Keine Macht den Spompanadeln

Aufmacherbild Foto: © GEPA
 

Keine Macht den Spompanadeln

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Die jüngste Länderspielserie unseres Handball-Nationalteams war mit einem Sieg aus fünf Tests nicht gerade berauschend.

Doch vor allem einer zauberte Teamchef Patrekur Johannesson ein Lächeln in sein manchmal recht grimmig wirkendes Wikinger-Gesicht: Julian Ranftl.

Der 20-Jährige am rechten Flügel war eine der Entdeckungen des ÖHB-Jänners, avancierte gegen Tschechien gemeinsam mit Alterskollegen Ante Esegovic sogar zum Topscorer.


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„Es würde mich nicht wundern, wenn ihn internationale Top-Klubs wie Flensburg oder Kiel nicht schon auf dem Zettel haben“, lobt der Isländer.

Conny Wilczynski, Manager von Ranftls Verein Westwien, sieht es ähnlich. „Vom Potenzial her sehe ich nach oben keine Grenzen“, meint der ehemalige Torschützenkönig der deutschen Bundesliga.

Mit dem richtigen Rhythmus

Allesamt Worte, welche die Vermutung nahelegen, dass wir es hier womöglich mit dem nächsten ÖHB-Senkrechtstarter zu tun haben, der international von sich reden macht.

Eine Annahme, die zum augenblicklichen Zeitpunkt jedoch gleichermaßen verfrüht wie kontraproduktiv wäre.


Julian Ranftl - Ready for take-off:


Denn gerade, wenn man sich in Ranftls Umfeld umhört, fällt bei Mitspielern, Trainern, Manager bis hinauf zum Teamchef irgendwann immer der gleiche Satz: Er muss auf Handball fokussiert bleiben.

Um keinen falschen Eindruck zu erwecken: Der Ranftl ist gewiss ein ehrgeiziger Trainierer, gleichzeitig gehört er jedoch auch zu jenem Typ Spieler, die sich auch abseits des Courts ausdrücken.

Das Internet bietet hierfür bekanntermaßen eine Hülle an Möglichkeiten. Neben seinem Instagram-Account findet man etwa auf Youtube ein Motivationsvideo mit ihm, in dem er praktisch aus dem Stand auf ein 1,60 Meter hohes Podest springt. Sieht mühelos aus:

Und dann wäre da noch die Musik. „Im Sommer habe ich begonnen, Lieder zu schreiben“, verrät er. Zwei davon sind mittlerweile fertig. Er suche nur noch nach den passenden Beats, zu denen er das dann rappen bzw. singen kann. „Das ist jetzt nicht so seriös, aber ich möchte mal sagen können, dass ich einen Song gemacht habe“, ergänzt er. Ihm selbst gefällt seine Musik, seine Freunde seien jedoch gespaltener Meinung.

Auf die Frage, wie sein Vereins-Trainer Hannes Jon Jonsson seine Musik findet, reagiert Ranftl fast ein wenig verlegen: „Er weiß glaube ich noch nichts davon. Ich hoffe, er erfährt auch nichts davon, weil er sonst wieder denken könnte, dass ich mich nicht auf Handball konzentriere.“ Und mit einem Mal wird deutlich, dass dieses „Mantra“, des Sich-ja-nicht-ablenken-lassens seine Wirkung beim Spieler selbst nicht verfehlt hat.

Vor allem Jon Jonsson erweckt nicht den Anschein, als ob er ein großer Fan jedweder Spompanadeln ist. Selbst, als wir Ranftl im Zuge eines Drehs bitten, uns nach dem Training ein paar Trickwürfe zu zeigen, macht der Isländer unmissverständlich klar, dass er von verschnörkelten Moves nicht viel hält. „Ihm gefällt das gar nicht. Er will, dass wir ganz gerade Würfe auf das Tor machen“, will sich Ranftl auch daran halten.

In die Wiege gelegt

Während er insbesondere im Wurf noch Luft nach oben bei sich sieht, liegen seine Stärken im physischen Bereich. Seine Schnelligkeit und Sprungkraft kommen nicht von ungefähr. Bis zu seinem zwölften Lebensjahr war Ranftl parallel zum Handball in der Leichtathletik aktiv.

„Zu einem Teil ist das aber auch erblich bedingt“, spielt er auf seinen Vater Ousmane an, der aus Mauretanien über den Sudan nach Österreich kam.

„Er war auch Leichtathlet, ist dann mit dem Alter in den Ausdauersport gewechselt.“ Mittlerweile ist Ousmane bereits zum 25. Mal beim Vienna City Marathon mitgelaufen. „Das macht er jedes Jahr“, meint Sohnemann Julian, der beim größten Lauf-Event des Jahres bisweilen nur den 4,2 Kilometer langen Coca-Cola-Kidsrun in Angriff genommen hat.

In Sachen Sprungkraft passt er auch hervorragend zu einem seiner Vorbilder. Luc Abalo. Der französische Rechtsaußen ist quasi die menschgewordene Sprungfeder. Generell ist Ranftl durchwegs francophil. Paris St. Germain, den Klub von Abalo, nennt er als seinen Lieblings-Verein, Thierry Henry ist sein Lieblings-Kicker.

Nichts überstürzen

Interessierte Vereine für den Youngster gibt es tatsächlich. Allerdings nichts Konkretes, wie sowohl Ranftl als auch Wilczynski einräumen. „Es stimmt, dass ihn ein paar Vereine auf ihrer Liste haben, aber auf so einer Liste stehen mitunter viele Namen drauf“, so der Manager, der den Linkshänder bei den Westwienern derzeit gut aufgehoben sieht.

„Ich denke, dass er für seine Entwicklung gut beraten ist, wenn er seinen Vertrag bei uns (bis Sommer 2018; Anm.) erfüllt“, meint Wilczynski, der in der „positiven Verrücktheit“ Ranftls einen Gewinn sieht. Wenn die Zeit gekommen sei, wolle man ihm keine Steine in den Weg legen.

Johannesson sieht die nähere Zukunft seines Neo-Nationalspielers ähnlich. „Er ist jung und muss sich erst in der österreichischen Liga auf Dauer als Top-Spieler etablieren. Er muss weiter Schritt für Schritt machen, um sich von ähnlichen Spielern abzuheben“, sagt der 44-Jährige.

Wichtig dafür seien lediglich zwei Dinge: Geduld und eben der nötige Fokus. Zumindest letzteres dürften sie ihm schon eingetrichtert haben.



Textquelle: © LAOLA1.at

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