Pöltl: "Das hat mich überrascht"

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Die erste Regular Season von Jakob Pöltl in der NBA befindet sich auf der Zielgeraden.

Aufgrund der starken Konkurrenz bei Top-Team Toronto kommt er zwar nicht auf allzu viele Einsatzminuten, konnte sich bei seinen Kurzeinsätzen aber immer wieder empfehlen.

"Das Einzige, das mich ein bisschen überrascht hat, war, dass da keine Konstanz war. Es geht von 0 Minuten bis zu Phasen, in denen ich regelmäßig 10 bis 15 Minuten auf dem Parkett bin", sagt der Wiener im APA-Interview.

Im Schnitt kommt der Big Man auf 10 Minuten, 2,1 Punkte und 2,6 Rebounds pro Spiel. Warum man seine Stärken in den Stats nicht sieht, wie zufrieden er mit seiner ersten Saison ist und warum er manchmal einen Eiskönigin-Rucksack tragen muss, verrät Jakob Pöltl im großen Interview:

APA: Sie spielen in einem der zehn besten Basketball-Teams der Welt. Wie sehr ist Ihnen das bewusst, und wie findet man in so einem Team seinen Platz?

Pöltl: Es ist nicht leicht, wenn man als Rookie (Neuling/Anm.) in so ein Team reingeworfen wird. Man muss sich erst einmal das Vertrauen von den Coaches und Mitspielern erarbeiten, weil die Erwartungshaltung sehr hoch ist. In anderen Teams werden jungen Spielern mehr Fehler erlaubt, weil es nicht so wichtig ist, ob das Spiel gewonnen wird oder nicht. Da geht es mehr darum, Spieler zu entwickeln. Das ist bei uns nicht so einfach, weil mehr Druck da ist, und weil wir um eine Meisterschaft mitspielen.

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APA: Wie sehr empfinden Sie es als Privileg, in Ihrer ersten Saison schon bei so etwas dabei sein zu können?

Pöltl: Es ist sehr cool. Das ist die andere, die positive Seite, dass man von solchen Erfahrungen lernen kann, die andere Rookies vielleicht nicht machen. Die bekommen mehr Spielzeit, dafür erfahren sie nicht, wie es ist, mit Routiniers zu spielen, die wissen, was es braucht, um zu gewinnen in einer Liga wie der NBA. Das ist nicht alltäglich. Man muss auch lernen, woran es zu arbeiten gilt, um erfolgreich zu sein. Da habe ich gegenüber anderen Rookies einen Vorteil, wenn ich schon im ersten Jahr so etwas miterleben kann.

APA: Es würde viele andere Teams geben, bei denen Sie sehr viel mehr spielen würden. Was können Sie von Topspielern wie Jonas Valanciunas oder Serge Ibaka lernen, die vor Ihnen zum Einsatz kommen?

Pöltl: Man kann einiges lernen - nicht nur im Training, sondern auch beim Zuschauen. Alleine wie sie agieren auf dem Parkett, was es ausmacht, warum sie so gut sind. Dazu kommt das Training, in dem ich regelmäßig gegen sie spiele. Da gibt es täglich Möglichkeiten, etwas Neues dazuzulernen und mit dieser Herausforderung besser zu werden.

APA: Kommen wir zu Ihrer eigenen Saison: Mit welchen Dingen waren Sie bisher zufrieden, mit welchen nicht?

Pöltl: Im Großen und Ganzen bin ich, so wie es bisher gelaufen ist, sehr zufrieden. Natürlich gab es Höhen und Tiefen. Ich habe gut angefangen. Es war nicht leicht, sich zurechtzufinden. Dann gab es Phasen, in denen ich mit meiner eigenen Leistung nicht so zufrieden war und wenig bis gar nicht gespielt habe. Das war nicht immer leicht. Im Jänner war es zäh, weil wir als Team nichts zusammengebracht haben. Es gab aber auch sehr viele positive Phasen, in denen ich meine Chance bekommen habe.

APA: Hätten Sie sich grundsätzlich mehr Spielzeit erhofft?

Pöltl: Das würde ich gar nicht sagen. Das Einzige, das mich ein bisschen überrascht hat, war, dass da keine Konstanz war. Es geht von 0 Minuten bis zu Phasen, in denen ich regelmäßig 10 bis 15 Minuten auf dem Parkett bin. Es war nicht einfach, sich darauf einzustellen, nicht zu wissen, wie viel man spielen wird. Das war die größere Herausforderung. Die Minuten waren phasenweise ganz gut. Wenn ich nicht gespielt habe, gab es auch Gründe - dass wir individuell sehr gut besetzt sind oder gegen bestimmte Gegner mit einer kleineren Rotation spielen.

APA: In den USA wird eine Leistung sehr viel differenzierter bewertet. In Österreich nehmen die meisten Leute Statistiken wahr. Da war die Erwartungshaltung an Sie als ersten Österreicher in der NBA sehr hoch. Wie gehen Sie damit um, zwischen den Erwartungen und der Realität zu stehen, sich erst hineinkämpfen zu müssen?

Pöltl: Mir war das gar nicht so bewusst, dass die Erwartungshaltung so hoch war. Ich für mich selbst weiß, dass ich kein Spieler bin, der große Statistiken macht. Was mich als Spieler ausmacht, sieht man nicht in Statistiken. Ich bin sehr aktiv in der Verteidigung, das ist alles schwer herauszulesen. Ich habe grundsätzlich kein Problem damit. Ich versuche, meinen eigenen Fokus beizubehalten und mein Ding zu machen. Wenn ich das gescheit mache, wird sich das längerfristig, auch was die Stats angeht, in eine positive Richtung entwickeln. Da mache ich mir keine Sorgen.

APA: Es ist Ihr großes Ziel, lange in der Liga zu bleiben. Im ersten Jahr ist vieles neu. Für wie wichtig halten Sie das zweite Jahr?

Pöltl: Das zweite Jahr ist wichtig, keine Frage. Das Wichtige für mich ist aber, dass die Kurve insgesamt nach oben zeigt. Ich will mich jedes Jahr verbessern und eine größere Rolle annehmen, um mich als Spieler weiterentwickeln zu können. Wenn man sich nach den ersten vier Jahren, das ist so die Testphase, voll in der NBA etabliert hat, kann man auf den zweiten Vertrag und vielleicht auch den dritten schauen. Dazu ist es wichtig, dass ich jedes Jahr mindestens einen Schritt nach vorne mache. Es gilt, während der Saison Erfahrung zu sammeln, aber auch im Sommer gescheit zu arbeiten. Es wird eine weitere Chance kommen, mich zu beweisen, die muss ich dann nutzen.

Alle europäischen Top-Ten-Draft-Picks der NBA-Geschichte. Jakob Pöltl ist in illustrer Gesellschaft.

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Detlef Schrempf war der erste Europäer, der unter den ersten Zehn gedraftet wurde: 1985 entschieden sich die Mavericks an Nummer 8 für den Deutschen. Er schaffte es einmal ins All-NBA Third Team, war dreimal All-Star und zweimal Sixth Man of the Year. Mit den Sonics stand er 1996 in den Finals.

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1988 wurde Rik Smits von den Pacers an Position 2 ausgewählt. Der 2,24 m große Niederländer spielte zwölf Jahre für Indiana. Der "Dunkin' Dutchman" ist einfacher All-Star und stand zum Abschluss seiner Karriere 2000 in den Finals.

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Zehn Jahre nach Smits wurde Dirk Nowitzki 1998 von den Bucks als Nr. 9 gepickt und zu den Mavericks getradet. Der Deutsche ist mittlerweile NBA-Champion, MVP, Finals-MVP, zwölffacher All-NBA-Teamer (4x First Team) und 13-facher All-Star.

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2001 drafteten die Hawks an 3. Stelle Pau Gasol, der Pick wurde an die Grizzlies getradet. Der Spanier gewann mit den Lakers zweimal den Titel, schaffte es viermal in All-NBA-Teams (2x Second, 2x Third), ist sechsfacher All-Star und war Rookie of the Year.

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Weniger glorreich ging es 2002 weiter: Die Nuggets holten Nikoloz Tskitishvili als Nr. 5. Der Georgier enttäuschte völlig und hielt sich nur vier Jahre in der NBA - bei einem Punkteschnitt von 2,9. Zuletzt spielte er im Iran.

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Darko Milicic wurde 2003 von den Pistons als Nr. 2 ausgewählt und damit vor Dwyane Wade, Carmelo Anthony und Chris Bosh. Als Rookie wurde der Serbe zwar NBA-Champ, in seinen zehn NBA-Saisonen kam er allerdings auf nur 6,0 Punkte pro Spiel.

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Ben Gordon (2004, Nr. 3, Bulls) steht stellvertretend für einige "halbe" Europäer: In London geboren, kam er noch als Säugling mit seinen jamaikanischen Eltern in die USA. Weitere Beispiele: Rony Seikaly (Libanon, wuchs in Griechenland auf), Michael Olowokandi (Nigeria, wuchs in England auf) oder aus der Frühzeit Vern Mikkelsen (Sohn eines Dänen) und Tom Meschery (Sohn von Russen).

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Andrea Bargnani ist die bislang einzige europäische Nr. 1 im Draft. Der Italiener wurde 2006 von den Raptors gepickt. Obwohl er beispielsweise 2010/11 21,4 Punkte pro Partie erzielte, konnte er seinen Top-Pick-Status nie rechtfertigen.

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2007 entschieden sich die Bulls an 9. Position für Joakim Noah. Der Triple-Staatsbürger (FRA, USA, SWE) schaffte es 2014 ins All-NBA First Team und war Defensive Player of the Year. Zudem ist der Sohn von Tennis-Legende Yannick Noah zweifacher All-Star.

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Danilo Gallinari ging 2008 als Nr. 6 an die Knicks. Der italienische Forward spielt seit einem Trade 2011, durch den Carmelo Anthony nach New York kam, für die Nuggets und erzielte in der Saison 2015/16 19,5 Punkte im Schnitt.

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2009 wählten die Timberwolves Spaniens Jungstar Ricky Rubio an 5. Stelle. Der Point Guard kam 2011 in die NBA und seither auf durchschnittlich 10,1 Punkte, 8,3 Assists und 2,2 Steals. Auf einen Playoff-Einzug wartet Rubio bislang vergeblich.

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2010 wurden gleich drei Europäer in den Top-Ten gedraftet. Den Anfang machten die Jazz mit Enes Kanter als Nr. 3. Der in der Schweiz geborene Türke wurde 2015 zu den Thunder getradet und zog heuer in die Conference Finals ein. Karriere-Schnitt: 10,7 Punkte.

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An 5. Stelle drafteten die Raptors Jonas Valanciunas. Der Litauer, neuer Teamkollege von Jakob Pöltl, war von Beginn an Starting Center, stand dreimal in den Playoffs. Der U19-WM-, U18-EM- und U16-EM-MVP hält bei Durchschnittswerten von 11,3 Punkten und 8,2 Rebounds.

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An Nr. 6 entschieden sich die Wizards für Jan Vesely. Der Tscheche kam in vier NBA-Jahren auf nur 3,6 Punkte und 3,5 Rebounds und ist mittlerweile einer der Stars bei Euroleague-Finalist Fenerbahce Ülker Istanbul.

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Alex Len ging 2013 als Nr. 5 an die Suns. In den vergangenen zwei Saisonen stand der ukranische Center in 90 Spielen in der Starting Five. 2015/16 kam er auf 9,0 Punkte und 7,6 Rebounds pro Partie.

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Kristaps Porzingis wurde 2015 von den Knicks an 4. Stelle ausgewählt. Der Lette stand in all seinen 72 Spielen in der ersten Fünf und schlug mit 14,3 Punkten, 7,3 Rebounds und 1,9 Blocks voll ein. Er gilt wegen seiner Kombination aus Größe (2,20 m), Athletik und Wurfstärke als kommender Superstar.

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Ebenfalls 2015 entschieden sich die Magic an 5. Stelle für Mario Hezonja. Der kroatische Außenspieler, U16-EM-MVP, stand in seiner ersten Saison neunmal in der Starting Five und kam in 17,9 Minuten auf 6,1 Punkte.

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Dragan Bender wurde im aktuellen Draft an 4. Stelle von den Suns gedraftet. Der in Bosnien/Herzegowina geborene Kroate spielte zuletzt bei Maccabi Tel Aviv in Israel.

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An 9. Position schließlich schrieb Jakob Pöltl österreichische Sportgeschichte. Der Wiener war der Wunschkandidat der Toronto Raptors.

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APA: Woran arbeiten Sie im Moment hauptsächlich?

Pöltl: Wir trainieren viel individuell. Zur Zeit liegt der Fokus viel auf Werfen, auch auf den Bewegungen unter dem Korb. Es geht darum, das Offensivpaket zu erweitern. Andererseits geht es darum, die Rolle, die wir als Rookies offensiv im Moment erfüllen, zu perfektionieren - viel abseits des Balles arbeiten, Ableger verwerten und aushelfen, wo wir können.

APA: Es ist noch ein bisschen mehr als ein Monat bis zu den Play-offs. Wie gut fühlen Sie sich darauf vorbereitet?

Pöltl: Ich war noch nie da, aber vom Hören her ist es in den Play-offs sehr viel intensiver. Es wird noch einmal um einiges härter gespielt und die Rotation noch einmal ein bisschen gekürzt. Ich werde schauen, dass ich mit maximalem Fokus reingehe und mich vorher damit auseinandersetze, dass ich dann von der erhöhten Schnelligkeit und dem erhöhten physischen Anteil nicht überrascht werde. Das könnte sonst ein Problem sein. In den Play-offs gibt es kein Mitleid mehr.

APA: Auch die Belastungen der regulären Saison sind gewöhnungsbedürftig. Wie geht es Ihnen körperlich?

Pöltl: Eigentlich ganz gut. Am Anfang der Saison war es eine größere Herausforderung, weil es noch ungewohnt war. Mittlerweile bekommt man ein bisschen Routine rein. Ich spiele auch keine 40 Minuten pro Spiel. Ich trainiere zwar mehr als die meisten anderen, aber insofern ist es für mich einfacher, eine 82-Spiele-Saison zu verkraften. Die Saison ist wirklich lang. Man könnte es als Eingewöhnungsphase sehen, sich mit limitierter Spielzeit an so eine Saison zu gewöhnen. Darauf kann man dann für die Zukunft aufbauen, auch körperlich.

APA: Die arrivierten Spieler überlegen sich gerne Aufgaben für die Neulinge. Was war das Dümmste, das Sie bisher haben machen müssen?

Pöltl: Bis jetzt waren keine großartigen Sachen dabei. Das Dümmste waren wahrscheinlich ein paar Tanz-Performances. Dazu ein paar Klassiker wie ein Rookie-Rucksack (jenen von Pöltl ziert die Eiskönigin/Anm.). Aber Sachen, die ich gehört habe, wie das Auto mit Popcorn vollfüllen oder so einen Schmarrn, das ist mir noch nicht passiert. Es beschränkt sich hauptsächlich auf Taschentragen oder hier und da mal ein bisschen 'Happy Birthday' singen, wenn jemand Geburtstag hat.

Textquelle: © LAOLA1.at/APA

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