"Dann bin ich der Buhmann"

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"Dann bin ich der Buhmann"

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261 Tage vor dem Beginn der 31. Olympischen Sommerspiele in Rio de Janeiro gibt das Projekt Rio, das mit 20 Millionen Euro unterstützte Förderprogramm des Sportministeriums, seinen Kader für das Jahr 2016 bekannt.

Die großen Umwälzungen sind wie von Berater Clemens Trimmel bereits im Vorfeld angekündigt ausgeblieben.

Die vielleicht einschneidendste Änderung: Die insgesamt 94 Namen teilen sich auf nur noch drei Kader (Medaillen-, Hope- sowie Paralympischer Kader) auf. Der Mannschaftskader ist nach den verpassten Olympia-Qualifikationen der Handball- sowie Landhockey-Herren aufgelöst worden.

Das hat sich konkret verändert:

  • Golfer Bernd Wiesberger wird vom Hope in den Medaillen-Kader aufgestuft. Dem Weltranglisten-30. werden Trainerkosten übernommen.

  • Die Leichtgewichts-Ruderer Bernhard und Paul Sieber, die einen Quotenplatz errungen haben, und unser Tischtennis-Europameister-Team wird nach Auflösung des Mannschafts-Kaders in den Medaillen-Kader überstellt.

  • Der moderne Fünfkämpfer Thomas Daniel, Triathletin Sara Vilic, das Beach-Duo Stefanie Schwaiger/Barbara Hansel sowie die 470er-Segler David Bargehr/Lukas Mähr werden mangels Erfolgs vom Medaillen- in den Hope-Kader zurückgestuft. Trap-Schütze Andreas Scherhaufer fällt nach verpasster Quali ganz raus.

  • Mit Blick in Richtung Tokio 2020 – Gespräche für ein Nachfolge-Projekt sind im Gange – wird der Hope-Kader auf 51 Sportler aufgestockt. Neu sind die Alexandri-Drillinge(Sychronschwimmen), 5.000m-Läuferin Jennifer Wenth und Kanute Mario Leitner. Wieder in den Hope aufgenommen werden Siebenkämpferin Ivona Dadic sowie die DiskuswerferGerhard Mayer und Lukas Weißhaidinger.

  • Der Paralympische Kader bleibt unverändert.

Abseits des Sportlichen wird Kira Grünberg (bisher im Hope) künftig als Projekt-Botschafterin fungieren und sich via eines Internet-Blogs einbringen. „Ich habe sofort zugesagt. Es ist schön, in der Sportfamilie so gut aufgehoben zu sein“, meint die verunfallte Stabhochspringerin in einer Video-Botschaft.

Der pragmatische Chef

Neben den Kadern hat sich auch die Ziel-Vorgabe von Projektleiter Peter Schröcksnadel wenig verändert. Der Ski-Zampano spricht in Bezug auf die Sommersportler nach wie vor von „drei bis fünf Medaillen“.

Dass alle 94 Kader-Mitglieder nicht für Edelmetall infrage kämen, dessen ist sich auch der 74-Jährige bewusst. „Aber gerade in unserem Medaillen-Kader bewegt sich jeder Sportler im Bereich eines Rio-Podestplatzes“, ordnet Schröcksnadel die Zusammenstellung ein.

Und was ist, falls Rio ohne rot-weiß-rote Medaille enden sollte? „Dann bin ich der Buhmann“, kennt der ÖSV-Präsident das Geschäft genau. Weitere graue Haare wolle er sich deswegen aber nicht wachsen lassen. Generell sehe er in der Konstellation, dass mit ihm nur eine Person in der Haupt-Verantwortung steht, sogar einen Vorteil. „Das ist gut so. Weil oft werden irgendwelche großen Kommissionen eingesetzt. Im Falle von Misserfolg will nachher aber keiner Schuld gewesen sein. Jeder putzt sich beim anderen ab.“ Bei einem Hauptverantwortlichen gehe das nicht.

Als zu gewagt halte er seine Prognose nicht. Seine Sicht ist viel eher eine pragmatische: „Es ist wichtig, dass wir das Ziel mit drei bis fünf Medaillen klar definieren. Wenn du ein klares Ziel hast, kann es zwar sein, dass du vielleicht nicht dort ankommst, aber du kommst zumindest irgendwo an.“

Das Risiko zu scheitern, sehe er angesichts der Nullnummer von London ohnehin als überschaubar. „Schlechter werden kannst du nicht mehr.“

Thiem will nicht, Jukic angeschlagen

Einer der großen Abwesenden im Projekt Rio ist Dominic Thiem. „Wir wollen ihn dabei haben, aber er will sich bei uns nicht eingliedern“, erklärt Schröcksnadel.

Berater Trimmel, ehemaliger Sportdirektor im Tennis-Verband (ÖTV), gibt zu bedenken, dass das gespannte Verhältnis zwischen Thiem und dem ÖTV die Gespräche nicht erleichtern.

Ruhig ist es indes um Dinko Jukic geworden. Schröcksnadel, der einst als Vermittler zwischen dem Olympia-Vierten und dem Schwimm-Verband aufgetreten war, hat den Kontakt zum 26-Jährigen nicht verloren. „Dinko hat momentan Rücken- und Schulterprobleme. Er trainiert und will auch nach wie vor zu Olympia. Wenn er Leistung bringt, ist er wieder dabei.“

Was die Tür auch für andere Neuzugänge offen lässt. Selbst wenn es nur noch 261 Tage bis Rio sind.

Reinhold Pühringer

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang»
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