Straßen-WM: Österreichs Equipe um Gall mit Ambitionen
Sportdirektor Pils sieht Chancen, in selektivem Straßenrennen in Montreal "ganz vorne reinzufahren". Schweinberger ist trotz eines Handgelenksbruchs zuversichtlich.
Österreichs kleines Team ist mit Ambitionen zur Straßenrad-WM nach Montreal gereist.
Felix Gall will die Form von Platz drei bei der Vuelta, seines zweiten Grand-Tour-Podiums in dieser Saison, auf den enorm schwierigen Rundkurs in der kanadischen Metropole mitnehmen, auf dem nächsten Sonntag (27. September) als Abschluss der Titelkämpfe das Männer-Straßenrennen ausgefahren wird. Den Auftakt macht Christina Schweinberger diesen Sonntag im flachen Zeitfahren über 39,2 km.
Schweinberger holte 2023 in Glasgow im Kampf gegen die Uhr bereits WM-Bronze. Die Tirolerin hat seit einem Handgelenksbruch beim Start der Tour de France Anfang August aber kein Rennen mehr bestritten. "Sie ist eine Kämpferin. Vom Kurs her würde es für sie passen", sagte Cycling-Austria-Sportdirektor Roland Pils der APA.
Wegen der suboptimalen Vorbereitung seien die Chancen der 29-Jährigen aber schwer abschätzbar. "Für das Straßenrennen ist der fehlende Rennrhythmus sicher herausfordernder als im Zeitfahren."
Kein ÖRV-Profi im Zeitfahren im Start
Im Straßenrennen nächsten Samstag (26. September) über 180,4 km und 2.570 Höhenmeter tritt Schweinberger gemeinsam mit Katharina Sadnik und Carina Schrempf an. Bei den Männern absolviert Gall die 273,7 km an der Seite von Felix Großschartner und Patrick Konrad.
Im Zeitfahren geht keiner der ÖRV-Profis an den Start, weil selbst der versierte Großschartner gegen die Spezialisten um Olympiasieger und Serien-Weltmeister Remco Evenepoel im flachen Terrain wohl ohne Medaillenchance wäre.
Gall und Co. hoffen auf schnelles Rennen
Dafür dürfen sich Gall und auch Großschartner - Konrad dürfte sich eher in der Helferrolle wiederfinden - beim abschließenden Highlight der Titelkämpfe Chancen auf einen Coup ausrechnen.
"Wir gehen davon aus, dass es ein richtig schweres Rennen wird, bei dem nur die Stärksten übrigbleiben", erklärte Pils. Ein Ausscheidungsrennen auf dem Rundkurs mit drei Anstiegen, der nach einer flachen Anfahrt zwölfmal zu absolvieren ist, würde Gall in die Karten spielen.
Der Osttiroler war vor der Vuelta bereits Zweiter beim Giro d'Italia. "Auch wenn du kein ausgewiesener Ein-Tages-Spezialist bist: Wenn du zweimal auf einem Grand-Tour-Podium warst, hast du die Form, ganz vorne reinzufahren", meinte Pils. "Eine Medaille wäre eine Sensation, aber wenn es jemand schaffen kann, dann er."
Galls Leistungen in diesem Jahr seien außergewöhnlich. "Die Wertigkeit ist kaum in Worte zu fassen. Da gibt es nur eine Handvoll Leute auf der Welt, die das können auf dem Level."
Um bei der WM reüssieren zu können, benötigen die Österreicher mit ihrem Mini-Team ein möglichst schnelles Rennen, wie es die Slowenen für Tadej Pogacar wohl sichergestellt hätten. Der verletzungsbedingte Ausfall des Topstars hat die Karten neu gemischt. Nun werden wohl die Belgier für den neuen Favoriten Evenepoel und ihren zweiten Sieganwärter Wout van Aert Tempo machen.
Auch Frankreich mit Jungstar Paul Seixas und Spanien mit Vuelta-Sieger Enric Mas dürfte an einem möglichst schweren Verlauf interessiert sein.
Zeitfahren zur Formel-1-Strecke und retour
Bekannt ist die Strecke vom Grand Prix Montreal - laut Pils gemäß Datenanalyse das schwerste Rennen der gesamten vergangenen World-Tour-Saison. Die diesjährige Generalprobe entschied in der Vorwoche Mexikos Hoffnung Isaac del Toro vor Seixas für sich.
In Montreal hatten 1974 die ersten Straßenrad-Weltmeisterschaften außerhalb Europas stattgefunden. Der legendäre Belgier Eddy Merckx holte damals seinen dritten und letzten WM-Titel, nur 18 Fahrer kamen ins Ziel.
52 Jahre später werden in der größten Stadt der Provinz Quebec 13 Entscheidungen ausgetragen. Hoffnungen auf einen Spitzenplatz darf sich Österreich etwa im U23-Zeitfahren der Frauen durch Tabea Huys machen. Auch den Junioren Michael Hettegger (18) und Niklas Wiesmayr (16) ist etwas zuzutrauen. "Ich habe keine Einschränkungen, vor allem nicht für das Zeitfahren", versicherte Schweinberger vor dem Auftakt.
Die Strecke bei Männern und Frauen führt durch die historische Altstadt entlang des Sankt-Lorenz-Stroms bis auf die Formel-1-Rennstrecke auf der Ile Notre-Dame und zurück.