FIFA: Neue Ära oder alte Leier?

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Gianni Infantino: Neue Ära oder alte Leier?

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Wie ein Messias wird Gianni Infantino gefeiert. Die Reaktionen auf seine Wahl zum neuen FIFA-Oberhaupt sind überschwänglich.

„Ein guter Tag für den Weltfußball“, sagt ÖFB-Präsident Leo Windtner. Ex-Präsidentschaftskandidat Luis Figo meint: „Endlich ist der Wechsel da. Es ist Zeit für eine neue Ära in der FIFA.“

Große Worte, aber kommt mit Infantino auch wirklich ein Wandel bei der FIFA? Einige Aspekte seiner Karriere lassen daran Zweifel aufkommen…

Die bessere Wahl

Freilich können viele Fußball-Fans nach der Wahl des Schweizers aufatmen. Schließlich verhindert er damit, dass mit Scheich Salman bin Ibrahim al Chalifa der Angehörige eines autoritären Königshauses den FIFA-Thron besteigt.

Im Vergleich mit dem Bahrains Verbandspräsidenten steht der bisherige UEFA-Generalsekretär für ein höheres Maß an Integrität und Professionalität. Infantino bekleidete seit 2009 die Position an der operativen Spitze der europäischen Konföderation.

Jene Transparenz, die die FIFA mit der nun beschlossenen Reform vorleben möchte, ist bei der UEFA schon länger üblich. Der Verband wird wie ein professionelles Unternehmen geführt und nicht im Stile einer mafiösen Organisation unter langjährigen Freunden – zu der sich die FIFA in den letzten Jahrzehnten unter Joao Havelange und dessen Nachfolger Sepp Blatter entwickelt hatte.

Rechte Hand von Platini

Gleichzeitig trug Infantino als UEFA-Generalsekretär jedoch nur wenig dazu bei, dieses korrupte System aufzubrechen. Als rechte Hand von Michel Platini war der 45-Jährige vielmehr ein Teil von ebendiesem.

Zwar hat sich der Glatzkopf, der 1999 Rapid dabei half, Charles Wittl zu verpflichten, nie selbst etwas zu Schulden kommen lassen – dafür ist sein Ziehvater Platini mittlerweile für sechs Jahre von allen Fußball-Tätigkeiten suspendiert.

Nur dadurch wurde Infantino als Plan B überhaupt in die Position als FIFA-Präsident hineingespült. Er hat dem Franzosen also viel zu verdanken. Gut möglich, dass der Schweizer, sollte er 2022 noch im Amt sein, seinen Freund Platini nach Ablauf der Sperre zurück in ein offizielles Fußball-Amt holt.

Parallelen zu Blatter

Gleichzeitig weist Infantino auffällig viele Parallelen zu seinem Vorgänger Blatter auf. Der in Brig geborene Walliser wuchs nur wenige Kilometer entfernt von Blatters Heimatdorf Visp auf. Wie der 79-Jährige beeindruckt auch Infantino mit vielfältigen Sprachkenntnissen und einem Schweizer Charme, der in der Funktionärslandschaft gut ankommt.

Dazu prägt die beiden auch eine programmatische Ähnlichkeit. Der langjährige FIFA-Boss verstand es wie kein Zweiter, mit finanziellen Zuschüssen für die Nationalverbände Wahlwerbung zu machen.

Auch Infantino buhlte mit Finanzversprechungen um die Stimmen der Delegierten. Er wolle mehr Geld in den Fußball investieren und weniger Rücklagen auf der Bank versauern lassen, meint der 45-Jährige. Fraglich bleibt, ob diese Investitionen auch wirklich überall bei den richtigen Stellen ankommen werden.

Viele Fragen offen

Nichtsdestotrotz ist es Infantino zuzutrauen, die beim Kongress beschlossenen Reformen umzusetzen. Daneben sind allerdings viele weitere Fragen offen.

Im Wahlkampf versprach der neue Präsident die Aufstockung der Weltmeisterschaft auf 40 Mannschaften. Die europäischen Top-Klubs laufen schon jetzt dagegen Sturm. Bei diesem Thema warten auf Infantino genauso heftige Diskussionen wie rund um die vielen Personalentscheidungen, die bei FIFA und UEFA zu treffen sind.

Nach seinem Abgang auf den Chefsessel des Weltverbands und Platinis Sperre steht der europäische Verband momentan ohne Führung da. Dazu muss Infantino einen Generalsekretär vorschlagen, der durch die neue FIFA-Struktur an Macht gewonnen hat. Dieser wird höchstwahrscheinlich aus Afrika stammen, wie Infantino bereits ankündigte.

Der Kampf zwischen Ungleichheit

Darüber hinaus geht es vor allem inhaltlich um eine neue Ausrichtung des Weltverbandes. Auch im Fußball geht die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander. Infantino muss ein Programm vorlegen, wie er dagegen vorgehen will. Viele Verbände wünschen sich, dass der Kuchen gerechter verteilt wird.

Dabei wird der Mann, der viele Fans durch Auslosungen bekannt wurde, auch gegen Widerstände aus Europa ankämpfen müssen. Denn die UEFA fungiert mit der finanzkräftigen Champions League durchaus als ein Motor dieser Entwicklung.

Auf Infantino wartet also eine spannende Zukunft. Er muss beweisen, ob er den Vorschusslorbeeren gerecht werden kann.

 

Jakob Faber

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang»
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