Lauda lag in Rio unterm Messer

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Auch Niki Lauda ließ sich in Botafogo liften

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Unweit unserer Unterkunft in der Bucht von Botafogo am Fuße des Zuckerhuts liegt in einem Park am angrenzenden Hügel die "Clinica Ivo Pitanguy". Das ist nicht irgendein Spital, Krankenhaus oder Sanatorium, sondern ist und war die Zentrale des wohl berühmtesten Schönheits-Chirurgen der Welt.

Ivo Pitanguy hat am Vortag der Eröffnungsfeier noch die Olympische Fakel getragen. Mit einem Rollstuhl wurde der Guru - das Feuer in der Hand und von zwei Begleitern geführt - durch die Straßen von Rio geschoben. Die Leute winkten dem greisen Mediziner frenetisch zu. Einen Tag nach der Eröffnung ist der 93-Jährige verstorben.

Seither pilgern noch mehr Menschen in jenen malerischen Park in Botafogo, wo eine alte Villa steht, in der sich mehrere Operationssäle und Suiten befinden. Hier kann - wer über das notwendige Kleingeld verfügt und Lust danach hat - praktisch jeden Körperteil umbauen lassen. Diskret und teuer. Abertausende Nasen, Ohren oder Brüste hat der Großmeister einst neu gestaltet, Fett abgesaugt, Tränensäcke entfernt sowie Narben und Falten verschwinden lassen.

"Was Pele für den Fußball, war Ivo Pitanguy für den brasilianischen Körper", schrieb die deutsche Frankfurter Allgemeine Zeitung als Nachruf auf den "Michelangelo des Skalpells".

Viele seiner Patienten sind wie er Legende. Schauspieler, Models, Rockstars und Sportgrößen. Beim Gottvater der Menschenbildner sollen unter anderem Brigitte Bardot, Sophia Loren, Gina Lollobrigida, oder auch Keith Richards und Ron Wood von den Rolling Stones auf dem OP-Tisch gelegen haben. Zu Namen äußerte sich der Chirurg der Schönen und Reichen nie.

Verbrieft hingegen ist, dass Ivo Pitanguy bei Niki Lauda Hand angelegt hat. Der dreimalige Formel-1-Weltmeister dankt es dem Brasilianer, dass er nach dessen Feuerunfall auf dem Nürburgring vor nunmehr 40 Jahren einst seinen Kopf restauriert hat. Wie eine zerstörte Büste. Lauda war von Pitanguys Können begeistert und besuchte den Arzt auch mehrmals auf dessen Trauminsel südlich von Rio.

Lauda ging mit Pitanguy tauchen und fliegen und genoss die Ruhe und Schönheit der "Ilha dos Porcos Grandes". Auch Helmut Berger oder Tom Cruise kamen - um nur zwei Promis zu nennen - Jahre später auf Besuch. Die "Insel der großen Schweine" gehörte dem Multimillionär, der per Privat-Flugzeug, -Helikopter oder -Luxus-Yacht zu reisen pflegte.

Zahlreiche Operations-Techniken tragen seinen Namen. No na, Ivo Pitanguy gilt schließlich als Erfinder der Schönheits-Chirurgie. Der kleine Mann mit seinen kräftigen Händen und ungewöhnlich kurzen Fingern operierte Zeit seines Lebens aber nicht nur Promis und Millionäre. In Pitanguys Imperium (ca. 40 Spitäler und Villen) gibt es auch die volkstümliche Variante. Dort legen sich auch diejenigen unters Messer, die es sich kaum leisten können und zur großen Masse der unbekannten Kunden gehören.

Sich den Busen oder Hintern künstlich formen zu lassen, ist in Brasilien so üblich, wie in Österreich nach einer Dauerwelle oder Zahnfüllung zu fragen. Quer durch die Gesellschaft lassen sich weltweit nirgendwo so viele Menschen liften und restaurieren wie in Brasilien.

Das Leid eines Patienten lasse sich nicht an einer Missbildung oder an einer Verletzung messen, sagte Pitanguy vor Jahren in einem Interview. Es gehe darum, welches Leid eine Äußerlichkeit auslöse. Und Leid könne eben auch durch eine zu große Nase oder das Altern verursacht werden. "Im Grunde ist Schönheit für uns Wohlbefinden", erklärt der Pionier, der über 800 Schönheits-Chirurgen in 40 Ländern der Welt ausgebildet hat.

Deshalb hat sich Ivo Pitanguy mit seiner Kunst nicht nur eine goldene Nase, sondern posthum auch die Gold-Medaille der plastischen Chirurgie verdient.

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang»
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