Thiem: "Klo-Fehler" und Südstadt-"Vorteil"

 

Zwei Tage ist das French-Open-Finale gerade einmal her.

Zeit genug für Dominic Thiem, die Eindrücke der vergangenen zwei Wochen mit dem Halbfinalsieg gegen Novak Djokovic und die erneute Finalniederlage gegen den Nadal aufzuarbeiten und zu analysieren.

"Es waren sehr schöne, ereignisreiche Wochen, eine unglaubliche Erfahrung", zieht der Niederösterreicher Bilanz. Trotz des Verpassen seines ersten Major-Titels nimmt Thiem viel Positives aus Roland Garros mit.

Diese Lehren zieht Thiem aus den French Open 2019:

Auch wenn es für die Öffentlichkeit ob seiner Erfolge in der Vergangenheit vielleicht schon fast selbstverständlich ist, für Thiem selbst ist der Einzug in ein Grand-Slam-Finale nach wie vor etwas Besonderes. Dass er auf dem Weg dorthin mit Novak Djokovic unter anderem die Nummer eins der Welt ausgeschaltet hat macht es doppelt speziell.

„In einem Semifinale mit Nadal, Federer und Djokovic – den vielleicht drei besten Spielern aller Zeiten – zu sein, ist schon ein Wahnsinn“, sagt Thiem.

„Das Match gegen Djokovic war trotz der Finalniederlage danach wahrscheinlich mein größter Karriere-Erfolg. Ich habe die Nummer eins der Welt geschlagen und es war noch dazu mein erster Fünf-Satz-Sieg in Paris – das ist schon was ganz Besonderes“, erklärt der 25-Jährige.

Der Südstadt-Wind als gute Vorbereitung

Noch besonderer machen den Erfolg gegen Djokovic die Umstände, unter denen dieser zustande gekommen ist. Das Halbfinale zog sich über zwei Tage, war von widrigen Wetterverhältnissen samt Regen und heftigem Wind geprägt.

„Das war schon außergewöhnlich, schreckliche Bedingungen eigentlich. Ich habe noch nie bei solchen Bedingungen gespielt“, erklärt Thiem.

Verhältnisse, auf die man sich nur schwer vorbereiten kann. „Extra trainiert habe ich bei solchen Bedingungen nicht, aber der Wind in der Südstadt hat mir sicher geholfen. In Vösendorf und Maria Enzersdorf bläst der Wind immer ganz schön, also habe ich sicher schon einige Stunden bei Wind und Nieselregen gespielt“, meint der Niederösterreicher.

Nadal ist ein Ausnahme

Dass es im Finale dann wie im Vorjahr nicht für den Sieg gereicht hat, ist an einem fast unschlagbar wirkendem Rafael Nadal gelegen.

„Im Finale hat man gesehen, was für ein Ausnahme-Sportler Nadal ist. Ich muss ehrlich sagen: So gut wie er am Sonntag gespielt hat, hat er gegen mich noch nie gespielt“, muss Thiem eingestehen.

„Sobald er in Roland Garros spielt bzw. sobald er dort auf dem Center Court spielt kann er noch ein, zwei Gänge zulegen. Das Match in Barcelona war auch sehr gut, aber doch ein, zwei Klassen schlechter als in Paris. Ich glaube, dass das so zu erklären ist, dass er das Turnier einfach zwölf Mal gewonnen hat. Mit solchen Ergebnissen in der Vergangenheit kommt es dann halt zustande, dass er sein Level bei dem Turnier immer noch raufschraubt. Deshalb ist er dort so schwer zu schlagen“, analysiert Thiem nach seiner zweiten Final-Niederlage gegen Nadal in Paris.

Dass der „Sandplatzkönig“ seinen Thron in Roland Garros erneut verteidigt hat, ist für Thiem ein Ansporn. „Das Finale von letztem Jahr und diesem Jahr sind nicht zu vergleichen. Die ersten zwei Sätze waren wirklich auf Augenhöhe. Das ist ein riesiger Ansporn für mich, die Lücke zu ihm bis nächstes Jahr noch weiter zu schließen. Ich muss schaun, dass ich es bis nächstes Jahr schaffe, dass ich das Level noch länger halten kann. Ich freue mich jetzt schon auf Roland Garros 2020.“

Das muss Thiem noch verbessern

Was genau Thiem bis zu den French Open 2020 in seinem Spiel noch verbessern muss, hat er beim Sichten der Höhepunkte des Finales bereits ausgemacht.

„Viel besser als in den ersten zwei Sätzen im Finale kann ich nicht spielen. Aber es sind schon einige Sachen, die ich noch um einiges besser machen kann und die ich mir auch von Nadal abschauen kann“, sagt Thiem und führt aus:

„Es war für mich unglaublich zu sehen, wie er bei den Bällen nachgegangen ist. Er hat glaube ich auch keinen einzigen Volley verschlagen. Da hat er dann die Punkte entscheidend verkürzt. Ein kleiner, aber feiner Unterschied ist, dass er wirklich reinsteigt in den Platz und die Bälle früh nimmt und mir dann einfach komplett die Zeit nimmt. Das habe ich im Finale teilweise einfach zu wenig gemacht. Da ist sicher noch Verbesserungspotenzial vorhanden, das sehr entscheidend sein kann.

Nach dem Gewinn des zweiten Satzes habe er ebenfalls einen „kleinen Fehler“ gemacht, der das Pendel dann aber zugunsten von Nadal ausschlagen ließ.

„Ich war voll auf der Höhe, als ich den zweiten Satz gewonnen habe. Dann war die Toiletten-Pause und da fährt natürlich das ganze System natürlich ein bissl runter. Da bin ich dann irgendwie abgekühlt in den dritten Satz gestartet. Ich hätte vielleicht auch aufs Klo gehen sollen oder frische Sachen anziehen und dann in den 3. Satz starten. Ich bin am Platz geblieben, auch weil ich nicht auf die Toilette musste“, erklärt Thiem und fügt mit einem Schmunzeln an: „ Das war vielleicht ein kleiner Fehler.“

Textquelle: © LAOLA1.at

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