'Wovor soll ich mich fürchten?'

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Der, der nach den Sternen greift

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Mit nur 19 Jahren ist Nikola Bilyk eines der Aushängeschilder von Österreichs Handball-Männern.

Sein rasanter Aufstieg kulminiert im Sommer vorläufig mit dem Wechsel zum dreifachen Champions-League-Sieger THW Kiel, von Nervosität ist bei ihm aber keine Spur.

"Wovor soll ich mich fürchten", fragt Bilyk, der Kiel-Coach Alfred Gislason als "das größte Rückraum-Talent im Welthandball" gilt.

Neues Terrain

Während sich Bilyk in Deutschlands Handball-Hochburg seinen Platz erst erkämpfen muss, gehört er in der Heimat schon jetzt zur Elite. In der Handball Liga Austria (HLA) ist der 1,98-Meter-Mann von den Fivers Margareten mit 121 Toren zweitbester Werfer hinter dem Kremser Tobias Schopf und Anton Prakapenia von Schwaz (beide 122).

Auch in der WM-Vorqualifikation, die am Donnerstag (17.00 Uhr MEZ) mit dem vorentscheidenden Spiel in Rumänien fortgesetzt wird, ist Bilyk dank 24 Treffern Österreichs Nummer eins.

WM-Qualifikation*

# S U N Pkt
  1. Österreich
4 4 0 0 8
  1. Rumänien
4 3 0 1 6
  1. Italien
4 1 0 3 2
  1. Finnland
4 0 0 4 0

Modus: Der Gruppenerste qualifiziert sich für das Quali-Playoff für die WM 2017 in Frankreich

Bei der Junioren-WM 2014 machte er sich zum wertvollsten Spieler und Torschützenkönig, bei der Männer-WM im Jänner 2015 gehörte er als jüngster Akteur der Endrunde in Katar bereits zum Stamm von ÖHB-Teamchef Patrekur Johannesson.

Großer Wille

Wenn Bilyk sagt, der "beste Handballer aller Zeiten" werden zu wollen, klingt es nicht nur angesichts dieser Fakten kein bisschen überheblich. Das Gelingen muss naturgemäß offen bleiben, doch die Ernsthaftigkeit, mit der er die Herausforderung angeht, ist offensichtlich.

Es ist dieser unbändige Wille, der auch Johannesson beeindruckt. Der Isländer verhalf ihm im März 2014 als 17-Jährigem zum Nationalteamdebüt.

"Es gibt kein einziges Training, wo ich merke, dass er keine Lust hat. Und auch wenn frei ist, trainiert er", sagte Johannesson und gab zu: "Bei mir war das als Spieler nicht so. Aber deswegen ist er auch bei Kiel."

Auf direktem Wege

Bilyk, der im Frühjahr noch die Matura absolviert ("Ich weiß, dass ich das fertig machen muss. Das ist sehr wichtig für mich."), ist zwar beileibe nicht der erste Österreicher, der in die deutsche Liga wechselt, aber der erste, der direkt den Sprung zu einem absoluten Topklub schafft.

Altmeister Viktor Szilagyi kam 2005 über Bayer Dormagen und Essen nach Kiel, Flügelflitzer Raul Santos, der gemeinsam mit Bilyk zu den "Zebras" wechselt, nahm den "Umweg" über Gummersbach.

Bilyks künftiges Zuhause: Die Sparkassen-Arena in Kiel (10.285 Zuschauer)

Zweifel an seiner Durchsetzungsfähigkeit in der Handball-Hochburg hegt Bilyk keine, sein Vertrag läuft bis 2019 mit einer Option auf eine weitere Saison. "Ich werde mich einordnen müssen und schauen, welche Rolle ich spiele. Ich will mich aber auf jeden Fall durchsetzen", meinte er.

"Ich weiß, was ich kann, ich weiß, was ich verbessern muss. Ich mache mir keine Sorgen, dass ich das schaffen kann." Die gemeinsamen Auftritte mit Vater Sergej, der mit 45 Jahren noch immer im Fivers-Tor steht, gehören dann aber jedenfalls der Vergangenheit an.

Auch Szilagyi spielte zunächst links

Der deutsche Titelverteidiger und aktuelle Tabellenzweite ist für Bilyk gerade in der derzeitigen Situation der ideale Arbeitgeber.

"Kiel ist eine Mannschaft im Umbruch, baut jetzt auf junge Spieler, das ist ähnlich wie im Nationalteam", sagte der Mann mit ukrainischen Wurzeln, der seit seinem dritten Lebensjahr in Österreich lebt. In Bälde wird er wieder einen Abstecher nach Kiel unternehmen, um die Wohnungssuche anzukurbeln.

Bilyk besticht mit Schnelligkeit, gutem Entscheidungsverhalten, Spielintelligenz und Übersicht, zudem schüttelt er nicht nur harte, sondern immer wieder auch schwer auszurechnende Würfe aus seinem variablen Handgelenk.

"Es gibt kein einziges Training, wo ich merke, dass er keine Lust hat. Und auch wenn frei ist, trainiert er. Bei mir war das als Spieler nicht so. Aber deswegen ist er auch bei Kiel."

ÖHB-Teamchef Patrekur Johannesson

Eigenschaften, die den linken Rückraummann in Zukunft auch als Spielgestalter auf der Mitteposition prädestinieren. Eine Parallele zum derzeit verletzten ÖHB-Altmeister Viktor Szilagyi. Auch der heute 37-Jährige spielte zuerst auf der linken Seite, ehe er zum Regisseur avancierte.

Noch zu wenig auf den Rippen

Zulegen muss Bilyk jedenfalls noch beim Gewicht, spätestens in Kiel will er die 100-kg-Marke überschreiten. "Ich möchte so fit wie möglich sein, damit ich so wenige Verletzungen wie möglich habe", betonte der Hobby-Basketballer, der sich auch den Medien gegenüber schon als fitter Gesprächspartner präsentiert.

Gerade in Zeiten wie diesen, in denen dem ÖHB-Team aufgrund von Rücktritten und Verletzungen zahlrereiche Routiniers abhandengekommen sind, ist seine Meinung besonders gefragt.

Das Potenzial des Gerasdorfers hat auch Getränkehersteller Red Bull erkannt, der derzeit nicht nur Partner Kiels ist, sondern in der Vergangenheit schon das erfolgreiche rot-weiß-rote Junioren-Nationalteam um Bilyk unterstützte. "Für mich ist das eine große Ehre und auch ein bisschen eine Belohnung für meine Arbeit. Das hat nicht jeder Sportler und vor allem kein Handballer", erklärte Bilyk.

Textquelle: © APA Zum Seitenanfang»
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