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Pro & Contra: Machen Zeitstrafen im Fußball Sinn?

Die Fußball-Regelhüter wollen Zeitstrafen testen. Was spricht dafür und was dagegen? Das sagen die LAOLA1-Redakteure Raul Baur und René Mersol.

Pro & Contra: Machen Zeitstrafen im Fußball Sinn? Foto: © getty

Es ist ein Thema, welches in der Vergangenheit schon das eine oder andere Mal zur Sprache kam: Soll man im Fußball, wie beispielsweise auch im Eishockey, auf Zeitstrafen setzen?

Die Meinungen zu diesem Thema gehen seit jeher auseinander. Das International Football Association Board (IFAB), also das Gremium der obersten Regelhüter im Fußball, will die Einführung von Zeitstrafen jedenfalls testen.

Würde die Einführung einer weiteren Sanktionsmöglichkeit für Schiedsrichter, neben Gelben und Roten Karten, also Sinn machen?

Auch in der LAOLA1-Redaktion herrschen zu dem Thema unterschiedliche Meinungen vor. Welche Auswirkungen würde die Etablierung von Zeitstrafen nach sich ziehen? Die LAOLA1-Redakteure Raul Baur und René Mersol haben sich dazu Gedanken gemacht.

Zeitstrafen wären ein unnötiger Eingriff in den Spielablauf

von Raul Baur

Aus meiner Sicht würden Zeitstrafen den Spielfluss erheblich unterbrechen. Fußball ist ein dynamisches Spiel, das von Spielfluss und Tempo lebt. Zeitstrafen würden dazu führen, dass das Spiel häufiger gestoppt wird, was die Attraktivität des Sports mindern könnte.

Ich finde, Zeitstrafen könnten einen zu starken Einfluss auf den Spielverlauf haben. Ein Team, das gerade in Führung liegt, könnte dazu neigen, taktisch zu agieren, um Zeitstrafen zu provozieren und so das Spiel zu verlangsamen.

Der Fußball verfügt über eine traditionsreiche Historie und die Anhänger schätzen die Einfachheit des Spiels. Meiner Ansicht nach hätten Zeitstrafen das Potenzial, zusätzliche Verwirrung zu stiften und könnten von einigen als überflüssige "neue Regel" wahrgenommen werden.

Ich denke, der Fußball setzt bereits auf Fair-Play-Prinzipien und Bestrafungen durch Gelbe und Rote Karten, dann muss nicht noch eine Zeitstrafe dazukommen.

Schmerzhaft, aber gerade deswegen wirksam: Zeitstrafen für mehr Fairness und Respekt

von René Mersol

Zeitstrafen als zusätzliche Sanktionsmöglichkeit sind eine gute Idee, wie ich finde. Im Jugendfußball sind diese bereits seit einiger Zeit im Einsatz und aus persönlicher Erfahrung weiß ich, dass sie zu mehr Respekt und Fairness beitragen.

Eine Zeitstrafe wäre im Gegensatz zu einer Gelben Karte eine wesentlich schmerzhaftere Sanktion, weil sie unmittelbare Folgen nach sich zieht. Das Team muss für einen begrenzten Zeitraum mit einer Spielerin oder einem Spieler weniger auskommen. Eine Zeitstrafe würde man daher viel eher fürchten als eine Verwarnung.

Denn wir kennen das alle: Es steht kurz vor Schluss 1:0 für die gegnerische Mannschaft und plötzlich tut gefühlt jedem Akteur des führenden Teams irgendetwas weh. Das ist für niemanden schön anzusehen. In Unterzahl verteidigt sich eine knappe Führung wesentlich schwerer, weshalb eine Zeitstrafe in solche Fällen eine sehr treffende Maßnahme darstellen würde.

Auch etwaige Beleidigungen und andere Schmutzigkeiten zwischen den Akteuren auf dem Rasen würden dadurch eingedämmt. Ebenso würde der Respekt vor den Referees dadurch zunehmen, sie werden manchmal wie Freiwild angesehen. Dabei vergisst man in der Emotion gerne, dass sie Menschen sind wie du und ich.

Weiters könnte man so Druck von den Schiedsrichtern nehmen, weil sie bei der Wahl ihrer Sanktionen mehr Möglichkeiten haben. Mit der Einführung von Zeitstrafen wäre also allen, die auf dem Platz stehen, gedient.


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