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Ceuta-Konflikt wirft Schatten auf die kommende WM 2030

Spanische Parteien beantragten, Marokko von der WM-Austragung auszuschließen. Marokko buhlt indes um Infantinos Gunst.

Ceuta-Konflikt wirft Schatten auf die kommende WM 2030 Foto: © IMAGO / Europa Press

Die Polemik um den jüngsten Migrantenansturm auf die spanische Nordafrika-Exklave Ceuta überschattet nun die Planung der von Spanien, Portugal und Marokko ausgerichteten Fußball-WM 2030.

Am Donnerstag erklärte Ceutas Präsident Juan Jesús Vivas vor dem EU-Parlamentsausschuss aus seiner Sicht die Gründe, die dazu führten, dass vor einer Woche bis zu 80.000 hauptsächlich marokkanische Migranten die EU-Außengrenze überschreiten konnten: "Marokko ist kein verlässlicher Partner."

Dieser Eindruck, der von TV-Bildern über eine völlig untätige marokkanische Grenzschutzpolizei untermauert wird, führte jetzt sogar zu einer mehr als ungewöhnlichen Situation im spanischen Parlament: Am Donnerstag reichten sowohl die rechtspopulistische Vox als auch die extrem linke Sumar-Partei Anträge ein, der Sportausschuss solle die FIFA auffordern, Marokko von der Ausrichtung der Fußball-Weltmeisterschaft 2030 auszuschließen. Normalerweise stimmen die beiden Parteien praktisch niemals in einer Sache überein.

Heftige Kritik Spaniens an Marokko

Spanien holte Portugal 2021 für eine gemeinsame iberische Bewerbung für die Austragung der WM 2030 ins Boot und 2023 Marokko, um die Chancen mit der ersten europäisch-afrikanischen WM zu erhöhen, die ein Jahr später dann auch tatsächlich den Zuschlag der FIFA erhielt.

Doch wie könne man eine Fußball-WM gemeinsam mit einem Land ausrichten, das einen "Angriff auf unsere nationale Souveränität" zuließ, fragte sich Vox-Chef Santiago Abascal. "Solange schwerwiegende Zweifel an der politischen Instrumentalisierung von Menschenleben bestehen", dürfe Marokko nicht "das Prestige, die wirtschaftlichen Vorteile und die internationale Legitimität einer Weltmeisterschaft" behalten, so Sumar.

Auch Pablo Fernández, Sprecher der linken Podemos, stellte klar: "Spanien sollte die Weltmeisterschaft nicht mit einer Diktatur wie Marokko ausrichten, die die Menschenrechte missachtet und für den Tod von über 140 Menschen bei einem Angriff auf Spanien verantwortlich ist."

Nerven liegen blank

Spaniens regierende Sozialisten haben sich noch nicht zum Thema gemeldet. Wohl auch, um die diplomatischen Spannungen mit Rabat nicht noch stärker zu belasten. Doch die Nerven in Spanien liegen derzeit blank.

Erst recht nach dem jüngsten Bericht der britischen Zeitung "Times", laut dem der angeschlagene FIFA-Präsident Gianni Infantino Marokko angeblich sogar die Austragung des WM-Finales versprach, damit das Land seine Wiederwahl im März 2027 unterstützt.

Die FIFA dementierte dies vehement. Ein Sprecher der Organisation stellte klar: "Es ist falsch und irreführend zu behaupten, der FIFA-Präsident habe irgendwelche Zusagen bezüglich der Ausrichtung des WM-Finales 2030 gemacht. Die FIFA wird zu gegebener Zeit eine Entscheidung treffen."

Dennoch meldete sich nun auch Spaniens Sportministerin Milagros Tolón zu Wort. Diplomatisch, aber klar: "Wir werden weiter daran arbeiten, denn wir wollen - und es muss so sein -, dass das WM-Finale in Spanien stattfindet", sagte Tolón am Donnerstag dem Radiosender Cadena Ser.

Als amtierender Fußball-Weltmeister der Männer und der Frauen habe ihr Land sportlich großes Gewicht. Zudem verfüge Spanien über viel Erfahrung in der Organisation sportlicher Großevents, biete moderne Infrastruktur und ein sicheres Umfeld. Das Endspiel könnte im Stadion Bernabéu von Real Madrid oder im Camp Nou des FC Barcelona stattfinden.

Enge Bande zwischen FIFA und Marokko

Doch Marokko arbeitet bereits seit Jahren darauf hin, vor allem das WM-Endspiel 2030 austragen zu können. Dafür lässt König Mohammed VI. derzeit in Casablanca sogar das nach seinem Vater Hassan II. benannte Stadion mit 115.000 Plätzen weltweit größte Fußballstadion bauen.

Just im marokkanischen Rabat hielt die FIFA am Donnerstag ihre Krisensitzung ab, nachdem Infantino wegen seiner FIFA-Investorenpläne unter Druck geriet und ein offener Machtkampf mit der UEFA ausgebrochen ist. Das Ergebnis: Geschlossenheit und Rückendeckung für den Präsidenten.

Dass das Treffen in Rabat stattfand, ist vielleicht kein Zufall. Infantino hat in Marokko einen seiner größten und strategisch wichtigsten Unterstützer. Während die Europäer sich von dem Schweizer abwenden, stehen die 54 afrikanischen Fußball-Verbände hinter ihm.

Dabei kommt vor allem dem einflussreichen Präsidenten des marokkanischen Fußballverbands, Fouzi Lekjaa, eine wichtige Schlüsselrolle zu. Er ist seit Jahren eng mit Infantino befreundet.

Lekjaa gilt als einer der mächtigsten Funktionäre innerhalb des afrikanischen Fußballs. Er sitzt im FIFA-Rat, ist Vizepräsident des afrikanischen Kontinentalverbands CAF und Vorsitzender des CAF-Finanzausschusses. Zudem hat er als marokkanischer Budgetminister direkten Zugang zur Regierung und zum Königshaus.

Er sitzt an den entscheidenden Tischen, wenn es um Turniere, Finanzen und strategische Entscheidungen im afrikanischen Fußball geht. Für Infantino ist er damit eine Schlüsselfigur für seine Wiederwahl im kommenden März.