"Das ist doch gar kein Comeback"

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Schlager: "Ich war doch nie wirklich weg"

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Ein letztes klärendes Gespräch mit dem Verband (ÖTTV), dann war es besiegelt.

Werner Schlager, der bislang letzte nicht-chinesische Weltmeister der Tischtennis-Geschichte, wird im Rahmen der Team-WM in Kuala Lumpur (28. Februar bis 6. März LIVE bei LAOLA1.tv) ein Comeback auf WM-Ebene geben – und das mit schon stolzen 43 Jahren.

Für Österreichs Sport-Fans kann das nur eines bedeuten: Zeit, um ein bisschen in Nostalgie zu schwelgen.

Bei Schlager selbst ist von Nostalgie indes keine Spur. Österreichs Sportler des Jahres 2003 stößt sich sogar am Terminus „Comeback“. Denn: „Es ist ja nicht so, dass ich in Pension war und nur noch mit meinen Kindern Karten gespielt habe“, verweist er auf regelmäßiges Training mit dem ÖTTV-Team. Wenn auch bis zuletzt in der Funktion des Sportdirektors der Schlager-Akademie.

Im Interview mit LAOLA1 spricht Österreichs Allzeit-Größe über die Hintergründe seiner WM-Rückkehr sowie die „Angst“ der Chinesen vor ihm:

LAOLA1: Werner, worum ging es bei dem abschließenden Gespräch mit dem Verband?

Werner Schlager: Ein paar Eckpunkte mussten noch abgecheckt werden. Vonseiten des ÖTTV gab es noch eine Handvoll Wünsche, die aber für mich völlig selbstverständlich waren.

LAOLA1: Zum Beispiel?

Schlager: Anscheinend herrschten Bedenken, dass es von meiner Seite irgendwelche Star-Allüren gäbe. Das hat mich selbst ein bisschen gewundert. Nichtsdestotrotz ist es besser, darüber zu reden, als es ungesagt zu lassen.

 
LAOLA1:
Was hat dich letztlich dazu bewogen, mit 43 Jahren noch einmal ein WM-Comeback zu versuchen?

Schlager: Es ist ganz einfach, wenn Daniel Habesohn nicht krank wäre, wäre ich kein Thema. Da er aber nicht fahren kann und ich noch ein Niveau habe, mit dem ich Danny gut ersetzen kann, ist es für mich keine Frage, mich als Ersatzmann anzubieten.

LAOLA1: Geht man mit einigen Jahren Abstand zur aktiven Karriere anders an so einen Event heran?

Schlager: Nein, schließlich war ich nie wirklich weg vom Fenster. Ich war im täglichen Training ja praktisch mit dabei, wenn auch in anderer Funktion. Ich bin wahrscheinlich mehr in der Medien-Aufmerksamkeit ins Hintertreffen geraten, als es tatsächlich der Fall war. Ich bin kein Thomas Muster, der nach ein paar Jahren einen völlig anderen Level hat.

LAOLA1: Das heißt, deine persönliche WM-Zielsetzung ist einzig und allein, eine Schwächung der Mannschaft zu verhindern…

Schlager: Richtig. Zudem macht es mir großen Spaß, Wettkämpfe zu spielen. Das ist auch etwas, das ich nach wie vor sehr gut kann. Es ist aber sicherlich nicht so, dass das für mich ein Spaß-Aufenthalt wird oder dass ich das für mein Ego brauche. Im Gegenteil: Es geht ums Team. Es ergeben sich für uns nun Vorteile bei den Aufstellungs-Formationen, weil sich die anderen Mannschaften nun nicht sicher sein können, wer auf welcher Position spielt. Aber es ist jetzt auch nicht so, dass wir durch den Schlager höhere Sieg-Chancen haben.

"Es ist aber sicherlich nicht so, dass das für mich ein Spaß-Aufenthalt wird oder dass ich das für mein Ego brauche. Im Gegenteil: Es geht ums Team."

Schlagers Comeback-Gründe

LAOLA1: Glaubst du, haben die Chinesen noch Angst vor dir?

Schlager (schmunzelt): Die Chinesen sind bekannt dafür, sich sehr gut vorzubereiten. Dazu studieren sie jeden Spieler, auf den sie treffen. Und da ich längere Zeit nirgends gespielt habe, ist das sicherlich nicht die angenehmste Situation für sie. Das heißt jetzt aber nicht, dass sie Angst haben, aber Respekt – und das ist gut so.

LAOLA1: Hat dich dein Sieg vergangene Woche gegen den amtierenden Europameister Dimitrij Ovtcharov überrascht?

Schlager: Jein. Auf der einen Seite hat mich überrascht, wie anfällig er auf meine Spiel-Variationen war. Auf der anderen Seite hat man gesehen, dass er mich unterschätzt hat und das darf einem so guten Spieler eigentlich nicht passieren.

LAOLA1: 2013 hast du deine Teilnahme an der Heim-EM aus Trainingsmangel abgesagt. Zuletzt hast du gegenüber Journalisten gesagt, dass dir momentan drei Stunden Training pro Woche aber reichen. Wie passt das zusammen?

Schlager: Nein, so habe ich das nicht gesagt. Es ist unterschiedlich, hängt davon ab, wie viel Zeit ich habe. Manchmal sind es neun Stunden, manchmal weniger. Im Durchschnitt wird es schon irgendwie hinkommen. So oder so geht es aber um die Effizienz. Hinzu kommt, dass ich gegenüber Jungen einen Trainings-Vorsprung habe. Von daher macht es für mich keinen Sinn, ein Basis-Training zu absolvieren, das ich in meinem Leben schon 20 Jahre lang gespielt habe. Da bin ich den Jungen voraus, weshalb ich mich auf die Feinheiten konzentrieren kann.

LAOLA1: Es war zuletzt zu vernehmen, dass du bei einem entsprechenden Angebot Ambitionen auf die Champions League hättest?

Schlager: Über ein derartiges Angebot würde ich sehr intensiv nachdenken. Da würde ich dann halt zwischen Aufwand und Nutzen abwägen. Aber das ist viel zu spekulativ. Jetzt zählt einmal nur die WM.

 

Das Interview führte Reinhold Pühringer


Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang»
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