Die rot-weiß-rote Überraschung

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Die rot-weiß-rote Überraschung dieser Spiele

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Lukas Weißhaidinger grinste von einem Ohr zum anderen.

Und er hatte allen Grund dazu.

Sein sechster Platz mit 64,95 Metern im Diskus-Werfen ist aus österreichischer Sicht bislang DIE positive Überraschung der Sommerspiele in Rio. 

"Ich hatte mich schon so über das Finale gefreut, aber dass ich Sechster werde, ist Wahnsinn!", schüttelte der 24-Jährige unglaubwürdig den Kopf.

Dabei lief der Start in die wichtigste Wurf-Session seiner Karriere nicht gerade reibungslos. Bis ein Weckruf von außen kam...

Zweimal auf den letzten Drücker

Zwar war Weißhaidinger mit 62,14 Metern mit einem durchaus passablen ersten Versuch in die Entscheidung der besten Zwölf gestartet, allerdings vermochte er infolge nicht so recht zuzusetzen. "Ich hab schwer in den Wettkampf reingefunden", spricht der Taufkirchner von einem kleinen Spannungsabfall nach der geschafften Quali.

Rückblende: Am Vortag hatte Weißhaidinger bei feuchten Bedingungen mit einer Saisonbestleistung von 65,86 Metern und Rang zwei die Weltelite buchstäblich kalt erwischt. Eine kleine Sensation. "Ich war so auf die Quali und das Ziel, das Finale zu erreichen, fokussiert, dass ich nach dem Weiterkommen etwas an Spannung eingebüßt habe", gesteht er ehrlich.

Nichtsdestoweniger gelang Weißhaidinger, der sich vor drei Jahren auf den Diskus spezialisierte, dank der im zweiten Versuch geschleuderten 62,44 Meter um gerade einmal 22 Zentimeter der Einzug in das Super-Finale der Top-Acht. Damit verlängerte sich das Abenteuer Olympia für ihn um drei weitere Versuche. "Da war ein wenig Glück dabei, dass ich da noch reinrutsche", pustete er durch.

Trainer Gregor Högler waren die Schwierigkeiten nicht entgangen. Weißhaidinger: "Er hat dann zu mir gesagt: 'Herst Luki, Olympische Spiele sind nur alle vier Jahre. Entweder du zahst jetzt an, oder du lasst es bleiben.'"


Der Weckruf des Coaches verfehlte seine Wirkung nicht. "Lucky Luki" nahm sein Herz in die Hand und schob sich auf den letzten Drücker mit 64,95 Metern noch auf Rang sechs vor. Die beste österreichische Olympia-Platzierung in dieser Disziplin seit 104 Jahren, dem fünften Platz von Hannes Tronner in Stockholm. Damals noch mit 41,24 Metern.

Und am Ende siegt ein Harting

Sein Hadern vom Vortag, dass er sich seine Quali-Weite am liebsten für das Finale aufgehoben hätte - sie hätte Rang fünf bedeutet - hat Weißhaidinger im Moment der Freude längst vergessen. "Das gestern war nur eine Momentaufnahme. Und wenn mir da jemand gesagt hätte, dass ich Olympia-Sechster werde - das hätte ich sofort genommen."

Der 139-kg-Koloss staunte über den facettenreichen Wettkampf, dessen Finale alles hatte, was dieser Sport zu bieten hat. Und das neuerlich einen Harting als Sieger sah.

Nach dem überraschenden Scheitern vom angeschlagenen London-Sieger Robert Harting (Hexenschuss) in der Quali, schnappte dessen kleiner Bruder Christoph mit 68,37 Metern dem Langzeitführenden Polen Piotr Malachowski (87,55) im letzten Versuch noch Gold vor der Nase weg. Bronze ging mit Daniel Jasinski (87,05) ebenfalls an Deutschland. Athleten, die aufgrund ihrer über die Saison gesehenen Leistungen über Weißhaidinger zu stellen sind. Noch.

Denn mit 24 Jahren war der Junioren-Europameister von 2011 der Jüngste im Feld der besten Zwölf. Ein Fakt, den Weißhaidinger zwar "sehr schön" findet, ihm aber keine große Bedeutung beimisst. "Mit Blick Richtung Tokio ist das unwichtig, schließlich gibt es in jedem Jahrgang starke Werfer."

Richtig investiert

Dabei hätte gar nicht viel gefehlt und Weißhaidinger hätte die Sommerspiele nur vor dem TV-Schirm verfolgt. Ende Juni brach er sich in Madrid bei seinem ersten Gewinn eines IAAF World Challenge Meetings den fünften Mittelfußknochen.

"Ich konnte drei Wochen nicht werfen, ging auf Krücken", schildert der Riese, aus dessen Worte Dankbarkeit spricht. "Ohne mein Ärzte-Team rund um Sigrun Schönfelder würde ich heute hier nicht stehen. Sie hat mich rechtzeitig für Rio wieder hinbekommen."

Jedoch habe er das Ziel Olympia nie aus den Augen verloren. Genau wie seine Trainer Högler und Heim-Coach Sepp Schopf, der ihn schon seit 2005 betreut. "Was hier entstanden ist, habe ich Gregor und Sepp zu verdanken."

Das Trio scheut auch vor ungewöhnlichen Lösungen nicht zurück.

Wie etwa 2015: Nachdem Weißhaidinger aus dem Projekt Rio geflogen ist, kratzte er sein ganzes Erspartes zusammen. Sein Wunsch: Eine beheizbare Hütte, aus der er im Winter rauswerfen kann. Weißhaidinger beziffert die Kosten mit "40.000 bis 50.000 Euro".

"Es hat lange gedauert, bis ich sie abbezahlt habe, aber heute hat sie sich endgültig ausgzahlt." Das hat es in der Tat.


Aus Rio berichtet Reinhold Pühringer

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