Ein Aufstieg, der untypischer kaum sein könnte
Der Weg in die Formel 1 scheint für einen Piloten eigentlich vorgeschrieben zu sein: Vom Kartsport, dem Umstieg zu regionalen Serien und schließlich in den Formelsport soll es für die talentiertesten Youngsters im F1-Zirkus gehen.
Für Kimi Antonelli war der Weg aber schon immer ein anderer. Nachdem er sich auf Anhieb den Titel in der italienischen Formel 4 holte, begeisterte er auch in anderen Nachwuchsserien. Dank dieser Erfolge übersprang Antonelli die Formel 3 und ebnete sich mit starken Leistungen in seiner Debütsaison in der Formel 2 direkt den Weg in die Königsklasse.
Schon mit 13 Jahren schaffte er es ins Nachwuchsprogramm von Mercedes. Fünf Jahre danach war es dann soweit. Antonelli bekam 2024 am Trainingsfreitag in Monza die große Chance, sein Talent in der F1 unter Beweis zu stellen. Doch nach nur zehn Minuten blieb er im Kiesbett in der Parabolica stecken.
"Das war der schwierigste Moment in seiner Karriere. Ein Moment, wo jeder Zweifel hatte", erinnert sich Mercedes-Teamchef Toto Wolff zurück. Dennoch schenkte der Wiener ihm das Vertrauen und übergab ihm das Cockpit von Lewis Hamilton in die Hände.
Der Reifeprozess lässt die Konkurrenz staunen
Dass es Geduld benötigt, war den Verantwortlichen der "Silberpfeile" im Vorhinein bewusst. Deswegen mahnten Wolff und Co. auch nach mehreren Fehlern in seiner Debütsaison zur Nachsicht. Antonelli wirkte noch verkrampft und zu verbissen.
Nur wenige Monate danach entwickelte sich Antonelli aber zu einem wahren Siegfahrer. Er begeistert und verbindet ein großes Talent mit einem gehörigen Lerntempo und beweist schon über die ganze Saison 2026 eine Abgebrühtheit, die man eigentlich nur von erfahrenen Piloten kennt. Zudem bringt Antonelli auch eine jugendliche Frische und große Freude am puren Racing ins Fahrerlager.
Genau deswegen schien es auch so, als ob sein Mercedes-Teamkollege George Russell über die gesamte Saison auf verlorenem Posten stehen würde.
Vor dem Saisonbeginn galt der Brite eigentlich noch als großer Titelfavorit. Endlich hatte Russell einen konkurrenzfähigen Boliden, mit dem der WM-Titel scheinbar zum Greifen nahe war. Antonelli erstickte aber spätestens mit dem Triumph in Monte Carlo und der Aufholjagd in Monza jede WM-Hoffnung von Russell im Keim.
Ein Talent, das seinem Idol der Kindheit selbst nachstrebt
Kein Wunder also, dass sofort Parallelen mit dem bis dato noch jüngsten F1-Champion gezogen werden. Denn auch Sebastian Vettel zeichnete sich als Youngster mit seiner Unbekümmertheit aus. Sobald er aber in seinen Boliden einstieg, kam sein gnadenloser Fahrtstil zur Geltung. Nicht umsonst war der Deutsche für Antonelli auch der Held seiner Kindheit.
Sein frühes Talent erkannte mit Hamilton auch sein Vorgänger. "Ich würde Kimi nehmen", meinte der Rekordchampion schon vor dem F1-Debüt von Antonelli bezüglich seiner Nachfolge. Vermutlich erinnerte sich der Brite dabei an seinen eigenen Einstieg in die Formel 1.
Auch Hamilton unterzeichnete nämlich 2006 ohne Erfahrungen in der Formel 1 bei McLaren sofort einen Vertrag bei einem Topteam. Neben ihm wechselte Fernando Alonso nach seinen beiden WM-Titeln mit Renault zu McLaren. Schon beim ersten Rennen bot er dem Spanier die Stirn und fuhr auf das Podium. Beinahe hätte er sich auch mit dem WM-Titel in seiner ersten Saison belohnt, dieser sollte schließlich ein Jahr danach folgen.
Ein neuer Nationalheld beendet die lange Durststrecke
Für einen Sportler ist aber natürlich auch die Begeisterung im eigenen Land gegenüber seinen Leistungen wichtig. Diese Euphorie entfachte Antonelli trotz seines steilen Aufstiegs erst dank des Heimsieges in Monza. Schweren Herzens verfolgten die "Tifosi" nämlich vorher noch seinen ersten GP-Sieg in China und die frühe Siegesserie.
Nun erarbeitete er sich aber auch in Italien einen Heldenstatus. Um sich endgültig in die Geschichtsbücher einzutragen, fehlt eben nur noch ein letzter Schritt. Dann bekommen die Italiener nach dem zweiten WM-Titel von Alberto Ascari vor 73 Jahren wieder einen WM-Champion. Eine Leidenszeit, die zu Ende geht!