Verstappen: "Mad Max" war einmal

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"Kappe ab. Das ist ein Jahrhunderttalent.“ Niki Lauda zog im Jahr 2016 sein berühmtes rotes Kapperl. Vor einem 18-Jährigen. Vor Max Verstappen.

Der Niederländer hatte damals beim Grand Prix von Spanien sensationell seinen ersten Sieg in der Formel 1 geholt. Die Königsklasse feierte überschwänglich ihr neues Siegergesicht, sogar von einem Wunderkind war die Rede.

Drei Jahre später ist Verstappen 21 - immer noch blutjung - , aber aus dem Kind ist ein Mann geworden.

Man könnte aber auch sagen: Everybody’s Darling war einmal. Heute polarisiert Max Verstappen, bekam sogar den Spitznamen „Mad Max“ verpasst. In diesem Jahr zeigt er allerdings eine neue Seite von sich.

Verstappen hat die Rennfahrer-DNA

Verstappen wird mit der Rennfahrer-DNA geboren, er hat Benzin im Blut. Vater Jos Verstappen war in den 1990er-Jahren eine Weile Weggefährte von Michael Schumacher bei Benetton, brachte es von 1994 bis 2003 auf 106 Starts in der Formel 1. Seine Mutter Sophie Kumpen fuhr ebenso wie sein Großvater Kart, auch seine jüngere Schwester Victoria gilt in dem Metier als talentiert.

Verstappens Interesse am Motorsport wurde im zarten Alter von vier Jahren geweckt. Schon damals wusste er seinen Willen durchzusetzen: Nach monatelangem Betteln bekam er von seinen Eltern ein Go-Kart geschenkt, obwohl sein Vater eigentlich damit warten wollte, bis Klein-Max sechs Jahre alt ist.

„Ich weinte und drängte weiter und bettelte bei meiner Mutter um ein Go-Kart“, erzählt Verstappen. Er hatte mit seiner Taktik Erfolg und bekam sein Kart. „Es war aber ziemlich langsam, also haben wir es am nächsten Tag umgetauscht.“

Schon damals konnte es Verstappen nicht schnell genug gehen. In rasantem Tempo entwickelte sich seine Karriere, immer unter Beobachtung von Red Bull. 2014, als Verstappen in der Formel 3 fuhr, kam es dann zu ernsthaften Verhandlungen.

"Er war ein sehr erwachsener Mensch in einem sehr jungen Körper. Normal ist es umgekehrt.“

Marko über den jungen Verstappen

Helmut Marko erinnert sich: "Ich sprach eineinhalb Stunden mit ihm. Normalerweise dauert es so um die 30 Minuten, aber das war ein sehr langes und gutes Gespräch. Er war ein sehr erwachsener Mensch in einem sehr jungen Körper. Normal ist es umgekehrt.“

Verstappen: Anders, als alles zuvor

Auf der Strecke wusste Verstappen erst recht zu überzeugen. "Es war unglaublich, wie er das Auto unter Kontrolle hatte. Es war einfach so komplett anders als alles, was ich je zuvor gesehen hatte“, schildert Marko. 

Bei Red Bull war man so von Verstappen fasziniert, dass man ihm 2015 - damals war der Niederländer gerade einmal 17 Jahre alt - ein Cockpit bei der Toro Rosso in der Formel 1 anbot. Zu diesem Zeitpunkt hatte er noch nicht einmal einen KfZ-Führerschein.

"Viele hatten Zweifel, dass er den großen Schritt in die Formel 1 schaffen würde. Aber er war ein Fahrer mit so viel Talent, er hatte etwas ganz Einzigartiges. Es war eine ganz offensichtliche Entscheidung“, erklärt Christian Horner, mittlerweile Teamchef von Red Bull Racing. 

Verstappen selbst hatten im Gegensatz zu seinem Vater und vielen anderen keine Zweifel. "Manchmal kommt es zu früh, aber in meiner Karriere war es immer so. Ich war bei allem immer der Jüngste.“

Das setzte sich auch in der Formel 1 fort. Nachdem Daniil Kvyat Anfang der Saison 2016 nicht die erwartete Leistung brachte, wurde Verstappen von Toro Rosso zu Red Bull Racing "befördert" - und sorgte für die Sensation schlechthin. Er gewann gleich das erste Rennen für RBR, den eingangs erwähnten Grand Prix von Spanien, ohne jemals in dem Auto getestet zu haben. Damit ist er bis heute der jüngste Rennsieger (18 Jahre und 228 Tage) in der Geschichte der Formel 1. 

Verstappen wird zu "Mad Max"

"Er hat ein inneres Selbstvertrauen in sich selbst und seine Fähigkeiten“, erklärt Horner. Marko ergänzt: "Er hat den absoluten Siegeswillen. Er will gewinnen, jedes Mal.“

Doch genau diese hartnäckige Entschlossenheit, die ihm oft als jugendlicher Leichtsinn ausgelegt wurde, war es, die Verstappen im Laufe seiner Formel-1-Karriere Kritik einbrachte. Vor allem in seiner Anfangszeit handelte er sich durch übermotivierte Manöver und seine besonders aggressive Fahrweise den Ärger anderer Piloten, aber auch von Offiziellen und vielen Fans ein. 

"Am Anfang war das ein ziemliches Problem, weil er immer aufs Ganze ging, sogar in den freien Trainings“, gibt Helmut Marko zu. 

Dafür musste Verstappen Lehrgeld bezahlen. Etwa beim Rennen in Monaco im Vorjahr, als er durch einen Unfall seine Chance auf den Sieg vergab. Am Ende der vergangenen Saison musste er nach einem Ausraster in Brasilien Sozialstunden in der Formel 1 leisten und als "erzieherische und aufklärerische" Maßnahme bei einem Rennen der Formel E einen Tag lang die Arbeit der Rennkommissare aus der Nähe beobachten. Kritik lässt er sich nur selten gefallen, weshalb er einem Journalisten schon einmal mit einem Kopfstoß drohte.

Aufgrund solcher Aktionen wurde Verstappen der Spitzname "Mad Max" verpasst. "Ich war niemals 'Mad Max'. Ich war einfach Max, der versucht hat, das beste Ergebnis für das Team einzufahren", rechtfertigt sich der 21-Jährige. 

Verstappen als gereifter Teamleader

"Mad Max" war also gestern, stattdessen sieht sich Verstappen als reifer Teamleader. Denn mit dem Abgang von Daniel Ricciardo bei Red Bull nach dem Ende der vergangenen Saison ist Verstappen nun endgültig die Nummer eins bei den "Bullen“, alle Hoffnungen ruhen auf dem Niederländer. 

Diese will er in seiner fünften Formel-1-Saison erfüllen. Deshalb zeigt sich der fünffache Grand-Prix-Sieger in diesem Jahr bisher von einer neuer Seite.

"Das ist meine fünfte Saison, also gibt es keine Ausreden mehr. Jetzt muss ich gereift sein."

Max Verstappen

"Ich zähle mich nicht mehr zum jungen Eisen, weil ich bereits vier Saisonen gefahren bin. Das ist meine fünfte Saison, also gibt es keine Ausreden mehr. Jetzt muss ich gereift sein", stellt Verstappen schon vor Saisonbeginn klar. 

Nach einem starken Saisonfinish 2018 mit fünf Podestplätzen in Folge landete Verstappen in der aktuellen Saison im Red Bull in jedem der bisherigen acht Rennen in den Top fünf. Die großen Aufreger blieben bisher aus. In Spielberg (15:10 Uhr im LIVE-Ticker) hoffen über 20.000 Oranje-Fans auf eine Wiederholung seines Sieges aus dem Vorjahr. 

"Als Fahrer werde ich mich nie ändern"

Reife und Erfahrung schön und gut, aber "als Fahrer werde ich mich nie ändern“, stellt Verstappen klar. "Ich werde immer versuchen, das bestmögliche Ergebnis einzufahren. Ich fahre nicht mit, um Zweiter oder Dritter zu werden. Ich bin ein Siegertyp und möchte jedes einzelne Rennen gewinnen. Ich gebe immer alles dafür.“

Genau dieses Verständnis vom Rennfahren, gepaart mit der nötigen Reife und Erfahrung, könnte für Verstappen in Zukunft der Schlüssel zu weiteren, noch größeren Erfolgen sein. Schon bei seinem Debüt-Sieg wurde er als ein kommender Weltmeister bezeichnet. 

"Er wird immer stärker und er ist noch so jung. Er hat gerade erst angefangen, sein wahres Talent zu entfalten“, glaubt Christian Horner. "Für die Zukunft sehe ich zwei herausragende Fahrer: Max und Charles Leclerc. Die beiden werden das nächste Jahrzehnt dominieren.“

Max Verstappen im Red Bull auf dem Grazer Schlossberg. Die besten Bilder:

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Textquelle: © LAOLA1.at

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