Kampf der Trägheit! Wie man zu Motivation kommt

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Aufhören mit dem Alkohol? Gesündere Ernährung? Oder doch öfter zum Sport aufraffen?

Der Jahreswechsel hat wieder zur Selbstoptimierung eingeladen. Nur an der Umsetzung der guten Vorsätze scheitert es zu oft. Schon jetzt haben viele die neuen Vorhaben wieder über Bord geworfen.

Das muss allerdings nicht sein – wichtig ist nur zu wissen, wie man die innere Trägheit überwindet. Sport kann viel Spaß machen, aber am Anfang lässt man sich zu leicht von den Anstrengungen zurückhalten.

LAOLA1 hat mit Mag. Harald "Haris" Janisch gesprochen. Er ist Fachgruppenobmann der Personenberatung und Personenbetreuung in der Wirtschaftskammer Wien (HIER gibt es nähere Infos) und als sportwissenschaftlicher und psychologischer Berater Experte auf dem Gebiet der sportlichen Motivation.

Warum es so schwer fällt, den eigenen Antrieb ins Rollen zu bekommen und wie man ihn langfristig in Bewegung hält, erklärt Haris Janisch im Interview.

LAOLA1: Herr Janisch, gibt es bestimmte Faktoren, an denen sich sportliche Motivation aufhängen lässt?

Haris Janisch: Tief im Menschen, genauer gesagt im psycho-neurobiologischen Bereich, ist die Suche nach einem "Lust-Kick" verankert. Eine Sportart zu finden, die ihn von selbst auslöst, ist die Königsdisziplin. Das erleichtert den Einstieg. Hat man schon einmal Sport gemacht, versucht man im Coaching, diese bestehenden inneren Modelle wieder zu aktivieren. Auch Freude am Wettkampf ist ein Motivationsfaktor, denn sich zu duellieren, ist ein archaisches Gefühl. Als dritter Faktor kann der Stressabbau dazukommen.

LAOLA1: Warum kann so eine innere Blockade überhaupt herrschen?

Janisch: Ein Versuch der Verallgemeinerung: Es gibt Menschen, die haben im Prinzip überhaupt noch nie Sport gemacht. Die wird man schwer motivieren können. Der Körper funktioniert nach dem Prinzip der Homöostase, der Suche nach Gleichgewicht. Wenn ich nichts tue, wird sich das Niveau nach unten schrauben. Ich merke, wie meine Muskeln schwinden, der Fett-Anteil steigt, aber ich merke auch, wie angenehm mein Alltag auf der Couch mit fettem Essen ist, man findet sucht-artigen Gefallen daran, in dieser Trägheit gefangen zu sein. Auch das folgt dem Prinzip der Anpassung, in diesem Fall negativ. So einen Menschen kann man ohne Anlass schwer motivieren, wenn er keinen äußeren Einfluss bekommt.

Mag. Harald "Haris" Janisch

LAOLA1: Und genau das Prinzip versucht man im Motivationstraining umzukehren?

Janisch: Ja, man kann auch eine Art "positives Suchtverhalten" mit Sport entwickeln, an dessen Ende der Sport von selbst betrieben wird. Weil man merkt, dass Körper und Geist das brauchen, es mir Spaß macht, es mich fitter macht, ich das Adrenalin und die Endorphine spüre. Man kann sagen, dass es etwa sieben Monate dauert, eine neue Sportart oder andere Gewohnheit in meinen Alltag zu implementieren.

LAOLA1: Warum gerade sieben Monate? Wie läuft dieser lange Zeitraum ab?

Janisch: Es gibt internationale Studien, die prominenteste von James Prochaska und Carlo DiClemente. Sie haben Sportler und andere Menschen über längere Zeiträume beobachtet und festgehalten, was es überhaupt braucht, einen Sport anzufangen und dabei zu bleiben. Das läuft nach insgesamt sieben Phasen ab: Erst das Stadium der Sorglosigkeit, wo man gar nicht daran denkt, einen Sport zu machen. Dann das zweite Stadium, wo langsam körperliche Probleme aufkommen, und man es sich überlegt. Irgendwann kommt die Phase, wo ich definitiv aufgrund einer Not oder externen Motivation die Entscheidung fälle, etwas zu tun – und so weiter. So eine externe Motivation ist in den meisten Fällen ein Personal Trainer.

LAOLA1: Dafür braucht es natürlich ein bisschen Überwindung.

Janisch: 90 Prozent der Menschen fangen erst an, wenn sie ein Problem haben. Aber sie machen die Stadien durch, und währenddessen gibt es auch die Chance des Abbruchs. Das merkt ein Trainer und kann dagegen arbeiten. Daneben gibt es die soziale Komponente, so ist es sinnvoll, sich einen Mannschaftssport zu suchen. Auch Laufen ist ein wunderbarer Sport, um sich gegenseitig zu pushen.


VIDEO - Psychologische Beratung näher erklärt:


LAOLA1: Ein kurzfristiges Projekt kann es also gar nicht sein.

Janisch: Der effektivste und schnellste Weg, um in eine persönliche Sportkultur zu kommen, ist, sich einen persönlichen sportwissenschaftlichen Berater zu suchen, der in den ersten Phasen beibehalten werden sollte. Das muss man sich natürlich leisten wollen. Aber was, wenn ich alleine bin? Ich muss meine innere Entscheidung konkret anschaubar machen, etwa mit einem Wochenplan, den man konsequent durchziehen muss. Dann muss man immer den Schritt machen, den man etwa tut, wenn man vor dem kalten Wasser steht: Man muss sich eine Art Versprechen geben, das positive Folgen vorsieht, wenn man etwas durchzieht, aber ebenso negative Folgen, wenn man etwas nicht tut. Um sich selbst auszutricksen. Wenn ich meinen Plan nicht erfülle, darf ich mir etwa das Feierabend-Bier nicht gönnen.

LAOLA1: Gibt es Sportarten, die sich für den Einstieg besser eignen?

Janisch: Laufen und Radfahren sind gut geeignet, denn das sind Ausdauer-Sportarten. Man kann sie paarweise betreiben und sich dabei pushen. Außerdem sollte der Widerstand gering sein: Ein Sport, den ich gleich bei mir um die Ecke betreiben kann.

LAOLA1: Kann es sein, dass es im Winter noch eine Spur schwerer fällt, sich aufzuraffen?

Janisch: Im Winter gibt es das Verschließen der Natur als mächtigen Faktor. In unserer Kultur kommt außerdem diese Assoziation mit dem warmen Zuhause, dem Kuscheln daheim dazu. Man kann den Vergleich mit anderen Kulturen ziehen: In afrikanischen Ländern ist das ganze Jahr über Sportzeit. In sibirischen Regionen hat man sich wiederum in dieser Weise angepasst, dass dort Indoor-Sportarten stark vertreten sind.

LAOLA1: Welches Vorgehen empfiehlt der Experte zusammenfassend?

Janisch: Grundsätzlich gibt es drei Wege, zur Motivation zu finden: Den goldenen Weg – ich habe einen Spitzensportler als Vorbild, möchte seinem Weg folgen. Etwa drei Prozent der Menschen verfolgen diesen. Der silberne Weg – ich habe jemanden, der mich mitnimmt, etwa einen Freund beim Training. Das sind etwa sieben Prozent. Aber 90 Prozent beschreiten den bronzenen Weg, raffen sich erst auf, wenn es ein Problem gibt und ein externer Motivator eingreift. Und hier kommt wieder der persönliche sportwissenschaftliche Coach ins Spiel.

LAOLA1: Wie sieht die Arbeit mit so einem Berater aus?

Janisch: Meistens ist das Training so konzipiert, dass in den ersten sieben Wochen etwa drei Einheiten pro Woche gemacht werden, und dann in weiterer Folge pro Monat noch einmal vier bis sieben Einheiten, bis man den Sport selbständig in seine tägliche Kultur eingepflanzt hat. Zwischendurch gibt es immer die Gefahr eines Abbruchs, der Trainer merkt das und kann mit einer Abbruchs-Prophylaxe eingreifen. Ich arbeite etwa mit einem Buch, wo jeder seine Fortschritte aufschreibt und Übungen bekommt. Gelingt es, dem Drang aufzuhören entgegenzuwirken, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass man nach sieben Monaten ein neues Verhalten gelernt hat, der Sport von selbst betrieben wird, weil er Spaß macht und dem Körper fühlbar gut tut.


VIDEO - Sportwissenschaftliche Beratung näher erklärt:

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang»
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