Die (ungewohnte) Fahrerfrage bei Red Bull Racing

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Die Situation ist wohl ungewohnt für die Red-Bull-Teamchefs: Aus der eigenen Nachwuchspyramide drängt sich derzeit kein Pilot für den Aufstieg in die Formel 1 auf.

Yuki Tsunoda, der 20-jährige Japaner, ist vier Rennen vor Schluss Dritter der Formel 2, das würde wohl für die Superlizenz reichen. Er darf zum Saisonende in Abu Dhabi den Young Driver Test im AlphaTauri bestreiten. Ob er F1-tauglich ist, bleibt abzuwarten. Noch vor Tsunoda liegt in der F2-Wertung der Brite Callum Ilott (21), doch der war einmal Red-Bull-Junior und wurde längst "ausgeladen".

Die Frage drängt sich auf, weil sich Alex Albon mit höchst schwankenden Leistungen nicht für eine Verlängerung an der Seite von Max Verstappen bei Red Bull Racing aufdrängt - nicht wenige Beobachter wie Ex-Weltmeister Nico Rosberg halten den Thai-Briten sogar jetzt schon für austauschwürdig - trotz seines dritten Platzes in Mugello. Das sei zu wenig, um Red Bull zu einem Anwärter auf die Konstrukteurs-WM zu machen, der Abstand zu Verstappen sei zu groß, die Resultate zu mickrig, sagen die Außenstehenden. Doch Red Bulls Motorsportchef Helmut Marko hält (noch) an Albon, der in der WM derzeit Siebenter ist, fest.

Sollte jedoch von den vier Red-Bull-Cockpits für 2021 eines frei werden, wer käme dann in Frage?

Das Dilemma von Red Bull

Tsunoda wohl kaum, aus der Formel 3 kommt kein Überflieger wie einst Vettel oder Verstappen nach. Also müssten sich Marko, Christian Horner und Franz Tost außerhalb des Imperiums umsehen, und da werden immer wieder die aktuell für 2021 noch arbeitslosen Sergio Pérez und Nico Hülkenberg genannt, die beide jenseits der 30 sind und als Routiniers nicht wirklich ins Schema einer "Nachwuchsförderung" passen.

Auch der vorjährige, relativ kurze Versuch mit dem Mexikaner Pato O'Ward brachte keine überzeugenden Leistungen – wiewohl sich der 21-Jährige heuer in der IndyCar-Serie voll etablierte und vor dem Finale in St. Petersburg an fünfter Stelle des Gesamtklassements liegt. Und auch Lucas Auer, wie O'Ward 2019 in der japanischen Super Formula, schaffte dort nicht die Resultate, die eine Superlizenz gebracht und eine ernsthafte Überlegung nach sich gezogen hätten.

Das Dilemma wäre einzigartig, denn bisher konnte sich Red Bull immer mit Nachrückern aus dem eigenen Programm bedienen, und sei es auch mit der Heimholung von einst geförderten, dann verstoßenen und schließlich wieder akzeptierten Fahrern (siehe Hartley, Albon).

Die Tops und Flops unter den Red-Bull-Piloten

18 Piloten fuhren bisher für Red Bull in einem (oder auch in beiden) Team(s).

Um bei den Flops zu beginnen: Zwei schafften keinen WM-Punkt (Vergleiche nicht ganz zulässig, da unterschiedliche Punktsysteme): Robert Doornbos, der 2006 Christian Klien für drei Rennen "beerbte", und Scott Speed, der seinem Namen leider wenig gerecht wurde.

Am anderen Ende der Erfolgsskala scheinen die Sieger auf. Allen voran Sebastian Vettel (2007 bis 2014) mit 39 Siegen (38 RBR, 1 Toro Rosso) plus vier WM-Titeln in 113 Rennen für RBR plus 25 für STR. Vier weitere Red-Bull-Fahrer holten Siege: Mark Webber (2007 bis 2013) neun in 129 Rennen, Max Verstappen (seit 2015) ebenfalls neun in 90 (plus 23 für STR). Daniel Ricciardo (2012 – 2018) stand in 100 Rennen für RBR sieben Mal auf dem obersten Podest (plus 39 für STR). Und schließlich Überraschungsmann Pierre Gasly (2017 bis 2018 und ab 2019 46 Rennen für STR/AT, dazu 2019 12 für RBR) mit einem Erfolg zuletzt in Monza.

Die Bilanz aller Red-Bull-Piloten in der Formel 1:

David Coulthard (2005 – 2008): 71 Rennen/60 Punkte

Christian Klien (2005 – 2006): 28/11 (plus 18/3 2004 als RB-Pilot für Jaguar Racing)

Vitantonio Liuzzi (2005 – 2007): 39/5

Robert Doornbos (2006): 3/0

Scott Speed (2006 – 2007): 28/0

Sebastian Vettel (2007 – 2014): 138/1617 plus 39 Siege

Mark Webber (2007 – 2013): 129/978,5 plus 9

Sébastien Bourdais (2008 – 2009): 27/6

Sébastien Buemi (2009 – 2011): 55/29

Jaime Alguersuari (2009 – 2011): 46/31

Daniel Ricciardo (2012 – 2018): 139/986 plus 7

Jean-Éric Vergne (2012 – 2014): 58/51

Daniil Kvyat (seit 2014): 104/184

Carlos Sainz jun. (2015 – 2017): 56/112

Max Verstappen (seit 2015): 113/1095 plus 9

Brendon Hartley (2017 – 2018): 25/4

Pierre Gasly (seit 2017): 58/177 plus 1

Alex Albon (seit 2019): 32/156

Textquelle: © LAOLA1.at

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