Lukas Weißhaidinger und das "Olympia-Keks"

Lukas Weißhaidinger und das Foto: © GEPA
 

Ins Wanken gebracht haben Koloss Lukas Weißhaidinger höchstens die Fragen.

Nach der historischen Bedeutung dieser Medaille für die heimische Leichtathletik, nach der persönlichen für ihn. Bronze in Tokio im Diskuswurf, einer Disziplin die schon Teil der antiken Olympischen Spiele war, steht am Ende eines Weges, den der Oberösterreicher und sein Trainer Gregor Högler mit u.a. der Technikumstellung 2017 eingeschlagen hatten. Es folgten drei Bronzemedaillen in Folge.

Weißhaidingers Warten auf den "Keks"

Auf die Bronzemedaille musste Weißhaidinger dann warten - die Siegerehrung fand erst am Sonntagmorgen statt. "Die Viertelstunde, die wir unten warten mussten, hat sich wie eine Stunde angefühlt. Weil ich endlich den "Keks" um den Hals haben wollte", so der 29-Jährige über die Momente der Ehrung.

Die wurde durch ÖOC-Präsident Karl Stoss vorgenommen, der seinem Landsmann die Bronzene umhängen durfte.

Auf sich fokussiert

Wenn er den Wettkampf selber aufzeichnen hätte müssen, wäre er komplett anders verlaufen, sagte Weißhaidinger im Online-Mediengespräch, das erst nach halb-zwei Uhr Tokio-Zeit endete. "Aber hintennach fragt ja keiner mehr. Es ist die Medaille, die zählt."

Keinen einzigen Diskus eines Konkurrenten sah er an diesem Abend im Olympiastadion fliegen, auch nicht, als der Australier Matthew Denny noch bis auf fünf Zentimeter an ihn herankam. "Ich wollte mich auf mich fokussieren. Ich hatte die ganze Zeit nicht hingeschaut, wollte es jetzt auch nicht."

Dem Ziel "extrem viel untergeordnet"

Vom Technischen, vom Flug her seien die Würfe nicht superschön gewesen, aber von der Aggressivität her ab dem zweiten genau das, was er sich vorgestellt hatte.

"Ich wusste, ich kann locker noch eineinhalb Meter draufhauen. Aber locker heißt bei Olympia nicht viel. Die Olympiamedaille ist ein wunderschönes Gefühl, auf das habe ich mein Leben lang hingearbeitet, dem ich extrem viel untergeordnet habe. Ich bin froh, dass ich den Druck standhalten konnte. Es war eine Extremsituation."

Zurück ins Privatleben

Ein "wunderschönes Telefonat" mit seiner Freundin Hannah habe er bereits geführt. Nach eineinhalb Jahren wegen Corona in einer selbst auferlegten "Bubble" sei es nun Zeit für ein bisschen Privatleben, körperlich und mental sei er ganz schön leer.

Das Kennenlernen vor neun Jahren und die Unterstützung seitdem durch die Lebensgefährtin zählte er als einen wichtigen Eckpfeiler für den Erfolg.

Weiters sein Umzug aus Oberösterreich nach Wien mit neuer Trainingsstätte Südstadt und dass ihn Högler an die Weltspitze herangeführt habe; zudem die Umstellung der Technik.

Alles aufsaugen

Er wolle in dieser aufregenden Zeit alles aufsaugen. "Irgendwann ist das vorbei. Schön, dass ich es jetzt erleben darf. Man hat gesehen, wie knapp Sieg und Niederlage zusammenliegen. So ein Tag wiederholt sich nicht. Es ist ganz wichtig, ihn mit dem Team Revue passieren zu lassen, das gehört aufgearbeitet."

In dem Moment, als es wahr wurde und er auf einem roten Sockel mit abgewandtem Gesicht zum Wurffeld saß, habe er alles und nichts gedacht. "Ich war geflasht."

Medaillenserie und historischer Erfolg

Ihn mache alles extrem stolz - die historische erste Medaille für einen männlichen Leichtathleten aus Österreich bei Olympia, die drei Medaillen, jeweils Bronze, bei nun drei Großereignissen en suite mit EM 2018 Berlin, WM 2019 Doha und nun Olympia.

Das hat sonst nur der neue schwedische Olympiasieger Daniel Stahl geschafft, der in Katar Weltmeister wurde und in Deutschland Vize-Europameister. "Wenn ich denke, dass ich Sensationelles geschafft habe, fällt mir immer die harte Arbeit ein, die sich ausgezahlt hat."

"Habe nicht immer Glück gehabt"

Beim Blick zurück kam Weißhaidinger aber auch in den Sinn, dass er sich ein paar Wochen vor Olympia in Rio de Janeiro 2016 den Mittelfußknochen gebrochen hatte oder dass ihn bei der WM 2017 in London ein Magendarmvirus aus der Bahn warf.

"Ich habe nicht immer Glück gehabt. Aber heute war es auf meiner Seite. Wir haben immer gesagt, dass das irgendwann einmal zurückkommen wird. Man sieht, wie knapp das zusammenliegt. Aber das macht die Faszination des Sports aus."

Das sei auch die ganz große Herausforderung bei der Verschiebung der Spiele um ein Jahr gewesen. "Verletzungsfrei zu bleiben."

Textquelle: © LAOLA1/APA Zum Seitenanfang »

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