Thiem soll "noch tougher" werden

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Bresnik: "Viel besser kann es nicht laufen"

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Dominic Thiem hat die nächste Feuerprobe auf der ATP-Tour mit Bravour bestanden. Sein vierter ATP-Turniersieg vergangene Woche in Buenos Aires war auf jeden Fall der spektakulärste.

Davon zeugt allein je ein abgewehrter Matchball gegen Gastao Elias (POR) und im Halbfinale beim Sensationssieg über Rafael Nadal. Der Titel gegen einen starken Nicolas Almagro im Finale war das i-Tüpfelchen.

Für seinen Coach Günter Bresnik, der in Südamerika von Touring-Coach Joakim Nyström vertreten wird, hat sich die Variante, seinen Schützling nach Australien auf Südamerika-Tour zu schicken, ausgezahlt.

"Für mich ist es wichtig, weil ich möchte, dass er auf Sand noch tougher wird. So gesehen war das optimal, weil er hat dort vier Drei-Satz-Partien gespielt, er hat zweimal Matchbälle abgewehrt, er hat einen Top-Ten-Spieler geschlagen, er hat das Turnier gewonnen - also viel besser kann es gar nicht laufen", erklärte Bresnik am Montag im Gespräch mit der APA.

"Spielstil noch nicht entwickelt"

Thiem habe, ohne sein im Training gezeigtes Top-Potenzial abzurufen, das Turnier gewonnen. "Gegen Nadal und gegen Almagro hat er phasenweise auch für meinen Geschmack sehr gut gespielt", gab der immer sehr kritische Coach zu.

Noch spiele der 22-Jährige nicht durchgehend dieses Niveau. "Er hat noch immer nicht seinen Spielstil entwickelt, dass man sagt, dass ist der Herr Thiem." Doch das Service funktioniert für Bresnik über weite Strecken sehr gut. Man hat bei Thiem Tempo rausgenommen, und durch mehr Schnitt und genauere Platzierung ersetzt.

"Ein Sieg gegen Nadal auf Sand - das haben nicht viele geschaff."

Günter Bresnik

"Hat in den richtigen Momenten das Richtige gemacht"

Aufgefallen ist neu auch der teilweise extreme Vorhand-Winkelschlag nach außen. "Das hat er intensiv seit drei Monaten geübt. Das ist ganz wichtig - diese Herumschießerei geht mir auf die Nerven. So bringt man sich in eine sehr gute Position und er spielt es nicht stereotyp runter."

Bresniks Ziel ist es freilich, dass sein Schützling so gut wie möglich wird. "Wenn jemand diese Möglichkeiten und auch das Hirn und das Spielverständnis hat, dann sollte man ihm möglichst viele Werkzeuge in die Hand geben."

Eines dieser Werkzeuge ist eine herausragende Rückhand entlang der Linie - ein echtes Gütezeichen auf der Tour. Besonders wichtig war freilich auch, dass Thiem nach dem Riesenerfolg in fast drei Stunden über Nadal nicht durchgeatmet hat. "Das ist eine Superleistung. Dominic war gestern (Sonntag, Anm.) auch müde, hat sicherlich im zweiten Satz einen Durchhänger gehabt, aber er hat in den richtigen Momenten das Richtige gemacht."

Bedeutet Sieg über Nadal mehr als Titel?

Der Erfolg über einen Nadal auf dessen Lieblingsbelag überstrahlt freilich alles. "Ein Sieg gegen Nadal auf Sand - das haben nicht viele geschafft und wenn dann früh und nicht in einem Semifinale. Ich glaube, dass ihm der Sieg über Nadal mehr bedeutet als der Turniersieg", weiß Bresnik über Thiem. "Aber in der Kombination ist es natürlich optimal, weil es auch zeigt, dass er nicht auslässt nach so einer Partie."

Ein Umstand, der auch Thiem noch in Buenos Aires klar war. "Natürlich ist es immer schwer, wenn man einen Top-Spieler geschlagen hat. Nach dem Sieg über Wawrinka (2014 Madrid/Anm.) bin ich krank geworden und musste das nächste Match absagen. Aber ich bin auch älter geworden und wenn du ein Semifinale gewinnst, auch wenn es gegen Nadal ist, dann will man auch das Finale gewinnen", erklärte Thiem nach seinem vierten Titel.

Noch nicht auf Top-Ten-Niveau

Bresnik sieht seinen Schützling trotz des klaren Aufwärtstrends in diesem Jahr noch nicht auf Top-Ten-Niveau. "Das Niveau hat er sicher noch nicht ganz. Die Top Ten sind eine logische Folge, wenn er besser wird - momentan geht es in die richtige Richtung."

Das Wichtigste für Bresnik sind die Matches gegen die Topstars. "Das ist so wichtig für seine Entwicklung. Auch wenn er gegen Nadal verliert, wäre es eine wertvolle Erfahrung gewesen - so ist sie halt dreimal wertvoller."

Darum hofft Bresnik, dass Thiem auch in Rio de Janeiro zwei Runden übersteht, und vielleicht ein Viertelfinale mit David Ferrer bekommt.

Vorstellungen über Preisgeld "komplett falsch"

Ein Anliegen ist Bresnik auch die Tatsache, dass das Preisgeld bei solchen Turnieren nur oberflächlich betrachtet viel ist. "Wenn der Dominic bei so einem Turnier nicht ins Semifinale kommt, macht er ein Minus. Das verstehen die Leute nicht", erklärte Bresnik.

Thiem müsse ja die Flüge von Touring-Coach Nyström und Physio Alex Stober ebenso bezahlen wie Essen oder drei Hotelzimmer. Man müsse sich nur ausrechnen, was die Flüge Wien-Buenos Aires-Rio-Acapulco-Wien alleine kosten und dies mal drei. Zudem müsse Thiem sein Preisgeld gleich vor Ort versteuern, dann kommen die Kosten weg und dann weitere Steuer in Österreich zahlen.

Dennoch gehe es Thiem natürlich nicht schlecht. "Letztes Jahr und auch heuer bleibt ihm etwas über, aber die Vorstellungen sind komplett falsch", stellt Bresnik klar. Macht Thiem aber die von ihm so erhofften nächsten Schritte und schlägt auch bei den Großturnieren zu, werden diese Rechnungen nur Nebensache sein.

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