Was von 2015 übrig bleibt

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Die High- und Lowlights der F1-Saison 2015

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Höhen, Tiefen, viel dazwischen.

Das Formel-1-Jahr 2015 wird keines sein, an das man sich in zehn oder 20 Jahren noch gerne zurückerinnern wird. Zu klar war die Überlegenheit von Mercedes, zu schwach die Konkurrenz.

Kleine und größere Geschichten wurden dennoch geschrieben. Sebastian Vettel erlebte einen vielversprechenden Neubeginn, Max Verstappen hinterließ als jüngster Fahrer aller Zeiten einen bleibenden Eindruck und McLaren-Honda erlebte ein Desaster.

In Erinnerung bleibt auch der 17. Juli 2015. Jener Tag, an dem Jules Bianchi seinen Überlebenskampf verloren hat. Er ist das erste Todesopfer in der Formel 1 seit über 20 Jahren.

Das waren die High- und Lowlights des Formel-1-Jahres 2015:

TOP: LEWIS HAMILTON

Für Fans des extrovertierten Briten war das Jahr 2015 ein einziges Fest. Dominanz war in dieser Saison sein zweiter Vorname. 10 Siege, nur zwei Mal nicht am Podium, davon einmal nicht im Ziel. Ein zweifellos überragender Bolide hat ihm dies ermöglicht, aber Nico Rosberg hatte - im Vergleich zum Vorjahr - einfach keine Chance. Auch, weil Hamilton das Quali-Duell - sonst eine Stärke Rosbergs - klar für sich entscheiden konnte. Durch diese Erfolgs-Saison macht sich der 30-Jährige immer mehr zur F1-Legende, zumindest wenn es nach den Zahlen geht: Mit 43 Siegen ist er nun der erfolgreichste aktive Pilot (Dritter insgesamt), nur Schumacher (7), Fangio (5), Prost und Vettel (4) haben mehr Titel als er und nur Schumacher (68) und Senna (65) haben mehr Pole Positions als er (49). Geht das nächste Saison so weiter? Wahrscheinlich!

 

TOP: VETTELS FERRARI-DEBÜTJAHR

Es war ein wunderbarer Beginn einer erfolgsversprechenden Beziehung. Der Heppenheimer war nach seinem Red-Bull-Abgang der einzige, der die silberne Dominanz durchbrechen und drei Mal gewinnen konnte. Damit sorgte Vettel für Abwechslung in dieser Saison. Mit vielen starken Darbietungen seines Könnens eroberte er auch das Herz der Tifosi im Sturm, lernte fleißig ihre Landessprache und sang in Abu Dhabi seinem Renningenieur sogar auf italienisch "Happy Birthday". Nach den Jahren als eiskalte Rennmaschine bei Red Bull macht Vettel in der Ferrari-Familie wieder einen menschlicheren, sympathischeren Eindruck. Das liegt auch daran, dass das Team auf ihn zugeschnitten ist, selbst der Teamkollege. Für den Sport muss man sich wünschen, dass die Roten 2016 noch einen Schritt nach vorne machen

Was bringt 2016 für den Senkrechtstarter?

TOP: MAX VERSTAPPEN

Ein Kind ohne Führerschein soll Formel 1 fahren? So oder so ähnlich lauteten viele Ansagen vor dem Debüt von Max Verstappen in der Königsklasse. Der mittlerweile 18-Jährige gab die Antwort auf den Rennstrecken dieser Welt. Zwar schied er vier Mal aus, entschied aber das Rennduell gegen Teamkollege Sainz klar mit 10:7 für sich. Verstappen begeisterte die F1-Fans nicht nur durch seine Ergebnisse, sondern vor allem durch richtig starke Manöver, z.B. gegen Ricciardo in Malaysia, Maldonado in Monaco oder zuletzt gegen Perez in Brasilien. Das ist großer Mut, gepaart mit großer Klasse und viel Potenzial. Nicht alle Manöver gingen gut aus, in Monaco gegen Grosjean ging er zu weit. Aber grundsätzlich zeigte Verstappen, dass er das Zeug zu einem künftigen Weltmeister hat. Hut ab!

TOP: FORCE INDIAS BESTE SAISON

Wer hätte das gedacht? Zu Jahresbeginn kämpfte das Team von Vijay Mallya mit gehörigen finanziellen Problemen, die ersten Testfahrten in Jerez verpasste man, da das Auto nicht fertig war, bei den zweiten war man nur mit einem umlackierten 2014er-Auto dabei. Auch die ersten Rennen liefen enttäuschend. Mit der Einführung der B-Version des VJM08 in Silverstone ging es aber sukzessive bergauf. Das Highlight setzte Sergio Perez mit Platz drei in Russland. Es war der dritte Podestplatz in der Teamgeschichte. Am Ende landete man in der Konstrukteurs-WM auf dem fünften Platz - so weit vorne war man noch nie. Da das Fahrer-Duo Hülkenberg-Perez für das kommende Jahr bereits bestätigt ist, bleibt nur zu hoffen, dass die Negativmeldungen bezüglich der Finanzen in der nächsten Saison einmal ausbleiben.

TOP: COMEBACK IN MEXIKO

23 lange Jahre musste Mexiko warten, bis wieder einmal ein Formel-1-GP im Land stattfand, doch nicht nur Niki Lauda ("Das ist das Beste, das ich je im Leben gesehen habe") fand, dass sich das Warten gelohnt hat. 134.850 Zuschauer und die spektakuläre Durchfahrt eines Baseball-Stadions machten den Grand Prix unvergesslich. "Es ist wunderbar, ich habe so etwas noch nicht erlebt, es fühlt sich an wie ein Fußball-Spiel", kam selbst Weltmeister Hamilton ins Schwärmen, Sieger Nico Rosberg fühlte sich gar "wie ein Rockstar". Diese Begeisterung tut der Königsklasse mehr als gut, doch auch der Vize-Weltmeister kann sich nicht erklären, "warum das in Deutschland nicht so ist".

FLOP: MCLAREN-HONDA

Hohe Ziele, ein routiniertes Top-Fahrerduo und dann das: Die Rückkehr von Honda als Motorenhersteller in der Formel 1 wurde zum Desaster. Es gab gerade einmal sechs Punkteplatzierungen, ganze zwölf Mal schieden Jenson Button und Fernando Alonso in Summe aus. Die Frustration war zwischenzeitlich riesig. "Das ist ein GP2-Motor! Das ist peinlich!", schnaubte Alonso. Irgendwann gaben die Fahrer auf und nahmen ihre aussichtslose Situation mit Humor. Der sich sonnende Spanier im Liegestuhl etwa wurde zum Internet-Hit. Wie aber soll sich die sportliche Lage verbessern? Nur Honda die Schuld zu geben, wäre falsch. Das Team hatte - aufgrund des seltsamen Regulativs - kaum Möglichkeiten für Entwicklungen. Wie lange es dauert, bis McLaren wieder um Siege mitfahren kann, ist derzeit nicht abzuschätzen.

FLOP: RED BULLS MOTORENTHEATER

Gefühlt die gesamte Saison über drohte Red Bull Racing mit dem Ausstieg aus der Königsklasse. Grund dafür war der Zoff und die gegenseitige Schuldzuweisung für die unbefriedigenden Leistungen mit Motorenlieferant Renault. Sogar von einem Alternativ-Motor war irgendwann die Rede, nachdem andere potenziellen Partner nacheinander absagten. Erst Ende November bestätigte Teamchef Christian Horner, die Zukunft des Teams in der Königsklasse sei gesichert und ein Motorenpartner endlich fixiert. Die Vermutung liegt nahe, dass letzendlich alles beim Alten bleibt und sich RBR und Renault auch 2016 wieder die Verantwortung für eventuelle mangelnde Konkurrenzfähigkeit gegenseitig in die Schuhe schieben werden. "Es wird ein Motor sein, der sich hoffentlich über die Saison hinweg verbessert. Unser Start wird schwierig, aber wir sind zuversichtlich, dass wir Fortschritte machen werden", hatte Horner angedeutet. Also: Auf ein Neues, 2016!

Giedo van der Garde

FLOP: SAUBER-PROBLEME UND FINANZNÖTE

Schon der Auftakt in Australien verhieß nichts Gutes. Sauber hatte drei Fahrer unter Vertrag woraufhin Giedo van der Garde sein Cockpit einklagte. Letztlich erhielt der Niederländer eine Ausgleichszahlung von 15 Millionen Euro. Auch Manor-Marussia startete mit Verspätung und Riesenproblemen. Die Zukunft von Dauer-Problemkind Lotus ist bis heute nicht geklärt. Mehrmals hatte der Rennstall Liquiditätsprobleme, in Suzuka wurde deshalb der Crew vorübergehend sogar der Zutritt zur Hospitality verwehrt. Eigentlich hätte die Übernahme durch Renault längst verkündet werden sollen, eine Absichtserklärung wurde von den Franzosen bereits unterschrieben. Aber was sind solche Dinge in der Formel 1 schon wert...

FLOP: LAAAANGEWEILE

Formel Gähn! Hat man Anfang des Jahrtausends bei der Siegesserie Michael Schumachers oder auch während der Red-Bull-Ära gedacht, eintöniger geht es nicht mehr, beweist die Saison 2015, dass man noch einen draufsetzen kann. Den Silberpfeilen gelangen ein Dutzend Doppelsiege (2014: 11) sowie 703 Zähler (2014: 701) und 32 Podestplätze. In der gesamten Saison gab es nur drei Sieger: Neben Weltmeister Lewis Hamilton (10 Erfolge ) und Vize Nico Rosberg (6) konnte lediglich Sebastian Vettel dreimal triumphieren und damit zumindest in Malaysia, Ungarn und Singapur für etwas Abwechslung sorgen. Auch der USA-GP ist eine Erwähnung wert, zwar feierte Hamilton dort am Ende sowohl den Sieg als auch den vorzeitigen Weltmeister-Titel, dennoch punktete das Wochenende in Texas mit Spannung, spontanen Regentanz-Einlagen und zahlreichen Überholmanövern. Davon abgesehen kann man als Fan enger und umkämpfter Rennen nur hoffen: Alles neu macht 2016! Ein möglicherweise frommer Wunsch, aber man weiß ja nie. In diesem Sinne verabschiedet sich die F1 in den Winter. Das letzte Farewell geht an Susie Wolff, die ihre Karriere beendet hat. Wer weiß, wann wieder einmal eine Frau einem F1-Cockpit so nahe kommt wie sie...

 

Andreas Terler / Henriette Werner

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang»
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