Hartes Programm geht für Fegerl mit EM weiter

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Am Donnerstag beginnt die Hauptrunde der Tischtennis-Individual-EM in Budapest (LIVE auf LAOLA1.tv).

Aus dem Team der Mannschafts-Europameister 2015 sind Robert Gardos (gegen Mengel/GER), Daniel Habesohn (Boll/GER, 20:10 Uhr), der 20-jährige David Serdaroglu (Olah/FIN) und natürlich Stefan Fegerl (Ismailov/RUS, 19:20 Uhr) im Einzel-Hauptraster dabei.

Der Neo-Deutschland-Legionär hat im Doppel, das jedes Jahr ausgetragen wird, mit Joao Monteiro (POR) auch einen Titel zu verteidigen.

"Nach Olympia habe ich nicht einen halben Tag Pause gehabt", meint Fegerl im Hinblick auf sein zuletzt dichtes Programm und einen Leistungs-Durchhänger nach Rio.

"Wir sind am 19.8. zurückgekommen, ich bin am 20. nach Düsseldorf geflogen, und danach war ich rund um die Uhr im Einsatz. Da war es klar, dass der Start ein wenig holprig verläuft", erinnert er sich zurück.

Ganz andere Umstände

Seit Anfang September ist Fegerl nun für den deutschen Spitzenverein Borussia Düsseldorf tätig – unter anderem an der Seite von Timo Boll.

Nach dem Ende von Weinviertel Niederösterreich wurde der sportliche Aufstieg in die deutsche Bundesliga schnell Realität.

Der 28-Jährige galt schon länger als Wunschspieler in Düsseldorf, durch die Kombination Verein, Anstellung als Heeressportler und Nähe zum ÖTTV machte man aber keine Avancen.

Umso schneller war alles unter Dach und Fach, als das Ende des niederösterreichischen Klubs feststand. Einen Anruf bei Richard Prause, ehemals deutscher Nationalcoach und später Cheftrainer in der Werner Schlager Academy, genügte. Binnen weniger Tage war ein Vertrag unterschrieben.

"Mir ist es in Wolkersdorf gut gegangen, aber die Leute hier machen alles hauptberuflich – es gibt 10-12 fest angestellte Mitarbeiter. Daran ist in Österreich nicht einmal zu denken. Jedes Detail läuft sehr professionell und durchdacht durch. Ich bin schon ein wenig stolz, Wunschkandidat bei so einem Verein gewesen zu sein", macht Fegerl den größten Unterschied fest.

Ganz andere Ansprüche

In Düsseldorf herrschen aber andere Ambitionen. In einer der stärksten Ligen der Welt soll der Titel verteidigt werden, in der Champions League ist zumindest das Halbfinale der Anspruch.

Zu diesem Zweck hat man neben Fegerl und natürlich Boll mit den Schweden Kristian Karlsson und Anton Källberg sowie dem Inder Sharath Kamal Achanta gleich fünf Spieler aus den Top-100 der Weltrangliste im Kader.



"Es ist nicht so ein Konkurrenzkampf, weil jeder seine Funktion hat. Wir sind als Mannschaft kompakt, können auch ohne Timo Boll Spiele gewinnen", umschreibt Fegerl die Situation in der Mannschaft.

"Ich habe sicher den richtigen Schritt gemacht. Und ich schätze, dass auch Danny (Habesohn, ebenfalls nach Deutschland zum SV Mühlhausen gewechselt, Anm.) sehr davon profitieren kann. Wir können als Nationalmannschaft noch stärker werden."

Ganz andere Strapazen

Das "Problem" an der Sache: Natürlich muss für Fegerl Düsseldorf erste Priorität in den Planungen besitzen, handelt es sich doch um den Geldgeber. Und der Verdienst ist in eine ganz andere Größenordnung geschnellt.

Zusammen mit den Verpflichtungen für den ÖTTV ergibt sich ein volles Programm. Die Reiseplanung rückt in den Vordergrund, um in "englischen Wochen" keine Trainingstage zu verlieren.

Und der Kalender ist für Fegerl prall gefüllt: Vier Tage nach der Europameisterschaft steht ein CL-Auswärtsspiel beim Gardos-Klub Chartres an (27.10., 19:30 Uhr, LIVE auf LAOLA1.tv), am 30.10. eine Bundesliga-Runde.

Es folgt die sofortige Rückreise nach Budapest, wo die ÖTTV-Herren am 1.11. in der Qualifikation zur Team-EM gegen Ungarn spielen, ein Heimspiel in der Champions League gegen Torun (4.11., 19:30 Uhr, LIVE auf LAOLA1.tv), anschließend eine weitere Bundesliga-Runde und ab 9.11. die Austrian Open in Linz.

Gerade im Tischtennis eine besondere Belastung: "Man muss mental immer auf der Höhe sein. Und das Brutale ist: Fällst du in ein Loch, hast du keine Zeit, dich zu regenerieren, und wirst durchgereicht. Die Planung, Struktur und Prioritäten sind wichtig. Da müssen Verband, Verein und Trainer zusammenarbeiten, der Spieler muss sich konzentrieren. Nur so kann das funktionieren."

Ganz andere Möglichkeiten

Ob es auch ein Vorteil sein kann, sich so oft zu präsentieren, sei laut Fegerl Ansichtssache.

"Wenn ich die Leichtathletik-WM zweimal gewinne, bin ich der Hero. Aber eigentlich sind wir in einer anderen Situation. Wenn man die 100 Meter in 9,25 Sekunden läuft, ist man Weltmeister. Wir können verlieren, auch wenn wir das beste Spiel abliefern. Diese Mensch-gegen-Mensch-Situation ist etwas ganz anderes. Aber hast du mal einen Ausreißer nach oben, ist schnell Schwung drin."

Zumindest die Verteidigung des Mannschafts-Titels darf aber – erfolgreiche Qualifikation vorausgesetzt – bis nächstes Jahr warten, hat man die Individual-Bewerbe mittlerweile doch getrennt.

"Das ist vernünftig. Sonst würden die besseren Spieler, die um Finalis mitspielen, irgendwo kürzertreten. Man würde die Zeit nicht mehr finden", schätzt Fegerl ein.

Und so kann er sich ganz auf sein großes Ziel konzentrieren: Endlich eine Einzel-Medaille einzufahren. Und damit die 18-jährige Serie des ÖTTV zu verlängern.

Johannes Bauer

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Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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