Fränky muss schnell Franz werden

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Fränky muss schnell Franz werden

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Am Montag Stefan Reiter, am Donnerstag Josef Pühringer. Große Ären gehen in dieser Woche in Oberösterreich zu Ende. SV Ried ohne Stefan Reiter. Auch am zweiten Tag nach der Trennung irgendwie noch nicht vorstellbar. Über 20 Jahre war der 56-Jährige für die Oberösterreicher als Manager tätig, nun wurde seine Ablöse vom sechsköpfigen Präsidium angeführt von Geschäftsführer Roland Daxl einstimmig beschlossen. In der Woche des Frühjahrsstarts in der Bundesliga haben die Innviertler ihren Fels in der Brandung verabschiedet und im bevorstehenden Kampf gegen den Abstieg für viel Unruhe im Verein gesorgt. An den Spielern geht das nicht spurlos vorüber, an Trainer Christian Benbennek - von Reiter geholt - ohnehin nicht. Als Nachfolger wurde am Mittwoch Fränky Schiemer bestätigt. Der betritt als 30-Jähriger absolut neues Terrain, als völlig unerfahrener Funktionär. Einem jungen Mann eine Chance zu geben, dagegen ist nichts zu sagen. Aber die Rahmenbedingungen dafür müssen auch passen.

Altach könnte es sich in dieser Situation leisten. Doch kann die SV Ried dieses Risiko nehmen? Mut kann den Wikingern nicht abgesprochen werden, aber nicht immer wird Mut auch belohnt. "Wer als Erster die Nerven wegschmeißt, steigt ab", sagte mir Reiter einmal vor einem Start in die Frühjahrssaison. Fakt ist: Mit Reiter stieg Ried nie ab, "nur" auf. Als die Innviertler 2003 den Gang in die zweite Spielklasse antreten mussten, arbeitete der Senftenbacher für Pasching (erfolgreich) in der Bundesliga. Dem Vernehmen nach gab es vor allem zwischen Daxl und Reiter unüberbrückbare Differenzen, die nicht mehr zu kitten waren. Vor einem Jahr hatte Reiter offenbar selbst seinen Rücktritt angeboten, später musste er erstmals in seiner Ära einen Vertrag unterschreiben. Nun wurde Mr. Ried, der sich auch um vieles rund um den Verein kümmerte, auf unwürdige Weise abserviert. Im Innviertel mag sich der Abschied angekündigt haben, in Rest-Österreich löste die Entscheidung durchwegs Unverständnis aus. Eine Faustregel lautet immer auch, einen besseren Nachfolger im Talon zu haben, wenn solch ein Schritt gegangen wird.


Die besten Bilder von Franz Schiemer als Kicker der SV Ried:

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Zum jetzigen Zeitpunkt ist klar zu sagen, dass Schiemer nicht die bessere Lösung ist als es Reiter gewesen wäre. Das Gute an der Schiemer-Bestellung: Es kommt ein „Local Hero“, der im rauen Innviertel nicht gleich mit einer komplett negativen Erwartungshaltung konfrontiert sein wird. Ein Beispiel aus der jüngeren Vergangenheit: Helgi Kolvidsson kam, sah und verlor. Nach sechs Bundesliga-Spielen wurde die Reißleine gezogen. Bei den „Wikinger“-Fans und in den Lokalmedien war der Isländer schon in der Vorbereitung unten durch. Der erfahrene Reiter wusste, was zu tun ist, und trennte sich von jenem Trainer, den er geholt hatte. Ein Trainer-Fehlgriff wie 2012 Heinz Fuchsbichler. Ja, Reiter unterliefen Fehler, aber er korrigierte sie rechtzeitig. Das bringt auch jahrelang Erfahrung mit sich. Reiter war selbst Anfang 30, als er in Ried zu arbeiten begann, aber damals in einer zweiten Liga. Die Liga-Reform, an der Reiter mitgearbeitet hat, bringt aktuell nur Vereinen wirklich etwas, wenn sie in der Zwölfer-Liga mitspielen. Vor allem wenn sie wie Ried bereits in die Infrastruktur investiert haben. „Absteigen verboten“ – nie war das Motto präsenter. Und nie schien die SV Ried unruhiger in der Zeit nach dem Wiederaufstieg. Klar, finanziell und sportlich war es immer wieder eng, aber Ried hat seit elf Jahren die Klasse gehalten, parallel sich etwas aufgebaut. Sportlich könnte es besser laufen und Ried ist etwas uninteressant geworden. Das Präsidium versucht das zu ändern, was absolut verständlich ist. Aber die aktuelle Art und Weise ist absolut nicht nachvollziehbar.

Einen Experten wie Reiter, der im vergangenen Jahr für den Klub auch wichtige Transfererlöse erzielte (Kragl, Murg und Filipovic), in dieser Phase abzuservieren, ist höchst gefährlich. Was wird Fränky Schiemer tun, wenn es zu Beginn des Frühjahrs nicht läuft? Ried gastiert als zweitschlechtestes Auswärtsteam beim WAC und empfängt danach Meister Red Bull Salzburg. Benbennek, der in Spielerkreisen nicht unumstritten sein soll, hat mit Reiter seinen Rückhalt und einen wichtigen Ansprech- und Austauschpartner verloren und wird dementsprechend mit sich selbst zu kämpfen haben. Keiner der sechs Vorstände ist sportlich kompetent genug und die Konkurrenz hat nicht geschlafen. Mattersburg hat sich punktuell gut verstärkt und mit Gerald Baumgartner einen neuen Trainer geholt. St. Pölten ist ob seiner neuen Spieler eine Wundertüte und ob des Umfelds aktuell auf einem Niveau mit Ried zu sehen, doch es ist ebenso nicht auszuschließen, dass der Aufsteiger eine bessere Rolle als im Herbst spielt. Die Innviertler selbst wollten einen Stürmer holen, bekamen aber keinen zu ihren finanziellen Bedingungen. Unseren Informationen zufolge versuchte Reiter u.a. Dimitri Oberlin (Salzburg) und Seifedin Chabbi (Sturm) zu bekommen. Und nur einen Stürmer zu verpflichten, um einen Stürmer zu haben, wäre mehr SKN (unter Schinkels) als SVR (unter Reiter). „Grünschnabel“ Schiemer, der parallel zu seiner Karriere eine Sportmanagement-Ausbildung genoss und danach Zweitliga-Co-Trainer in Liefering war, muss hoffen, dass sich die von Benbennek angesprochene sehr gute Vorbereitung und Weiterentwicklung der Mannschaft in Resultaten umschlägt.

Schiemer ist ein hervorragender Interview-Partner, aber in der sportlichen Gesamt-Verantwortung zu stehen, das ist etwas ganz anderes als als Spieler eine Niederlage zu kommentieren. Hinzu kommt: Schiemer hat nicht nur deswegen ein herausforderndes Frühjahr vor sich, sondern auch was die weitere Zukunft des Vereins betrifft. Nicht weniger als 14 Spieler-Verträge (!) laufen im Sommer aus. Schiemer muss mit Spielern und Beratern sprechen. Reiter hat diesbezüglich schon Vorgespräche geführt, aber die beginnen nun von Neuem. Schiemer kennt die Seite als Spieler, doch als Manager eines Vereins ist das wieder eine andere Geschichte. Der 25-fache Nationalspieler stand bei Jürgen Werner und „Stars and Friends“ unter Vertrag, seine Frau Eva arbeitete auch für die Berater-Agentur. Doch der Kontakt danach soll sich in Grenzen gehalten werden, vielleicht holt sich Schiemer nun Beistand (auch von Reiter, der seine SV Ried in dieser Hinsicht sicher nicht im Stich ließe und seinen ehemaligen Mitarbeitern gewiss auch unter die Arme greift). Aber so ist es noch unverständlicher, wie die Spitze in Ried handelt. Wenn es, wie gerne betont, in erster Linie um den Verein geht, hätte Schiemer unter Reiter lernen und eine saubere und reibungslose Ablöse stattfinden können – im Sinne des Vereins. So muss Fränky jetzt ganz alleine und sehr schnell zum Franz werden.

Textquelle: © LAOLA1.at

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