Szilagyi: Deutschland? Das ist Österreichs Chance

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Österreich blickt im Handball zu Deutschland auf. Kein Wunder, gehört der Nachbar doch zu den Top-Nationen, die immer für einen Weltmeister-Titel gut sein können.

Eine Ausnahme-Erscheinung im heimischen Handball wie Viktor Szilagyi schafft es aber, nicht nur in seiner aktiven Karriere, sondern auch danach als Verantwortlicher im großen Handball-Land einen Unterschied zu machen. Mit dem Champions-League-Titel fuhr der THW Kiel, dessen Geschäftsführer die ÖHB-Legende ist, erst vor einer Woche den größten Titel auf Vereins-Ebene ein.

Schon vor 20 Jahren zog es "Figo" als Spieler nach Deutschland, einen besseren Blick auf den deutschen Handball aus österreichischer Perspektive kann es kaum geben. Und Szilagyi glaubt bei LAOLA1 vor den beiden Duellen in der EM-Qualifikation (Heimspiel in Graz am Mittwoch ab 13:40 Uhr LIVE auf LAOLA1, Rückspiel in Köln am Sonntag) an Österreichs Chance.

"Alfred steht vor einer Herkules-Aufgabe", denkt Szilagyi - bezogen auf Alfred Gislason, Neo-Teamchef der Deutschen und zuvor bis 2019 jahrelang Coach in Kiel.

Deutsche Handball-Tugenden werden fehlen

Während Österreich zwar mit Nikola Bilyk nach seinem Kreuzbandriss den Superstar und mit Janko Bozovic einen weiteren Leistungsträger der Heim-EURO vorgeben muss, ist das DHB-Aufgebot von noch mehr Ausfällen betroffen.

Vor allem in der Mitte muss Gislason völlig improvisieren, mit Kapitän Patrick Wiencek, Steffen Weinhold und Hendrik Pekeler - bester Defensiv-Spieler der EURO - haben auch aus Kiel drei Spieler abgesagt. Allesamt, weil sie das Corona-Risiko bei der anstehenden WM in Ägypten nicht mit sich vereinbaren können.

"Auch, wenn gute Spieler da sind, heißt das: Der Verbund muss taktisch neu aufgebaut werden. Das kann eigentlich erst im Verlaufe des WM-Turniers geschehen. Das kann eine Chance für Österreich sein: Die deutschen Tugenden im Handball, starke Abwehr, starker Mittelblock - das kann am Anfang noch nicht funktionieren", denkt Szilagyi.

Corona bremst die Neuaufstellung aus

"Ich weiß von vielen deutschen Klubs, die die spusu LIGA und das Nationalteam intensiv verfolgen und ihre Spieler sehr wohl auf ihren Scouting-Listen haben - auch Top-Klubs."

Die EURO 2020 verlief für Deutschland mit Rang fünf enttäuschend. Die Folge war die Entlassung von Trainer Christian Prokop: "Man wollte sich im Hinblick auf Olympia neu aufstellen, hatte kurzfristige Ziele."

Corona bremste diese Pläne aus. "Nicht nur personell, auch durch die Gegebenheiten ist man weit weg vom Ideal. Das gilt für alle WM-Favoriten, die nicht wissen, wie sie tatsächlich auflaufen können", sieht Szilagyi die Deutschen verwundbar wie sonst vielleicht nie.

Bilyk kann niemand ersetzen

Das Problem natürlich: Auch Österreich schöpft nicht aus den Vollen, ist ebenfalls lange nicht zusammengekommen, und ein Nikola Bilyk ist nicht zu ersetzen: "Solche Spieler sehe ich bei allem Respekt in Österreich nicht, das ist auch völlig logisch. Niko fehlt als Spieler und Persönlichkeit selbst uns", bedauert der 42-Jährige, bei dessen Verein Bilyk aktiv ist.

"Seine Top-Ziele kann Österreich nur mit einem Top-Spieler wie ihn erreichen. Aber es haben schon viele Veranstaltungen gezeigt, dass es eine Möglichkeit für Spieler sein kann, die sonst nicht im Rampenlicht stehen - und da gibt es gute Leute in Österreich, die tolle Erfahrungen bei einer Heim-EM erst kürzlich machen konnten", freut sich Szilagyi auf die Vorstellung beim ersten Stelldichein nach dem EM-Erfolg.

 

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Nichtsdestotrotz ist Deutschland für die ÖHB-Legende klarer Favorit. Das EM-Quali-Doppel gegen Österreich ist die einzige WM-Probe, und "sie haben auch öffentlich kommuniziert, dass sie das Vollgas angehen werden. Andererseits ist die Erwartungshaltung sehr groß gegenüber einer Mannschaft, die viel Erfahrung verloren hat."

Wenn das ÖHB-Team es schaffe, ein Spiel lange offen zu gestalten, "dann taucht vielleicht eine Nervosität auf, die man als Underdog nutzen kann."

Scouts haben ihre Augen drauf

Es wäre eine Möglichkeit für viele ÖHB-Spieler, auf sich aufmerksam zu machen, nachdem Bilyks langer Schatten wegfällt. Denn Szilagyi weiß gerade in seiner Funktion: "Ich weiß von vielen deutschen Klubs, die die spusu LIGA und das Nationalteam intensiv verfolgen und ihre Spieler sehr wohl auf ihren Scouting-Listen haben - auch Top-Klubs."

In der heimischen Liga sei zuletzt sehr gut gearbeitet worden, das kommt an: "Weil immer wieder Spieler fertig in die Bundesliga gekommen sind und keine lange Eingewöhnungszeit gebraucht haben. In diesem Bereich hat man sehr aufgeholt."

Nicht erst seit seiner Generation werden österreichische Spieler mit "sehr großem Respekt" in Deutschland gesehen. So sei es auch das Zukunftsmodell der spusu LIGA, gute Legionäre mit starken, jungen Spielern zu kombinieren, die schnell den nächsten Schritt ins Ausland machen können und werden: "Da muss die Liga, die sich sehr gut entwickelt hat, ihr Standing verstehen."

Mit Fackeln am Flughafen

Vielleicht sorgt ein Achtungserfolg in zumindest einem der beiden Duelle dafür, dass österreichische Namen auf besagten Scouting-Listen dick unterstrichen werden. Erst vor sechs Jahren gelang so eine Überraschung zuletzt - allerdings nur in einem Freundschaftsspiel und noch mit der "alten Generation", der auch Szilagyi angehörte.

Zeit für das "neue" ÖHB-Team, Eindruck in Deutschland zu hinterlassen, was beim EURO-Duell in der Zwischenrunde mit 22:34 gar nicht gelang. Das war allerdings Österreichs schwächste Vorstellung im ganzen Turnier.

Eine Siegesfeier müsste den Corona-Umständen entsprechend ausfallen - aber Szilagyi hat nun in Kiel nach dem CL-Titel gesehen, wie das ausschauen kann: "Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben uns am Flughafen mit Fackeln empfangen, Polizei und Feuerwehr mit Blaulicht und Sirene - auch der Flughafen hatte etwas vorbereitet."

Für so einen Empfang in der Heimat müsste Österreich in Ägypten wohl Weltmeister werden. Ein Sieg über Deutschland rückt aber jede Sportart für einen Moment mitten ins österreichische Herz. Es wäre eine gute Grundlage für das Großereignis vor der Tür.

EM-Quali Österreich-Deutschland - ab 13:40 Uhr LIVE auf LAOLA1>>>

Textquelle: © LAOLA1.at

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