Murray nach Raonic-Aufgabe erstmals Nummer 1

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Andy Murray wird am Montag als erster Brite überhaupt die Führung in der Tennis-Weltrangliste übernehmen!

Um diesen historischen Erfolg zu fixieren, muss der Schotte allerdings keinen einzigen Ball schlagen. Sein beim ATP-1000-Turnier in Paris-Bercy eingeplanter Halbfinal-Gegner Milos Raonic (CAN) gibt nämlich schon vor Beginn w.o.

Im Endspiel trifft Murray nun auf den US-Amerikaner John Isner, der Marin Cilic, der zuvor den bisherigen ATP-Leader Novak Djokovic eliminierte, mit 6:4, 6:3 besiegt.

Raonic ist wegen seiner Verletzung im rechten Oberschenkel nun auch für die ATP-Finals in London fraglich.

Murray ist der 26. Spieler als Nummer eins

Andy Murray übernimmt am Montag als 26. Spieler der Geschichte die ATP-Weltrangliste. Rafael Nadal hatte drei Jahre hinter Roger Federer anstehen müssen, ehe er im Sommer 2008 erstmals die Spitze erklomm.

Ganz so lange musste Andy Murray nicht warten, doch auch er musste sich - mit Unterbrechungen - 76 Wochen als Nummer 2 gedulden, ehe er auf dem Thron Platz nehmen darf.

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"Die Nummer 1 der Welt zu werden hat nichts mit dem Heute zu tun, sondern spiegelt die Turniere der vergangenen zwölf Monate wider", sagte Murray. "Die vergangenen paar Monate waren die besten meiner Karriere und ich bin sehr stolz, es zur Nummer 1 geschafft zu haben. Es war seit ein paar Jahren ein Ziel von mir", erklärte der Schotte in einer Aussendung der ATP.

Mit 29 Jahren, fünf Monaten und 23 Tagen wird der in Dunblane geborene Murray zum zweitältesten Spieler nach John Newcombe (30 Jahre und 11 Tage) beim Debüt auf dem Tennis-Thron. Murray hatte mit dem Sieg in Wien seinen bereits siebenten Titel in diesem Jahr gewonnen, am Sonntag steht ihm nur noch John Isner im Weg zum achten Siegerscheck.

Logischer Wechsel an der Spitze

Nachdem Murray Anfang Juni das Endspiel der French Open gegen Djokovic verloren hatte, schien der Serbe seinen Platz auf dem Thron für lange Zeit gesichert zu haben. Der Überflieger hatte damit vier Grand-Slam-Turniere in Folge gewonnen, etwas, das seit Rod Laver 1969 keinem Tennisspieler gelungen war. Nur fünf Monate später ist alles anders.

Der Wechsel ist auf der einen Seite überraschend, auf der anderen logisch. Mit je zwei Wimbledon- und Olympiasiegen sowie dem Triumph bei den US Open 2012 war Murray der beste Spieler, der nie die Nummer 1 war. Dass es so lange dauerte, bis er auf den Tennis-Thron kam, hängt mit der fast übermächtigen Konkurrenz zusammen.


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Seit er im August 2009 erstmals auf Platz 2 der Weltrangliste vorgestoßen war, verbrachte der Brite insgesamt 76 Wochen auf dieser Position - erst hinter Roger Federer, dann hinter Djokovic. In den vergangenen zwölf Monaten war er aber der Beste und Konstanteste - vor allem, seit er sich nach Roland Garros wieder mit Ivan Lendl als Coach zusammengetan hat.

In den fünf Monaten mit Lendl gewann Murray sechs von acht Turnieren, einzig in Flushing Meadows scheiterte er vor dem Finale (im Viertelfinale in fünf Sätzen an Kei Nishikori). Djokovic hingegen sicherte sich in der selben Zeitspanne nur noch eine Trophäe, in Toronto, als Murray in der Woche vor den Olympischen Spielen in Rio pausierte. Hätte er für die Olympia-Goldmedaille wie vor vier Jahren ATP-Punkte bekommen, wäre er bereits am Freitag nach Djokovics Niederlage gegen Marin Cilic als Nummer 1 festgestanden.

Wieder kein Halbfinal-Gegner für Murray

Lange musste er am Samstag aber nicht zittern. Halbfinal-Gegner Milos Raonic konnte verletzungsbedingt nicht antreten. Im Finale gegen John Isner (ATP 27), der Marin Cilic bezwang, kann Murray nun relativ locker antreten. Eine kuriose Duplizität der Ereignisse, denn auch vor einer Woche in Wien hatte Murray einen spielfreien Samstag erhalten, weil sein Halbfinal-Gegner beim Erste Bank Open, David Ferrer, wegen einer Verletzung nicht antreten konnte.

Murray hat sich den Sprung an die Spitze mehr als verdient. Jahrelang rannte der unermüdliche Kämpfer fast aussichtslos gegen die Big 3 - Federer, Nadal und Djokovic - an und verlor seine ersten vier Grand-Slam-Finali.

Der Druck in Großbritannien, das nach den glorreichen Zeiten Fred Perrys in den 1930er-Jahren wieder nach einem einheimischen Tennischampion lechzte, war immens. Nach einer Rückenoperation fiel Murray 2014 kurzzeitig sogar aus den Top Ten, kämpfte sich aber wieder zurück. Er hat in dieser Ära der Giganten 42 ATP-Turniere gewonnen, darunter 13 bei Masters-1000-Events. Und wenn sich Djokovic weiterhin schwertut, seine Motivation wieder zu finden, könnte Murray durchaus einige Zeit auf dem Thron bleiben.

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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