Diese Leute sind mir sch***egal

Aufmacherbild Foto: © GEPA
 

"Diese Leute sind mir sch***egal"

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Amer Hrustanovic sitzt am Boden der Mixed-Zone der Carioca Arena 2.

Eine Schramme über dem rechten Auge. Die Blutgefäße sind unter seinen Schultern deutlich hervorgetreten. Ein Zeichen, wie sehr er sich verausgabt hat. Österreichs Aushängeschild im Ringen ist soeben im Viertelfinale des Olympischen Turniers bis 85 kg im griechisch römischen Stil ausgeschieden.

Nach einem Freilos und einem 4:3 über Rami Antero Hietaniemi (FIN) muss sich der Walser im Viertelfinale Jawid Hamsatau (BLR) mit 0:9 geschlagen geben.

Obwohl die Ringer wie andere Sommersportarten auch praktisch nur bei Olympia die Chance bekommen, weiter in den medialen Mittelpunkt zu rücken, überlegt Hrustanovic dennoch laut, Gespräche mit den Medienvertetern zu verweigern.

Grund ist die in Österreich aufkommende Meinung von ÖOC-Sportlern als "Olympia-Touristen". Jüngst propagiert durch einen Artikel der Zeitung "Österreich", über den sich bereits Tischtennis-Spieler Daniel Habesohn schockiert zeigte. Laut diesem hätte bei den Sportlern das Essen im Österreich-Haus und das Sightseeing mehr Priorität als der Wettkampf. Untertitel des autorenlosen Artikels: "Nach einem schnellen Out kann man Rio bei Nacht genießen."

Hrustanovic stößt das gezeichnete Bild mächtig sauer auf.

"Es geht mir am Arsch vorbei, was die anderen denken. Wenn irgendjemand denkt, dass er es besser kann, dann kann er sich gerne selbst in der Qualifikation versuchen", sprudelt es aus dem 28-Jährigen heraus.

Hrustanovic gibt zu verstehen, dass viele nicht wissen, wie weit und mit welchen Entbehrungen verbunden der Weg bis zu den Spielen überhaupt ist. Er selbst nimmt für jeden Wettkampf beispielsweise über acht Kilo ab und ging in der Vorbereitung durch die Hölle.

"Aber wenn es nach den Leuten geht, sind wir ja sowieso nur Touristen. Also sind mir diese Leute auch scheißegal." Viele würden fälschlicherweise glauben, dass man durch eine Olympia-Auslosung nur durchmarschieren brauche.

Die Luft reichte

Hrustanovic wirkt jedoch nicht nur - auf gut österreichisch - angezipft, sondern auch abgekämpft.

Der Sieg gegen Hietaniemi hatte schon ordentlich Substanz gekostet. Der 4:0-Vorsprung drohte in den Schluss-Sekunden sogar noch zu schmelzen. "Der Finne ist ein ziemlicher Brecher", spielt Hrustanovic auf die physische Stärke seines Gegenübers an.

Dass der Österreicher hinten raus leichte konditionelle Schwerigkeiten erkennen ließ, wollte er gar nicht in Abrede stellen. "Durch das Gewichtmachen (Abnehmen; Anm.) ist der erste Kampf eigentlich immer schlecht. Ich habe den Vorsprung aber letztlich gut über die Zeit gebracht", ist er nicht unzufrieden.

Auf Gewalt folgt Gefühl

Dass es gegen Hamsatau noch einmal um einen Zacken schwerer werden würde, war Hrustanovic bewusst. Vom Typ sei dies ein "Gefühlsringer". Im Gegensatz zu Hietaniemi, den er als "Gewaltringer" einstufte.

Der Weißrusse ging rasch in Führung. "Egal wie stark du bist, er kontert dich aus oder macht seine Punkte eben durch sein Gespür", kannte ihn Hrustanovic bislang nur aus Trainingsduellen.

Auch mit einer längeren Vorbereitung hätte es seiner Einschätzung nach wohl kaum für einen Sieg gegen Hamsatau gereicht. Hrustanovic hatte nach zunächst verpasster Quali nämlich erst vor einem Monat einen von Brasilien zurückgegebenen Startplatz zugesprochen bekommen.

Ebenfalls knapp vor den Spielen hatte er sich zu einem Weitermachen bis Tokio 2020 entschieden. Dann möchte er noch einmal am Start sein.

Und das bestimmt nicht wegen der Sehenswürdigkeiten Tokios.

 

Aus Rio berichtet Reinhold Pühringer



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