Tennis will er "so gut wie möglich zur Seite stehen". Ob es im Jahr 2017 aber noch zwei WTA-Turniere in Österreich geben wird, scheint zumindest fraglich. "Wir müssen für 2017 eine Perspektive finden, hoffentlich in Österreich, aber notfalls auch im Ausland."

Für das Generali Ladies Linz hofft Reichel freilich auch im künftigen Turnierplan auf ein gutes Standing. "Natürlich wird man im Zuge einer Tour-Reform schauen inwieweit man Linz als sehr renommiertes Turnier auf der Tour so gut wie möglich positioniert." Reichel hat in seiner Funktion wesentlichen Einfluss auf die Kalendergestaltung.

In Sachen Wettmanipulation (kurz vor den Australian Open war das Thema wieder groß aufgekommen, Anm.) sieht Reichel kein akutes Problem: "Alle diese Fälle, die bis 2007 zurückgehen, waren bekannt, sind untersucht worden, aber einen stichhaltigen Beweis hat es nicht gegeben. Gerüchte, Behauptungen und Gaunereien gibt es auf der ganzen Welt in jeder Branche, natürlich wird es auch im Sport Leute geben, die betrügen."

Von einer mancherorts geforderten Ausschließung von Wettfirmen als Sponsoren hält Reichel gar nichts. "Das ist Blödsinn. Wir haben einen treuen Wettpartner. Genau das müssen wir pflegen, dass wir mit diesen Organisationen eng zusammenarbeiten und jede Auffälligkeit sofort stoppen, wenn es wäre." Aber in der WTA sei Wettmanipulation "kein wichtiges Thema".

Abkehr vom Fußball

Möglich wurde Reichels Aufstieg in der WTA wohl auch, weil er sich seit einigen Jahren nicht mehr als LASK-Präsident auch noch dem Fußball widmet. "Natürlich habe ich Freiraum gewonnen, ich habe ja die Hälfte meiner Zeit im Fußball eingesetzt gehabt. Abgehen tut er mir nicht wirklich", gesteht Reichel. "Bedauerlich ist, dass es all die Jahre nicht gelungen ist, Linz im Fußball in die Position zu bringen, wo es hingehört."

In die Politik zieht es Reichel übrigens gar nicht. "Ich war in der Politik", sagt er lachend und ergänzt, "als Fußball-Präsident bist du in der Politik - das ist schwer genug."

Textquelle: © APA Zum Seitenanfang»
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