Peter Seisenbacher auf der Flucht verhaftet

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Die Flucht von Judo-Doppel-Olympiasieger Peter Seisenbacher, der im Verdacht steht, drei minderjährige Nachwuchssportler missbraucht zu haben, ist vorbei.

Der 57-Jährige wurde Dienstagmittag von der ukrainischen Polizei in seiner Wohnung in Kiew verhaftet. Dem waren monatelange Ermittlungen der Zielfahnder des Bundeskriminalamtes (BK) vorangegangen.

Am 19. Dezember 2016 hätte sich der zweifache Olympiasieger vor Gericht verantworten müssen. Da Seisenbacher nicht im Gerichtssaal erschien wurde er weltweit per internationalem Haftbefehl gesucht.

Nach mehr als 200 Tagen wurden ihm nun die Handschellen angelegt. Derzeit wartet Seisenbacher auf seine Auslieferung.

Auslieferungsanträge bereits gestellt

Die erforderlichen Anträge auf Auslieferung des 57-Jährigen an Österreich wurden bereits an die ukrainischen Behörden gestellt, berichtete Christina Salzborn, Sprecherin des Landesgerichts Wien. Ein neuer Termin für die Hauptverhandlung gegen Seisenbacher wird nach der tatsächlichen Auslieferung festgesetzt.

Salzborn hob die gute Zusammenarbeit zwischen den österreichischen Justiz- und Polizeibehörden mit der Ukraine und Georgien hervor.

Eine wichtige Rolle bei der Festnahme Seisenbachers hätten die in Kiew und Tiflis (Georgien) stationierten österreichischen Verbindungsbeamten gespielt. Diese koordinierten zwischen dem Bundeskriminalamt, den örtlichen Behörden und dem Landesgericht für Strafsachen.

So kam man Seisenbacher auf die Spur

"Vor ein paar Wochen sind konkrete Hinweise auf seinen Aufenthaltsort eingegangen", präzisierte Salzborn im Gespräch mit der APA den Verlauf der Ermittlungen.

Verstärkte Erhebungsmaßnahmen des Bundeskriminalamts und umfassende Observationen vor Ort hätten schließlich zum Fahndungserfolg geführt. In welches Gefängnis Seisenbacher von den Kiewer Behörden gebracht wurde, ließ sich vorerst nicht eruieren.

Auf die Spur des untergetauchten Ex-Judokas war man nach umfangreichen Telefonüberwachungen und Observationen durch Kontaktbeamte des Bundeskriminalamts in der Ukraine gekommen. Seisenbacher wechselte zwar regelmäßig seine Handys, kontaktierte aber immer wieder dieselben Personen, darunter auch seine in Wien wohnhafte Mutter.

Der 57-Jährige reagierte auf seine Festnahme völlig überrascht und leistete keinen Widerstand.

Er arbeitete als Trainer

Seisenbacher hatte bei den Olympischen Spielen in Los Angeles 1984 Gold geholt. Indem er vier Jahre später diesen Olympiasieg bei den Spielen in Seoul wiederholte, was bis dahin noch keinem Judoka gelungen war, sicherte er sich einen Platz in der Sportgeschichte.

1989 beendete er seine aktive Laufbahn, fungierte zunächst als Generalsekretär der österreichischen Sporthilfe und etablierte sich schließlich als Trainer und Funktionär im Judo-Sport.

Für die von ihm betreuten Kinder und Jugendlichen war er weit mehr als ein Trainer. Im Bewusstsein seiner herausragenden sportlichen Erfolge und seiner Verdienste um den Judo-Sport sahen einige von ihnen in Seisenbacher - seit 1996 Träger des Goldenen Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik Österreich - eine Art Zweitvater, den man uneingeschränkt bewunderte und nicht infrage stellte.

Das könnte eine Erklärung dafür sein, weshalb einige junge Frauen erst Jahre nach den inkriminierten Übergriffen zur Staatsanwaltschaft gingen und gegen ihren ehemaligen Trainer Anzeige erstatteten.

Der Anklage zufolge war ein Mädchen erst neun, als Seisenbacher an ihm Interesse entwickelte. Der Ex-Judoka war mit dem Vater der Schülerin befreundet. Über diese Schiene hatte das Mädchen in dem Verein zu trainieren begonnen, in dem Seisenbacher tätig war.

So lautet die Anklage

Laut Anklage soll Seisenbacher - damals 37 Jahre alt - 1997 die Neunjährige erstmals bedrängt haben. Von 1999 an - das Mädchen war elf - kam es nach Angaben der Betroffenen zu geschlechtlichen Handlungen, die als schwerer sexueller Missbrauch einer Unmündigen qualifiziert sind. Die Schülerin soll bis zur Vollendung des 14. Lebensjahrs wiederholt missbraucht worden sein.

Im Sommer 2004 soll sich der Ex-Judoka einem weiteren, damals 13 Jahre alten Mädchen zugewandt haben, das er ebenfalls als Trainer in der Kindergruppe in seinem Judo-Verein kennengelernt hatte. Auch mit diesem Mädchen kam es gemäß der Anklage zu sexuellen Handlungen.

Auf einem Judo-Sommerlager soll Seisenbacher im August 2001 versucht haben, einem dritten Mädchen näher zu kommen. Die 16-Jährige wehrte ihn ihrer Darstellung zufolge aber ab. Für die Staatsanwaltschaft stellt sich dieser Vorgang als versuchter Missbrauch eines Autoritätsverhältnisses dar.

Der Angeklagte, für den die Unschuldsvermutung gilt, hat sich zu den Vorwürfen bislang nicht öffentlich geäußert.

Textquelle: © LAOLA1.at/APA

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