Goldbrich-Abgang in den Vorstand

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Goldbrich: Abgang in den Vorstand?

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Gerhard Goldbrich und der SK Sturm gehen getrennte Wege. Oder doch nicht ganz? Eine merkwürdige, von vielen Dissonanzen begleitete Amtszeit geht ebenso zu Ende.

Der SK Sturm ist zu Saisonbeginn der Bundesliga in aller Munde. Ein überraschender Auftaktsieg gegen den Meister, und am Mittwoch wurde ein Wechsel in der wirtschaftlichen Geschäftsführung bekanntgegeben. Auf vermeintlich eigenen Wunsch legt Gerhard Goldbrich seine Agenden in der Geschäftsstelle bei den Schwarz-Weißen zurück und wechselt zur Gratiszeitung „Der Grazer“, Teil der Regionalmedien Austria AG, die wiederum zu 50 Prozent der Styria Media Group gehört. Thomas Tebbich, früher ATG-Geschäftsführer und beim Projekt Spielberg tätig, folgt Goldbrich mit Ende September nach.

"Auf eigenen Wunsch heißt es in der Aussendung der Grazer, wiewohl es ausreichend Indizien dafür gibt, dass dieser eigene Wunsch ähnlich groß gewesen ist wie damals, als Günter Kreissl als Sportchef anstelle von Goldbrich präsentiert worden ist."

Als Paukenschlag und überraschende Wende wurde dieser Wechsel vielfach in ersten Reaktionen bezeichnet. Viel realistischer ist es allerdings, dass sich der Abgang, der übrigens kein kompletter Bruch mit dem SK Sturm werden soll, von Goldbrich seit längerem intern abgezeichnet hat. Es war ein Abschied auf Raten für den 49-Jährigen. Zunächst seine, wiewohl anders kommuniziert, Degradierung vom General Manager zum nur mehr wirtschaftlichen Geschäftsführer und jetzt der Abschied von der verbliebenen Leitungsfunktion. „Auf eigenen Wunsch“ heißt es in der Aussendung der Grazer, wiewohl es ausreichend Indizien dafür gibt, dass dieser eigene Wunsch ähnlich groß gewesen ist wie damals, als Günter Kreissl als Sportchef anstelle von Goldbrich präsentiert worden ist.

Zunächst haben sich die Gerüchte und Wortmeldungen unter der Hand in den letzten Wochen immer mehr verdichtet, der Vorstand des SK Sturm sei längst mehrheitlich für einen Abgang des Geschäftsführers Wirtschaft aus ebendieser Funktion. Es ginge nur noch um das „Wie“. Sprich eine Lösung, mit der Goldbrich das Gesicht wahren kann, würde präferiert. Auch einen Nachfolger hätte man schon bei der Hand, hieß es, nur die Jobsuche für Gerhard Goldbrich schien sich schwierig zu gestalten. Das hat sich nun mit Freiwerden der Geschäftsführung beim „Grazer“ offenbar erledigt. Und der Neue stand sofort Gewehr bei Fuß und wurde zugleich mit dem Abgang des Alten kommuniziert. Nach überraschendem Coup klingt das nicht unbedingt.

Das neue Büro des Gerhard Goldbrich wird im Styria-Tower zu finden sein. Rund um diese Rochade ist es weiters keineswegs auszuschließen, dass Friedrich Santner bei der „Jobsuche“ für Gerhard Goldbrich seine Finger mit im Spiel hatte. Der Aufsichtsratsvorsitzende ebenjenes Konzerns, wohin es Goldbrich nun verschlagen hat, und frühere Sturm-Funktionär ist dem Verein noch immer eng verbunden und hat möglicherweise hier den einen oder anderen Faden gezogen. Man mag nicht so recht an einen Zufall glauben. So oder so, wer auch immer dafür letztinstanzlich verantwortlich war, Gerhard Goldbrich und der SK Sturm gehen getrennte Wege. Zumindest operativ.

"Schwer argumentierbar, wie der Geschäftsführer eines Mediums beim potenziellen Gegenstand der Berichterstattung im Vorstand sitzen kann."

Eine äußerst verwunderliche Zeile befand sich nämlich auch im Aussendungstext der Schwarz-Weißen: „Vorbehaltlich der Zustimmung des neuen Dienstgebers, ist geplant Goldbrich in den Vorstand des Grazer Bundesligisten zu kooptieren.“ Das lässt einen schon mit einem Kopfschütteln zurückbleiben. „Wozu“?, ist die erste Frage, die einem in den Sinn kommt. Vielen Tränen werden Goldbrich wohl nicht nachgeweint, seine Erfolgsbilanz hält sich in engen Grenzen und es wird wohl einige geben, die auf eine Ablehnung dieses Ansinnens von Seiten des neuen Dienstgebers hoffen. Der das übrigens aus meiner Sicht auch tun müsste. Schwer argumentierbar, wie der Geschäftsführer eines Mediums beim potenziellen Gegenstand der Berichterstattung im Vorstand sitzen kann.

Ein klarer Schnitt und klare Verhältnisse anstatt eines erneuten, internen Herumgeschiebes wären außerdem die sauberere Lösung gewesen. Das ist allerdings, wie hinlänglich bekannt, nicht die ganz große Stärke der Sturm-Verantwortlichen. Die eine oder andere Abhängigkeit oder anderweitige Verbandelung darf hinter diesem merkwürdigen Schritt vermutet werden. Oder wie es ein Sturm-Insider bezüglich dieses Ansinnens am Mittwoch formuliert hat: „Das ist wohl einer gewissen Entscheidungsschwäche geschuldet.“ Goldbrich könnte zumindest bei seinem Ausscheiden Geradlinigkeit und Stärke beweisen und das Mandat im Vorstand nicht annehmen. Man könnte ihm dann zumindest für den Abschied Respekt zollen.

Jürgen Pucher war Gründungsmitglied der Plattform „sturm12.at“ und hat dort über Jahre hinweg mit seiner Kolumne „12 Meter“ die Diskussionen rund um den Grazer Verein und den österreichischen Fußball extrem bereichert. Nun beschäftigt er sich als Betreiber der Podcast-Plattform "blackfm.at" mit den Geschehnissen bei den Schwarz-Weißen. Bei LAOLA1 verfasst er in regelmäßigen Abständen Gastkommentare zum Geschehen im heimischen Kick.

Sportlich schreibt Sturm positive Schlagzeilen:


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