Die Schwierigkeit dahinter, die absolute Tennis-Elite nach Wien zu locken, ist laut Straka ein Produkt aus mehreren Faktoren:
"Persönliche Beziehungen spielen eine Rolle, aber natürlich auch das Geld. Außerdem ist es für die Spieler immer wichtiger, dass sie wissen, gut behandelt zu werden, auch im medizinischen Sinne. Sie wissen, was sie in Wien bekommen. Wir haben eine sehr gute Beziehung zu diesen Spielern und es freut mich jedes Mal wieder, wenn sie dann zusagen."
Mit Alexander Zverev hat man ein besonders gutes Verhältnis. Durch seinen US-Open-Titel und den Sieg bei den French Open sowie Sinners Erfolg in Wimbledon sind drei aktuelle Grand-Slam-Titel in Wien zu sehen.
"Es freut mich total für ihn. Offensichtlich ist jetzt der Knopf aufgegangen. Wenn es gut geht, könnte es sogar sein, dass man in Wien um die Nummer Eins spielt. Zwischen Sinner und Zverev kann es nämlich darum gehen, wer am Ende des Jahres die Weltrangliste anführen wird. Das wäre für das Turnier natürlich noch einmal gut", meint Straka.
Siegertipp möchte er keinen abgeben. Es gibt allerdings eine Reihe an Spielern, auf die man als Tennisfan ein besonderes Augenmerk legen sollte: "Learner Tien, den wir schon sehr früh 'gesigned' haben oder auch Jakob Mensik und Daniel Merida. Es sind viele Junge dabei. Das ist auch immer das Ziel, neue Gesichter zu bringen. Die sind definitiv 'Spieler-to-Watch'. Die werden uns noch viel Freude bereiten."
Davis Cup als Qualifikation für Wien?
Da es aktuell keine Österreicher an der Tennis-Weltspitze gibt, die sich über die Weltrangliste für die Erste Bank Open qualifizieren könnten, werden Wildcards herangezogen werden müssen, um Lokalmatadore in der Wiener Stadthalle zu sehen.
Das bevorstehende Davis-Cup-Duell Österreich gegen Belgien könnte für den einen oder anderen Spieler als Plattform dienen, um sich für eine Wildcard zu empfehlen.
"Es bietet sich der Davis Cup an, wenn man zeigen kann, wie man vor Heimpublikum spielt. Juri Rodionov hat sicherlich die besten Chancen zurzeit, er ist im Ranking am weitesten vorne, nachdem Sebastian Ofner in dieser Saison nicht mehr spielt. Wenn sich der eine oder andere noch ins Rampenlicht spielt beim Davis Cup, dann werden wir das sicherlich auch berücksichtigen", hält Straka fest.
"Es ist für den Fan gar nicht mehr so wichtig, wer jetzt dann wirklich spielt."
Dass es aktuell kein ÖTV-Ass bei den Männern gibt, das in der absoluten Weltspitze spielt, ist für Straka Fluch und Segen: "Ein Fluch natürlich, weil viele Turniere von den heimischen Spielern leben. Roger Federer früher in Basel oder auch Carlos Alcaraz in Barcelona und Madrid, das ist für ein Heimturnier Gold wert."
"Gleichzeitig bist du als Veranstalter mehr gefordert, wenn du das nicht hast. Es ist noch mehr zu tun, noch ein bisschen weiter zu denken, und das ist der Segen. Das tun wir seit vielen Jahren. Deswegen bieten wir als Produkt, als 'Erste-Bank-Open-Tenniserleben', noch mehr als viele andere Turniere. Daher ist es dann für den Fan gar nicht mehr so wichtig, wer jetzt dann wirklich spielt."
Angebot in der Marx-Halle wird erweitert
Nachdem es vergangenes Jahr zur Premiere kam, wird heuer erneut die Marx-Halle als zweiter Austragungsort genutzt. Der Wechsel vom Heumarkt in den dritten Wiener Gemeindebezirk hat durchwegs positives Feedback mit sich gebracht und bei den Zusehern voll eingeschlagen, ebenso bei den Protagonisten.
"Es gab sogar viele Spieler, die lieber in die Marx-Halle gegangen sind, weil sie dort mehr Ruhe hatten und auch das Umfeld dort angenehmer war", so Straka.
Besonders attraktiv für die Fans ist es, den Profis im Training zuzusehen. Im Vergleich zum Vorjahr wird sogar ein weiterer Trainingsplatz hinzugefügt. "Auch bei den Fans hat das sehr eingeschlagen, weil man hautnah an die trainierenden Sinner und Zverev herankommt. Das werden sie diesmal definitiv wieder machen."
"Zusätzlich werden wir dort viele gesetzte Spieler in den Matches sehen. Das lässt sich bei diesem starken Spielerfeld einfach nicht vermeiden. Es wird viele Möglichkeiten geben, Tennis live zu erleben. Das können wir in der Stadthalle einfach mangels Platzes nicht mehr umsetzen", erklärt der Turnierdirektor.
Wann kommt der Umzug?
Das gesamte Projekt Erste Bank Open gelangt immer mehr an seine Kapazitätsgrenzen. Das Turnier wächst immer weiter, die Wiener Stadthalle allerdings nicht.
"Wir haben natürlich ein Limit. Wir sind die letzten Jahre immer ausverkauft gewesen. Natürlich wünschen wir uns irgendwann mal eine Erweiterung, eine größere Halle", fordert Straka.
Diese sollte eigentlich die neue geplante Eventhalle in Neu Marx sein. Ursprünglich hätte diese bereits 2024 eröffnet werden sollen, aktuell ist frühestens 2030 in Aussicht gestellt worden. Ob dieser Zeitplan realisierbar ist, ist jedoch äußerst ungewiss. Bis heute wurde mit dem Bau noch nicht begonnen.
Im Rahmen der Pressekonferenz im Vorfeld der Erste Bank Open spricht Wiens Sportstadtrat Peter Hacker Klartext: "Wir haben das bekanntermaßen ausgeschrieben. Offensichtlich gibt es für den Gewinner des Wettbewerbs Schwierigkeiten, das Ding zu realisieren, sonst würden wir schon in eine Baugrube schauen."
"Es hilft ja nix. Das ist denen völlig wurscht!"
Er zeigt sich enttäuscht von den Entwicklungen und zeichnet ein ernüchterndes Bild für alle, die sich eine neue Arena in naher Zukunft erhofft haben: "Es ist auch etwas erstaunlich, dass man einen internationalen Wettbewerb macht. Es ist ernüchternd, wenn man draufkommt, dass man nicht das kriegt, was man kaufen möchte."
Auf Nachfrage, ob es hier keinen Druck vonseiten der Stadt gibt, meint Hacker frustriert: "Es hilft ja nix. Das ist denen völlig wurscht. Ich weiß es nicht, aber ganz offensichtlich gibt es Probleme. Daher bin ich nicht zuversichtlich, dass wir das Projekt in nächster Zeit realisiert sehen werden, ansonsten müssten da schon Aktivitäten stattfinden."
Wie es in der Causa um die neue Eventhalle weitergeht, ist ungewiss und bleibt abzuwarten. Bis dahin werden die Stars der Tenniswelt wie gewohnt in der Wiener Stadthalle und der alten Marx-Halle aufschlagen und Fans aus ganz Österreich begeistern. Die Turnierwoche beginnt mit der Qualifikation am 24. und 25. Oktober. Das große Finale findet am 1. November statt.