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"Dumm!" Corona-GAU für den Tennissport?

Vier positive Fälle bei Djokovic' Adria-Tour! Auswirkungen auf Thiem und sein Turnier:

Foto: © GEPA

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Die positiven Corona-Tests von zwei Spielern, einem Trainer und einem Fitnessbetreuer ist das vorläufige alarmierende Ergebnis der von Novak Djokovic veranstalteten Adria-Tour.

Was die Wiederbelebung des Tennissports auf internationaler Ebene werden sollte, ist eher zum Gegenteil verkommen. Beim Start der mit einem "Charity-Faktor" versehenen Tour in Belgrad, wo auch Dominic Thiem mit dabei war und als Turniersieger wieder heimreiste, wurden die Corona-Bestimmungen grob vernachlässigt. 

7.500 Fans strömten ins Stadion, vor Turnier-Beginn fand ein Fußballspiel der Tennis-Asse wie Djokovic, Thiem, Grigor Dimitrov oder Alexander Zverev statt. Wie viele Spieler hatte auch Thiem eine Party besucht und - einem Video zufolge - ohne Abstandregeln zu beachten mit nacktem Oberkörper getanzt. Hygienemaßnahmen hatte es auch im Stadion nicht gegeben, die Teilnehmer umarmten sich, die Zuschauer auf dem Platz saßen dicht gedrängt, Masken waren kaum zu sehen.

"Eine dumme Idee", findet etwa Tennis-Rüpel Nick Kyrgios. "Schnelle Genesung Jungs, aber das passiert, wenn man alle Protokolle missachtet. Das ist kein Witz!", schreibt der Australier auf Twitter. 

"Auf welchem Planeten lebt er eigentlich?", fragt Kiki Bertens in Richtung Djokovic. 

Djokovic wimmelt Kritiker ab

Djokovic wimmelte die Kritiker ab. Man habe sich an die Regeln und Maßnahmen, die von den Institutionen der Regierung und der öffentlichen Gesundheit festgelegt worden waren, gehalten.

Weiter ging die Tour vergangene Woche in Zadar, wo sich der Bulgare Dimitrov aus Gesundheitsgründen zurückzog und heim nach Monaco reiste. Nach seinem positivem Attest wurde das Endspiel in Zadar abgesagt.

"Ich möchte meine Fans und Freunde wissen lassen, dass ich nach der Rückkehr in Monaco positiv auf Covid-19 getestet worden bin", teilt Dimitrov unter einem Foto von sich mit Mund-Nasen-Schutz mit. "Ich möchte sicherstellen, dass das jeder weiß, der mit mir in den vergangenen Tagen in Kontakt war und sich testen lässt bzw. die notwendigen Vorkehrungen trifft."

Am Montag folgte das nächste Eingeständnis - auch der Kroaten Borna Coric gab einen positiven Test ab, er hatte u.a. gegen Dimitrov gespielt. "Ich wollte euch informieren, dass ich positiv auf Covid-19 getestet worden bin", schreibt der 23-Jährige auf Twitter. Er wolle, dass alle, die mit ihm in den vergangenen Tagen in Kontakt waren, einen Test machen. "Mir geht es gut, ich habe keine Symptome", teilt Coric mit.

Der regionale Zivilschutzstab in Zadar rief bereits am Sonntagabend alle, die mehr als zehn Minuten im engen Kontakt mit Dimitrov waren, dazu auf, sich für 14 Tage in Selbstisolierung zu begeben und Kontakt mit zuständigen Epidemiologen aufzunehmen, berichtet die Nachrichtenagentur Hina. Auf einer Pressekonferenz am Montag heißt es, dass jene, die keinen engen Kontakt mit den infizierten Spielern gehabt hätten, nicht in eine Quarantäne müssen. Das gelte auch für die Zuschauer auf den Tribünen.

Medienberichten zufolge könnten aber viele in Kontakt mit Dimitrov gekommen sein, denn während der fünf Tagen in Zadar nahm er zusammen mit anderen Spielern an mehreren Veranstaltungen teil, etwa einen Basketballspiel mit der Mannschaft des Klubs Zadar sowie einer Kinderveranstaltung, berichtet das Internetportal 24sata.hr.

Vier positive Tests bei Adria Tour

Die Turnierorganisatoren teilen mit, dass es in Zadar auch positive Tests von Marko Paniki, dem Fitnesstrainer von Djokovic, sowie Christian Groh, dem Trainer von Dimitrov, gegeben habe. Der Weltranglistenerste Djokovic soll mittlerweile einen Covid-19-Test gemacht hat, das Ergebnis ist nicht bekannt.

Alexander Zverev hat sich bei der Adria-Tour nach eigenen Angaben nicht mit dem Coronavirus infiziert. "Ich habe gerade die Nachricht erhalten, dass mein Team und ich negativ auf COVID-19 getestet wurden", teilt der Weltranglisten-Siebente am Montag in den sozialen Netzwerken mit. Der Deutsche kündigt als Vorsichtsmaßnahme regelmäßige weitere Tests an.

Er werde den Quarantäne-Ratschlägen der Ärzte folgen, teilt der 23-Jährige mit: "Ich entschuldige mich bei jedem, den ich potenziell einem Risiko ausgesetzt habe, weil ich diese Tour gespielt habe." Mitte Juli will Zverev bei zwei Kurz-Turnieren in Berlin mitmachen.

Thiems Tests negativ 

(Text wird unter dem Video fortgesetzt)

Der Weltranglistendritte Dominic Thiem war am Wochenende beim "Ultimate Tennis Showdown" in Biot bei Nizza engagiert, ein dort am Freitag durchgeführter Covid-19-Test fiel negativ aus. Ebenso wie jener am vergangenen Montag nach der Rückreise aus Belgrad.

"Dominic wurde heute unmittelbar nach seiner Rückkehr aus Nizza am Flughafen in Wien getestet. Der Test war negativ, wie auch schon zwei weitere Tests in den vergangenen acht Tagen", lässt Manager Herwig Straka wissen. 

Die Turnierplanung bleibt daher wie gehabt aufrecht, solange gesundheitlich alles in Ordnung ist. "Dominic wird daher plangemäß diese Woche die ProSerie in Österreich (LIVE bei LAOLA1) fertig spielen und am Wochenende wieder beim UTS in Nizza teilnehmen."

Die Auswirkungen für "THIEMs7"

Ab 7. Juli lädt Thiem zum "THIEMs7" nach Kitzbühel. Da wären eigentlich auch Dimitrov und Coric eingeladen gewesen. Trotz der Entwicklungen scheint laut Aussendung des Veranstalters hinter der Durchführung der Veranstaltung derzeit kein Fragezeichen zu stehen. Und auch die Tür für die beiden aktuell infizierten Spieler ist nicht zu.

Man stehe in engem Kontakt mit dem Management der beiden betroffenen Spieler. "Wenn Grigor Dimitrov und Borna Coric nach 14 Tagen Heimquarantäne ein negatives Testergebnis vorweisen können, spricht von unserer Seite nichts dagegen, dass die beiden Spieler in Kitzbühel aufschlagen können. In den nächsten Tagen werden die jeweiligen Managements über diese Option entscheiden", heißt es in der Stellungnahme.

Sollten Dimitrov und Coric nicht in Kitzbühel spielen können, würden die Plätze in Abstimmung mit Dominic und Wolfgang Thiem nachbesetzt werden. Ein Kitz-Teilnehmer hat sich mittlerweile übrigens in Selbstisolation begeben, der russische Zadar-Finalist Andrej Rublev befolgte den Ratschlag des Veranstalters. Mit dem Start von THIEMs7 würde die Quarantäne auslaufen.

Es sei den Veranstaltern "im Zuge des aktuellen Anlassfalls wichtig zu unterstreichen, dass die Sicherheitsmaßnahmen im Zuge der THIEMs7 umfassend und in strenger Abstimmung mit den zuständigen Behörden gehandhabt werden".

Das Konzept sieht vor, dass alle Spieler und Begleitpersonen unmittelbar nach ihrer Ankunft in Kitzbühel getestet werden. Das Präventionskonzept werde mit den zuständigen Behörden abgestimmt. Für die 500 zugelassenen Zuschauer würden strenge Auflagen gelten, es gäbe zugewiesene Sitzplätze, nach Ende der jeweiligen Session müssen die Fans das Stadion zügig verlassen.

Die Veranstalter des Tennis-Events in Berlin (ab 13. Juli), wo Thiem ebenfalls spielen soll, wollen vor einer möglichen Reaktion die weitere Entwicklung abwarten. Falls es notwendig sei, würde man sich nach neuen Teilnehmern umschauen, sagt ein Sprecher am Montag laut dpa.

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