ÖSV-Damen erhöhen Druck auf Herren

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Wer hätte das gedacht?

Nach drei Bewerben bei der Ski-WM in St. Moritz hat Österreich zwei Medaillen auf dem Konto. Zugegeben, das mag keine Überraschung sein – folgender Fakt aber schon: Beide Male durfte eine ÖSV-Dame über Edelmetall jubeln.

Okay, die Frauen haben einen Bewerb mehr bestritten, dennoch liefern sie bislang weit über den Erwartungen ab. Ich will gar nicht sagen, dass die Herren nicht abliefern, nach einem Bewerb wäre das viel zu früh. Mir geht es darum, einmal zu betonen, wie genial die rot-weiß-roten Girls sind.

Was Schröcksnadel bewirkte

Die Erwartungen vor WM-Beginn waren gering. Minimal, um ehrlich zu sein. ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel sagte nicht umsonst vor dem Start des Großevents, dass er „von den Mädels nichts erwarten“ würde.

Das meinte er gar nicht respektlos, es war einfach die Wahrheit. Nach einer Saison, in der die Damen in den ersten zwölf Weltcup-Rennen der Saison (schlechtester Start der Geschichte) ohne Podestplatz blieben und in 26 Rennen nur viermal auf das Podium fuhren, konnte man eigentlich keine Medaille erwarten.

Mit dieser Aussage bewirkte der Boss zwei Sachen: Erstens konnten die Damen ohne Druck darauf losfahren, zweitens wurden sie trotzdem ein bisschen angestachelt. "Dem zeigen wir es!", sozusagen.

Und so kam es. Nicole Schmidhofer raste im Super-G sensationell zu Gold, Michaela Kirchgasser legte Bronze in der Kombination nach.

Druck auf Herren wächst nochmals

Damit stehen die Herren in der Abfahrt am Samstag (12 Uhr/LIVE im LAOLA1-Ticker) schon unter Druck. Und das ist der große Unterschied: Von den Männern erwartet die Öffentlichkeit Medaillen – am besten in jedem Rennen.

Nach 20 Podestplatzierungen in 26 Bewerben in dieser Saison auch zurecht. Aber diese Erwartungshaltung macht die Sache keinesfalls leichter. Die Damen hatten hingegen nichts zu verlieren. Hätten sie bei dieser WM keine Medaille geholt, wäre es auch kein Drama gewesen.

Schließlich fallen mit Cornelia Hütter die beste Speed-Fahrerin und mit Eva-Maria Brem das RTL-Aushängeschild aus. Anna Veith, eigentlich eine Medaillen-Bank, ist nach ihrer schweren Verletzung ebenfalls noch nicht bei hundert Prozent.

ÖSV-Damen in 4 der letzten 5 WMs mit mehr Medaillen

Und trotzdem liegen die Frauen nach drei Bewerben mit 2:0 in Führung. Wer nun denkt, dass dieser Trend etwas ganz Neues ist, liegt falsch. Eine einfache Frage: Wie oft holten die Damen in den letzten fünf Weltmeisterschaften mehr Medaillen als die Herren? Die Antwort: Vier Mal. Nur in Schladming 2013 holten die Männer öfter Edelmetall als die weiblichen Kolleginnen.

Und so könnte es auch in St. Moritz kommen. Dass Marcel Hirscher aktuell mit einer Grippe flach liegt, ist hinsichtlich Medaillen-Jagd auch nicht gerade förderlich Obwohl ich überzeugt bin, dass Hirscher selbst geschwächt mindestens zwei Medaillen holt – all diese Sachen tragen dazu bei, dass der ohnehin schon große Druck auf die ÖSV-Männer noch größer wird.

Und in den ersten Rennen war zu sehen, was ein „freier Kopf“ bewirken kann. Die Herren können sich nur vom Druck befreien, wenn in der Königsdisziplin eine Medaille gewonnen wird. Das Potenzial dazu haben die vier Starter allemal.

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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