Toto Wolff hofft auch 2018 auf Mercedes-Dominanz

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Die kurze Weihnachts-Pause des Formel-1-Zirkuses nützt Mercedes-Chef Toto Wolff, um in seiner Heimatstadt Wien die Akkus aufzuladen.

Die APA traf den 45-Jährigen, der erst kürzlich seinen Vertrag beim Serien-Weltmeisterteam bis 2020 verlängert hat, zum Gespräch. Wolff warnt vor den überzogenen Erwartungen an den Mercedes-Motor, der an der Tausend-PS-Grenze kratzt: "Das heißt nicht, dass wir auch morgen noch gewinnen."

Zudem lässt er das Jahr 2017 Revue passieren, in dem die "Silberpfeile" ihren bereits vierten Fahrer- und Konstrukteurstitel in Folge gewinnen konnten:

Hamilton-Verlängerung möglich

Ängste, dass ihn ein Jahr nach Nico Rosberg auch Weltmeister-Pilot Lewis Hamilton mit einem überraschenden Rücktritt schocken könnte, plagten Wolff dabei nicht wirklich. "Momentan sieht es nicht danach aus", beruhigte der 45-jährige Wiener. Er könne sich vielmehr sogar eine Verlängerung über 2018 hinaus vorstellen.

Serien-Meisterschaft kein Selbstverständnis

Wolff hofft jedenfalls, dass die Marke mit dem Stern nicht wie seinerzeit Red Bull nach vier Jahren erlischt, sondern auch 2018 und darüber hinaus die 2014 mit dem radikalen Reglementbruch begonnene Dominanz in der Motorsport-Königsklasse fortsetzen kann. Gerade 2017 sei diesbezüglich ein wichtiger Fingerzeig gewesen, weil da mit radikal neuen Autos gefahren wurde. "Wir waren das erste Team, das es geschafft hat, über eine große Regeländerung hinweg erfolgreich zu bleiben. Das hat es davor nicht gegeben und zeigt, dass das Rad gut geschmiert ist und gut läuft."

Der Erfolg sei der ganzen Mercedes-Mannschaft zuzuschreiben, wollte Wolff nicht sich als Teamchef oder den Aufsichtsratsvorsitzenden Niki Lauda, sondern die Teams in Brackley und Brixworth ins Schaufenster stellen. Nichtsdestotrotz sei das keine Erfolgs-Garantie, warnte Wolff im APA-Gespräch. "Es ist wichtig, die eigene und externe Erwartungshaltung zu managen. Man kann in der Formel 1 als der stärksten Motorsport-Rennserie der Welt nicht davon ausgehen, dass man jedes Jahr Meisterschaften gewinnt. Dazu ist die Konkurrenz zu stark."

"Unsere Vorteile werden schrumpfen"

Dass man auf der Motorenseite in der Vergangenheit stets gut aufgestellt gewesen ist, sei zwar Tatsache. "Aber die Konkurrenz hat gerade 2017 enorm aufgeholt. Die Vorteile, die wir beim Motor hatten, werden weiter schrumpfen, weil das Reglement gleich geblieben ist", fürchtet Wolff.

Dem Ex-Rennfahrer gefällt, dass die Formel 1 unter der neuen Eigentümerschaft von Liberty Media offener und kommunikativer geworden ist. 2018 möchte man dann aber auch konkrete Ergebnisse sehen, es geht ja auch um viel Geld.

"Formel 1 immer attraktiver"

Dass Mercedes mit der Ankündigung des DTM-Ausstieges überraschte, hat laut Wolff nichts mit der Formel 1 zu tun. "Die Formel 1 wird bei Mercedes im Moment nicht infrage gestellt", betonte der Motorsportchef. "Sie ist eine der ganz wenigen globalen Sportarten, die funktionieren", verwies der Österreicher auf über 80 Millionen Live-Zuschauer pro Rennen und ein "Riesen-Exposure für den Konzern und unsere Partner". Insofern sei die Formel 1 nach wie vor ein ideales Schaufenster für die eigene Motorentechnologie und Hybrid-Kompetenz.

2017 habe man auch deutlich attraktivere Autos erlebt, ist Wolff von einer Image-Wende überzeugt. "Sie sind spektakulärer geworden. Die Downforce und die G-Kräfte sind enorm. Wir erzielen Kurvengeschwindigkeiten, die es davor nie gegeben hat. Wir brechen alle Rundenrekorde aus der Zehnzylinder-Ära", betrieb er deshalb Werbung für die aktuellen Boliden.

Wolff sprach sogar vom "schnellsten Auto auf dem Planeten." Dies müsse man aber auch kommunizieren. "Da hat sich das vorherige Regime der Formel 1 nicht als Cheerleader engagiert, sondern das Thema heruntergeredet", sprach Wolff vor allem die Ecclestone-Ära an.

"Halo" stößt auf wenig Gegenliebe

Mit einem Teil hat aber auch Wolff gar keine Freude, nämlich mit dem 2018 obligatorischen Kopfschutz "Halo". Es sei ästhetisch nicht ansprechend. "Am liebsten würde ich es absägen." Man könne so einen Schutz für die Fahrer natürlich nicht außer Acht lassen. "Aber vielleicht hätten wir an einer optisch ansprechenderen Lösung arbeiten sollen. Ich hoffe, es fällt uns für die Zukunft was anderes ein."

"Auer muss alles niederreißen"

Dass es irgendwann wieder ein Fahrer aus seinem Heimatland Österreich in die Formel 1 schaffen könnte, hofft auch der am Bodensee lebende Jung-Papa Wolff. Die Kriterien dafür seien aber einfach und international gültig. "Ein Großteil der Formel-1-Fahrer hat Meisterschaften gewonnen. Das ist der Schlüssel, um auch Österreicher wieder nach vorne zu bringen. Ich wäre der erste, der sich darüber freuen würde."

Mit Lucas Auer hatte ein Mercedes-DTM-Fahrer sogar erste Formel-1-Tests absolvieren dürfen. Der 23-jährige Tiroler bekommt 2018 noch einmal die Chance, sich auf der DTM-Bühne für Höheres zu empfehlen. "Dazu", so Wolff, "muss er aber alles niederreißen. Aber das weiß er."

Textquelle: © LAOLA1/APA

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